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Bleib in Deinem Zimmer

Zu aktuellen Corona-Krise hat sich P. Anselm Grün OSB vor dem Hinblick der Mönchstradition Gedanken gemacht.

Es ist nicht so leicht, durch die Quarantäne jetzt ständig daheim zu bleiben. Schon die frühen Mönche kannten im 4. Jahrhundert den Drang, endlich auszubrechen aus ihrem engen Kellion. Sie dachten, sie könnten draußen in der Welt mehr für die Menschen tun. Doch die Altväter kennen die Gefahr, dass man sich selbst gerne ausweichen möchte. So gibt Altvater Mose einem jungen Mönch, der am liebsten ausbrechen möchte aus seiner Enge den Rat: "Geh in dein Kellion und setze dich nieder. Und das Kellion wird dich alles lehren." (Apophthegma 500)

Es ist gut, einfach mal in seinem Zimmer zu bleiben und sich selbst auszuhalten. Wenn ich bei mir bleibe, lerne ich mich kennen mit all den Höhen und Tiefen, mit all den hellen und dunklen Seiten in mir. Das führt zur Demut und zur Ehrlichkeit. Im normalen Leben haben wir genügend Fluchtmöglichkeiten, um der eigenen Wahrheit aus dem Weg zu gehen. Da können wir von einem Event zum andern oder von einer Beschäftigung zur andern gehen. Daher fällt es uns nicht so leicht, bei uns zu bleiben. Schon Blaise Pascal hat das im 17. Jahrhundert ähnlich erlebt. Er schreibt, das Problem des modernen Menschen sei, dass keiner mehr allein in seinem Zimmer bleiben kann. Ich kann es nur in meinem Zimmer aushalten, wenn ich mit einer gewissen Neugier wahrnehme, was in mir hochkommt. Es ist die Neugier, sich selbst besser kennen zu lernen. Das wird mir ohne Angst nur dann gelingen, wenn ich daran glaube: Mit allem, was in mir hochkommt, bin ich von Gott bedingungslos angenommen.

Und wie die Mönche sagen: Ich soll mit Christus selber hinabsteigen in die chaotischen Tiefen meiner Seele. Dann wird alles in mir von ihm erleuchtet.

Von P. Anselm Grün OSB

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