Im Dezember 2009 ging Br. Jona Schäfer (Jahrgang 1954) aus der Abtei Münsterschwarzach für zwei Jahre als Missionar nach Afrika. Das Ziel des schlagfertigen und wortgewandten Buchliebhabers und Verkaufstalents ist Peramiho in Tansania. Welche Erwartungen, Wünsche und vielleicht auch Ängste er vor seiner Abreise mitnimmt, lesen Sie im folgenden Interview aus der Februar-Ausgabe unseres Ruf in die Zeit:
Was bedeutet Mission heute und welche Erwartungen nehmen Sie nach Peramiho mit?
Es ist nicht so, dass ich sage: „Ich geh jetzt da rüber als der Missionar, weil die armen Afrikaner noch nichts von Jesus Christus wissen.“ Das ist völlig verkehrt, unsere Mitbrüder sind seit über 100 Jahren in Tansania. Es geht dort schon lange nicht mehr um Erstverkündigung. Wenn ich das machen wollte, wäre es gescheiter, nach Thüringen zu gehen. Vielmehr stehen wir derzeit in Afrika in einem Prozess, die monastische Welt afrikanischer zu gestalten.
Was können Sie den Menschen in Afrika aus Deutschland mitbringen?
Ich möchte eigentlich gar nichts mitbringen. Es ist eher umgekehrt: Ich möchte mich vom freudigen Christentum der Afrikaner anstecken lassen. Ich möchte die Art, Christentum zu leben, von dort mitbringen! Darüber hinaus ist eine meiner Grundideen, dass die Leute sich mit der Bibel beschäftigen. Sprich: Wo lerne ich Gott kennen? Hier im Buchladen habe ich immer wieder erlebt, dass sich Leute zu sehr mit der Sekundärliteratur zur Bibel beschäftigen. Ich möchte den Menschen hier wie dort den Geschmack vermitteln, in den Geschichten zu lesen, ja in diesen Geschichten sich selber zu entdecken.
Welche Aufgaben erwarten Sie in Peramiho?
Die Mitarbeit im Buchladen ist der Erstgedanke. Das wird mit Sicherheit aber noch ein bisschen dauern – für einen 55-jährigen Schädel ist die Landessprache Kisuaheli doch etwas sperrig. Was dann daraus wird, muss sich vor Ort zeigen.
Gehen Sie mutig an Ihre neue Aufgabe ran?
Mutig ist vielleicht der falsche Ausdruck – das klingt so nach Mut, der von mir ausgeht. Es ist eher die Grundidee von Abt Michael, der gesagt hat: „Für Deine spirituelle und geistliche Weiterentwicklung halte ich diesen Neustart in Afrika für hilfreich.“ Es ist ein Ja-Sagen zu einer Herausforderung, die mir Abt Michael als Chance gegeben hat. Zudem gehe ich in dem Gottvertrauen, dass, wo auch immer Gott mich hinschickt, er auch ist! Ich habe Gott in meinem Leben sehr häufig als Begleiter erfahren. Wenn man sich auf Gott einlässt, wird man sicher ein erfülltes Leben haben, aber ganz sicher kein bequemes! Nicht umsonst habe ich den Namen Jona gewählt…
Sie sind leidenschaftlicher Radfahrer….
Naja, Radfahren war hier für mich ein spiritueller Ausgleichssport. Viele geistliche Themen sind mit mir aufs Fahrrad gestiegen und dann in etwas anderer Form wieder abgestiegen.
Steht eine Bezwingung des Kilimandscharo auf zwei Rädern auf dem Programm?
Nein, überhaupt nicht! Es steht eher die Bezwingung des Br. Jona auf dem Programm, dass er mal mehr mit den Ohren hört und nicht so viel mit dem Mund verkündet.
Das ganze Interview und viele weitere interessante Artikel über die Mönche im weltweiten Einsatz finden Sie im neuen Ruf in die Zeit.