Eintauchen in eine andere Welt

Einkehrtage im Kloster Münsterschwarzach

Die Schülerinnen und Schüler nahmen für eine Woche teil am klösterlichen Leben.

„Ora et labora – bete und arbeite“. So lautet die Ordensregel in jedem Benediktinerkloster, also auch in der Abtei Münsterschwarzach bei Würzburg. Für eine Woche wollten auch wir, 22 Schüler der Kursstufe 1 des St. Raphael-Gymnasiums Heidelberg, am klösterlichen Leben teilnehmen, und machten uns also in Begleitung von Herrn Großklaus und Herrn Dolmetsch auf den Weg nach Münsterschwarzach – mit gemischten Gefühlen, denn anfangs konnte sich keiner von uns etwas Konkretes darunter vorstellen, die Begeisterung blieb also eher verhalten.
Das änderte sich jedoch schon, als wir an der Klosterpforte freundlich von zwei Mönchen begrüßt wurden: Pater Jesaja und Bruder Melchior, die uns die kommenden Tage als Begleiter zur Seite stehen sollten – und sie waren ganz anders, als wir uns Mönche vorgestellt hatten: Bruder Melchior hatte auf seinem facebook-Account Beziehungsstatus „es ist kompliziert“, da er die ewigen Mönchsgelübte noch nicht abgelegt hatte und Pater Jesaja, der schon an Gott „vergeben“ war, tanzte am letzten Abend mit Bettina eine Runde Discofox.
Auch war das Kloster selbst beeindruckend: Eine riesige Anlage mit eigener Schule, Sportplätzen und Werkstätten; komplett autark, über 90 % der benötigten Energie wird im Kloster selbst produziert, einer der vier riesigen Türme dient als Wasserspeicher.
Dreimal täglich trafen wir uns mit Melchior und Jesaja in einem Gruppenraum, wo wir zur Einführung meistens jonglierten, und uns dann häufig einer so entspannenden Meditation unterzogen, dass beim ersten Mal einige – unter leisem Schnarchen - ihren Schlafmangel ausglichen.
Der Aufbau der Klostertage blieb immer ähnlich, war aber trotzdem abwechslungsreich: Ein Beisammensein im Gruppenraum, Meditationen, tiefgehende Gespräche und Diskussionen über unterschiedliche Themen, z.T. in Kleingruppen, aber auch das Malen unseres Lebensbaums oder ein Brief an uns selbst – Pater Jesaja hatte immer neue Ideen, um uns den guten Geist des Klosters nahezubringen. Besonders beeindruckt waren viele von uns davon, wie offen die Mönche über ihr Leben gesprochen haben, also z.B. ihre Motivation, ins Kloster einzutreten oder den Umgang mit Sexualität im Kloster.
Aber neben diesen eher theoretischen Erfahrungen mussten wir auch einmal selbst Hand anlegen: das Labyrinth auf der Klosteranlage war inzwischen völlig mit Unkraut zugewachsen, und so verbrachten wir einen Vormittag damit, die Wege durch „spirituelles Jäten“ wieder zum Vorschein zu bringen. Durch diese doch recht monotone Arbeit war man gezwungen, sich auf sich selbst zu besinnen, vor allem in Phasen, in denen wir alle schweigen sollten, sodass alle von uns auch aus diesem Vormittag wirklich etwas mitnehmen konnten.
Zwischen diesen Gruppenstunden stand uns immer viel Freizeit zur Verfügung, z.B. zum Einkaufen im kleinen Supermarkt des Nachbarortes oder zum Ausflug an den nahen Baggersee. Ganz zentral war der Klosteralltag allerdings durch die Gottesdienste geprägt, sechsmal jeden Tag, der erste schon um fünf Uhr fünf. Entgegen den allgemeinen Befürchtungen wurde aber niemand gezwungen, in einen Gottesdienst zu gehen. Trotzdem entschieden sich einige, auch einmal den frühesten Gottesdienst zu besuchen, oder den um 7:15 in der wunderschönen Krypta; eine Schülerin besuchte einen Tag lang sogar alle sechs Gottesdienste. Während der Messe herrschte immer eine ganz besondere Atmosphäre, auch wegen der Mönche, die den Gottesdienst vorne im Chorgestühl mitfeierten.
Jedoch herrschte nicht nur in diesen Gottesdiensten, sondern im ganzen Kloster eine fast übernatürliche Ruhe und ein derart guter Geist, dass am Ende unserer Einkehrtage viele von uns gerne noch länger geblieben wären. Wir alle haben in diesen Tagen einen ganz neuen Bezug zum Leben im Kloster und zur Spiritualität erfahren und ich glaube, jeder von uns ist froh, dabei gewesen zu sein.

Max Rogall

Veröffentlicht: 12.10.2012

Br. Simon Brockmann