Geschichte seit 780

Schlüssel aus dem 8. Jahrhundert
Schlüssel aus dem
8. Jahrhunder

Münsterschwarzach wurde um das Jahr 780 von Fastrada, der 3. Gattin Karls des Großen als Frauenkloster gegründet. Es war ein Eigenkloster des karolingischen Herrscherhauses; Töchter der kaiserlichen Familie waren seine Äbtissinnen. Als die letzte karolingische Äbtissin im Jahre 877 starb, wurde es von den Nonnen aufgegeben. Nun zogen Benediktiner des Klosters Megingaudshausen (Lkr. Scheinfeld), das der fränkische Graf Megingaud im Jahre 816 gestiftet hatte, in das „Monasterium Suarzaha“, „das Kloster an der Schwarzach“. Nach anfänglicher Blüte erlebte es den Niedergang des 10. Jahrhunderts, erfuhr jedoch wieder einen Aufschwung unter Abt Egbert (1047–1077), der die Reform seines Heimatklosters Gorze (Lothringen) hierher brachte und u.a. eine Schule zur Erziehung junger Adliger gründete. Bischof Adalbero von Würzburg konsekrierte 1066 eine romanische Basilika. Geweiht ist Münsterschwarzach seil alters der hl. Felizitas, die mit ihren sieben Söhnen in einer römischen Christenverfolgung das Martyrium erlitten hat; ihr Gedächtnis wird am 23. November gefeiert (Darstellung in der Krypta der Abteikirche). In den folgenden Jahrhunderten erlitt das Kloster schwere äußere und innere Schäden: wirtschaftlichen und religiösen Ruin, Brände und Raubüberfälle; zuletzt die fast gänzliche Zerstörung im Bauernkrieg 1525. Unter Abt Johannes Burkhart (1563–1598), dem tatkräftigen Mitarbeiter des Bischofs Julius Echter, erstand die Abtei wieder zu neuem Glanz. Die große Zeit für das Kloster kam nach den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges mit Persönlichkeiten wie Abt Remi­gius Winkel (1646–1654), Benedikt Weidenbusch (1654–1672) und Plazidus Büchs (1672–1691), die alle für den geistlich-geistigen wie wirtschaftlichen Ausbau der Abtei sorgten; Abt Benedikt gründete sogar eine philosophisch-theologische Hochschule. Eine letzte Erinnerung an das Kloster jener Zeit ist das 1652 erbaute Torhaus. Gegen Ende des 17. Jh. begann man, einen großartigen Barockplan zu verwirklichen. Architekten wurden Valen­tino Pezani, dessen 1696/97 erbautes Gästehaus noch teilweise erhalten ist, und Josef Greising.

Klosteranlage von Münsterschwarzach im Jahr 1698
Klosteranlage von Münsterschwarzach im Jahr 1698

Für die Errichtung einer neuen Basilika an der Stelle der baufällig gewordenen romanischen Kirche konnte man, neben den bedeutendsten Malern und Stuckateuren jener Zeit, Balthasar Neumann gewinnen. Er schuf einen Sakralraum von gewaltiger Größe und Herrlichkeit, der 1743 von Bischof Friedrich Karl von Schönborn eingeweiht wurde. Die Maße jener Barockbasilika entsprachen in etwa denen der heutigen Abteikirche, die Höhe der Vierungskuppel indes war jene der heutigen Osttürme: 52 m

Aufriss der Balthasar-Neumann-Basilika von Münsterschwarzach, Weihe 1743, Abbruch 1825
Aufriss der Balthasar-Neumann-Basilika von
Münsterschwarzach, Weihe 1743, Abbruch 1825

Diesem Glanz war jedoch nur kurze Lebensdauer beschieden. Am 7. Mai 1803 fiel das Kloster der Säkularisation zum Opfer. Ein Jahrtausend benediktinischen Gotteslobes fand infolge des aufgeklärt-materialistischen Zeitgeistes ein jähes Ende. Bis auf geringe Reste wurde das Eigentum des Klosters zerstört oder verschleudert. Die Kirche selbst wurde nach Blitzschlag und Brand (1810) als Steinbruch benutzt und so dem völligen Zerfall preisgegeben.

Im 19. Jahrhundert wechselte das ehemalige klösterliche Anwesen mehrfach seinen Besitzer. 1825 erwarb Friedrich Bauer von Oberzell bei Würzburg die barocke, 1749 von Balthasar Neumann erbaute Klostermühle zur Errichtung einer Papierfabrik, die bis 1863 in Betrieb war.

