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Die Lage in Peramiho - Zweiter Teil

Neben vielen positiven Erlebnissen hat Br. Ansgar Stüfe OSB auch Erschreckendes über die politische Situation in Tansania mitbekommen. Der zweite Teil seines Berichtes handelt davon.

Die vielen Gespräche ermöglichten aber auch Einsichten in die aktuelle Lage Tansanias. Ohne Übertreibung kann man sagen, dass politische Schatten über dem Land liegen. Präsident Magufuli ist seit drei Jahren im Amt. Sein Amtsantritt gab zu großen Hoffnungen Anlass. Er stemmte sich mit Energie gegen Korruption und beseitigte alte Seilschaften. Seit einiger Zeit jedoch nimmt seine Amtsführung zunehmend autoritäre Zuege an. Zudem wurden schlechte wirtschaftspolitische Entscheidungen gefällt. Die Wirtschaft lahmt zunehmend.

Es ereignen sich erschreckende Vorfälle. So erfuhren wir, dass bei den anstehenden Kommunalwahlen auch ein Mitarbeiter des Krankenhauses für die Opposition kandidierte. Nach einer Wahlveranstaltung wurde er auf dem Heimweg von Unbekannten zusammengeschlagen. Solche Vorkommnisse häufen sich. Ein Parlamentsabgeordneter wurde sogar zusammengeschossen. Offensichtlich versucht der Präsident, die Bevölkerung einzuschüchtern.

Auch die Wirtschaft bekommt das zu spüren. In der Zeitung wird offen gegen ausländische Firmen gehetzt. Viele haben das Land bereits verlassen. Als ich an einem riesigen leeren Gelände in Dares Salaam vorbeikam, fragte ich, wozu dieser von Mauern umgebene Platz denn dienen soll. Der Fahrer erklärte mir, dass es sich um einen Stapelplatz für Container handele. Früher konnten wegen der großen Anzahl nicht alle Container sofort abtransportiert werden, nachdem sie vom Schiff geladen wurden. Sie mussten auf diesem Platz zwischengelagert werden. Jetzt kommen so viel weniger Container ins Land, dass ein Zwischenlager nicht mehr benötigt wird und der Platz geschlossen wurde. Der Handel ist also massiv zurückgegangen.

Kontrolle durch die Regierung

Die Regierung hat auch kein Interesse mehr, mit kirchlichen Einrichtungen zusammenzuarbeiten. Die Zuschüsse für unsere Krankenhäuser warden immer weniger. Durch Inspektionen und Stichproben werden auch unsere Schulen kontrolliert. Wie sehr wir unter Beobachtung stehen zeigt ein außergewöhnlicher Vorfall. Ein Arzt arbeitete schon seit mehr als 25 Jahren bei uns. In diesem Jahr kam er nicht mehr aus dem Urlaub zurück. Als unsere Verwaltung nachforschte, kam vom Staatsicherheitsdienst die Mitteilung, dass er nicht mehr zu uns kommen wird. Er war wohl all die Jahre unser geheimer Aufseher gewesen und wurde jetzt befördert. Ich hatte immer ein gutes Verhältnis zu ihm. So hoffe ich, dass seine Berichte nicht allzu negativ waren.

Neben all den großartigen Eindrücken, den unsere Arbeit hinterlassen hat, bekam die Gruppe auch diese eher bedrückenden Informationen mit, die man in keiner Zeitung lesen kann. Die Kirche und unsere Klöster sind die einzigen wirklich unabhängigen Institutionen im Land. Die Bischöfe haben sich auch öffentlich über die Politiker des Präsidenten beschwert. Zudem ist Präsident Magufuli ein Katholik. Wir können nur hoffen, dass dem Land Schlimmeres erspart bleibt.

Diese Informationen blieben bei der Reise eher im Hintergrund. Beim Abschied überwog das Positive. Die Menschen Tansanias sind so menschlich und freundlich, dass niemand davon unberührt bleibt. Solche Reisen sind äußerst informativ. Auch ich selbst bekam in kurzer Zeit Einblicke, die mir zuvor verborgen geblieben waren. 

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