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Coronavirus und Benediktsregel

Kein Weihwasser mehr, strenge Handdesinfektion und der Verzicht auf den Friedensgruß – die Kirchen reagieren auf das Coronavirus. Internist und Tropenarzt Br. Dr.  Ansgar Stüfe OSB hat sich auch Gedanken dazu gemacht.

Vor wenigen Tagen wurden wir gefragt, ob unsere Abtei auf die Epidemie des Coronavirus vorbereitet ist. Der heilige Benedikt hat ein eigenes Kapitel geschrieben, wie man mit Kranken umgehen soll. Er verlangt von den gesunden Mönchen, den Kranken alles zukommen zu lassen, was sie brauchen. An anderer Stelle aber ermahnt er die Mönche, sich den Tod täglich vor Augen zu halten.

Somit ist unsere Haltung in der Coronavirus-Epidemie auch klar. Wir tun alles, um uns zu schützen, müssen aber auch mit Todesfällen rechnen, sollte das Virus bei uns ankommen. Im vergangenen Jahr sind sechs Mitbrüder gestorben. Sie waren alle chronisch krank und ihr Alter reichte von 84 bis 94 Jahren. Was wären die Schlagzeilen gewesen, wenn sie an einer Infektion gestorben wären?

Die Menschen heute haben vergessen, dass wir mit Risiko leben müssen. Wir sollen nicht leichtsinnig sein, aber das Coronavirus rechtfertigt kein Stillstehen des gesellschaftlichen Lebens. Panikmaßnahmen sind unangebracht. Im Vergleich mit der Grippe wird darauf hingewiesen, dass zehnmal mehr Menschen am Coronavirus sterben als an Grippe. Das klingt dramatisch.

Die Infektionsrate ist aber voraussichtlich wesentlich geringer als bei der Grippe. Wenn so viele Menschen am Coronavirus in Deutschland sterben würden, wie an Grippe, müsste man mit 10.000 Toten rechnen. Dann müssten eine Million Menschen infiziert worden sein. Bisher sind weltweit 80.000 Menschen infiziert worden. Es ist also unwahrscheinlich, dass in Deutschland allein eine Million Menschen am Coronavirus erkranken werden. Die SARS Epidemie, die viel gefährlicher war und einen ähnliches Virus aufwies, konnte auch eingedämmt werden.

Die Übertragung von solchen Viren lässt in der warmen Zeit nach. Daher sollten wir jetzt körperlichen Kontakt meiden, in der Kirche etwa auf den Friedensgruß mit Handschlag verzichten, die Hände desinfizieren oder gut waschen (mit warmen, Wasser, Seife, mindestens 30 Sekunden) und unserem normalen Leben nachgehen.

Von Br. Dr. Ansgar Stüfe OSB
Internist, Tropenarzt

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