In Franken lebte jedoch die Hoffnung fort, Münsterschwarzach werde eines Tages wiedererstehen. Sie erfüllte sich im Jahre 1913. Von St. Ottilien (am Ammersee), wo 1887 ein Benediktiner­kloster speziell für die „Heidenmission“ gegründet worden war, kamen 1901 die ersten Mönche, um auch in Franken einen Mittelpunkt für ihr Missionswerk zu schaffen. Sie ließen sich zunächst in St. Ludwig (nördlich von Volkach) nieder. Das Priorat erwies sich jedoch für die erwartete Entfaltung als zu klein. Deshalb erwarben die Benediktiner 1913 die Überreste des alten Klosters von Mün­sterschwarzach und kauften die nötigen Felder zurück.

Der erste Abt dieser Gründung war Plazidus Vogel, der von 1914 bis 1937 mit seinen Mönchen in zäher Arbeit das Kloster zu neuem Leben erweckte. Die Krönung seines Lebenswerkes ist die Abteikirche, die 1935 bis 1938 nach den Plänen von Prof. Albert Boßlet errichtet, am 11. September 1938 eingeweiht wurde.

Die Abtei Münsterschwarzach am Main

Ihr Innenraum zeichnet sich aus durch Einfachheit und Klarheit der Formen. Während der Mönchschor dunkel gehalten ist, wird der Altarraum, der der Entfaltung benediktinischer Liturgie reichen Platz bietet, von hellem Licht erfüllt. Über dem Altar thront am Kreuz Christus Salvator mit der Königskrone, der „Heiland der Welt“, dem die Kirche wie auch das ganze Leben der Mönche geweiht ist.

Außer der Orgel, mit 52 klingenden Registern ein Werk der Firma Klais (Bonn), wurde die gesamte Innenausstattung durch eigene Kräfte erstellt. Die weithin bekannte Marienplastik schuf Br. Franz Blaser († 1930). Der Christus Salvator, die Seitenaltäre St. Benedikt und St. Scholastika, die Ambonen und die Evangelistenfiguren der Fassade stammen von Fr. Maurus Kraus († 1941). Von seinen Schülern sind die Altäre St. Bonifatius, Gregor der Große, Maurus und Plazidus. Die neueren Altäre stellen dar: Johannes den Täufer, Adalbero mit Egbert und Makarius; Walburga, Thekla und Lioba; Anselm, Ludger und Ansgar; Martin v. Tours mit Burkhard und Willibald; Kilian, Kolonat und Totnan; Hildegard, Gertrud und Mechthild. Diese Heiligen stehen fast alle in einer besonderen Beziehung zum Benediktinertum und seiner Missionstätigkeit. Vor der Krypta (Unterkirche für kleinere Gruppengottesdienste) ist Abt Plazidus (†1943), der Erbauer dieses Gotteshauses, in einem Hochgrab beigesetzt.

Als seinen Nachfolger hatte der Konvent 1937 den aus Sommerach stammenden P. Burkard Utz gewählt, der die Abtei durch die schwere Zeit des Krieges führen musste. 1941 hob das Nazi-Regime die Abtei erneut auf und vertrieb die Mönche. Einige wenige hielten als „Dienstverpflichtete“ den Wirtschaftsbetrieb in dem hier eingerichteten Lazarett aufrecht, bis 1945 wieder alle Mönche in ihr Kloster zurückkehren konnten.
Von 1959 bis 1982 leitete Abt Bonifaz Vogel seinem Wahlspruch getreu „in Güte und Gerechtigkeit“ die Abtei. In dieser Zeit gingen zahlreiche Patres und Brüder als Missionare nach Afrika und Korea. In der Abtei wurden u.a. Schule, Internat und Gästehaus neu gebaut und die kleine sechsklassige Internatsschule zum Vollgymnasium erweitert.

Am 5. November 1982 wählte der Konvent P. Dr. Fidelis Ruppert zum 4. (74.) Abt. Gemäß seinem Wahlspruch „Vos omnes fratres“ – „Ihr alle seid Brüder“ gilt sein Hauptaugenmerk einer intensiveren Zusammenführung und Verlebendigung der klösterlichen Gemeinschaft. Zu den markantesten Ereignissen seiner bisherigen Amtszeit gehören die Innenrenovierung und Neugestaltung der Abteikirche (1987/88), die Renovierung des 1742–1749 von Balthasar Neumann entworfenen Mühlenbaus (heutige Bibliothek) und des von Valentin Pezani 1695 errichteten ehemaligen Gästehauses der Abtei.
Am 20. Mai 2006 wählten 109 Konventualen P. Michael Reepen zum 5. Abt seit der zweiten Wiederbegründung Münsterschwarzachs. Am 26. Juni 2006 wurde er von Bischof Friedhelm von Würzburg zum 75. Abt von Münsterschwarzach geweiht. Gott möge Abt Michael II. und die Mönche von Münsterschwarzach für die Zukunft segnen!