Die Glocken von Münsterschwarzach
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| © Br. Richard Maria |
Der neue Glockenstuhl aus Holz - eingebaut im Jahr 2011 |
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„Wenn der Klang der Glocken über die Ebene herkommt, dann zieht die Sehnsucht mit ihm in die Ferne, bis sie inne wird, dass die Erfüllung nicht am blau verschwimmenden Horizont liegt, sondern drinnen.
Sie senden Klang auf Klang hinaus in die Weite. Wogen des Wohllauts: helle, rasche, oder schwere, volle, oder tiefe, langsam dröhnende. Sie strömen hinaus, durchfluten die Weite und füllen sie mit der Botschaft des Heiligtums.“ (Romano Guardini)
Die Glocke ruft das Heilige aus in die Öffentlichkeit. Sie ruft uns zum heiligen Versammlung im Gottesdienst, um Gott zu preisen - ob zum Stundengebet oder zur Messe, zum Angelus, zum Begräbnis oder zu den Festen.
Seit die Kirche sich der Glocken als Signalzeichen bedient, waren es vor allem die Benediktiner, die die Kunst des Glockengießens pflegten und weitervererbten. Hier begegnen wir seit dem 8. Jh. den ersten schriftlichen Aufzeichnungen über die Konstruktion der Profile, über Maße und Guss der Glocken.
Der Glockenreichtum in unseren Landen hat mehrfach einschneidende Aderlässe erlebt, so im Dreißigjährigen Krieg und vor allem im Zweiten Weltkrieg, wo allein in Deutschland 42.583 Glocken, das sind fast 80% des ganzen Glockenbestandes, für Kriegszwecke beschlagnahmt und zerstört wurden. Auch die ersten Münsterschwarzacher Glocken nach der Wiederbesiedlung (1936 geweiht) wurden 1942 für den Krieg beschlagnahmt.
Nach dem 2. Weltkrieg beschaffte Pater Barnabas trotz Metall- und Zinnknappheit das nötige Material für neue Glocken. Hieraus wurden 1947 drei neue Glocken gegossen:
-St. Feliziats (Ton e, Gewicht 1050 kg, Durchmesser 120 cm)
-St. Josef (Ton g, Gewicht 650 kg, Durchmesser 100 cm), der uns täglich zum Angelus zur Mittagsstunde und am Morgen zum Frühchor um ruft
-St. Placidus (Ton a, Gewicht 470 kg, Durchmesser 80 cm)
Erst im Jahr 1950 werden die drei großen Glocken gegossen:
-Christus Salvator (Ton a°, Gewicht 3650 kg, Durchmesser 189 cm), der mit seinem tiefen Ton zu Pontifikalgottesdiensten, Weihnachten und Ostern einläutet.
-St. Benedikt (Ton c, Gewicht 2100 kg, Durchmesser 157 cm)
-Ave Maria (Ton d, Gewicht 1700 kg, Durchmesser 140 cm)
Ferner ist noch heute die „Evangelisten“ Glocke aus dem Jahr 1361/62 in Gebrauch. Sie klang schon vor Jahrhunderten in Münsterschwarzach und fand nach dem Krieg wieder den Weg zu uns. Sie ruft uns täglich zur Mittagshore und zur Komplet.
Der Heilige Benedikt schreibt in seiner Regel, „hört man das Zeichen zum Gottesdienst, lege man sofort alles aus der Hand und komme in größter Eile herbei“. So begleiten uns die Glocken Tag für Tag und helfen uns, vom Alltag abzulassen und seinem Ruf in Liebe und Gehorsam zu folgen.