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Ostern zu Hause – Eine Zeit des Schmerzes und des Lernens

Br. Ansgar Stüfe OSB sieht die Corona-Krise aus mönchischer und ärztlicher Perspektive.

Als Arzt und Mönch bekomme ich in dieser Zeit der Corona-Virus Epidemie völlig neue Herausforderungen. Erst einmal habe ich viel lernen müssen. Geradezu täglich werden neue Erkenntnisse über die Krankheit und ihre Ausbreitung veröffentlicht. Wissen, das vor drei Wochen gültig war, ist heute hinfällig. Daher stammt auch die große Unsicherheit bei den Menschen und letztlich auch bei den Fachleuten. Niemand möchte sich vorwerfen lassen, etwas falsch gemacht zu haben. Es werden Maßnahmen getroffen, die teilweise aus theoretischem Wissen stammt. Den Effekt dieser Maßnahmen wird man erst nach der Epidemie beurteilen können. So handeln die Verantwortlichen nach dem Motto, lieber zu viel als zu wenig. Dazu gehört die Methode der Quarantäne.

Die Quarantäne ist eine sehr alte Methode. Sie wurde im Mittelalter erfunden. Die Quarantäne kommt von dr Zahl 40 und bezog sich auf die Fastenzeit. Hatte man zu Beispiel ein Schiff mit Pestfällen an Bord 40 Tage lang isoliert, war die Krankheit zuende. Natürlich waren auch einige gestorben. Die überlebenden Menschen waren aber geheilt und immun. So schützte sich die damalige Bevölkerung  ohne genau zu wissen, was eigentlich die Ursache der Krankheit war.

Über die jetzige Epidemie wissen wir natürlich viel besser Bescheid. Der Verlauf und Einzelheiten der Krankheit sind genau so neu und unberechenbar wie die Pest damaliger Zeiten. Daher wurde zu diesem uralten Mittel der Quarantäne gegriffen. Allerdings gibt es großen Grund zur Hoffnung. Wir müssen nicht warten, bis alle infiziert sind, sondern eine Impfung wird kommen und eine Schnelltestung lässt die Verbreitung bald besser eindämmen. Daher ist die erste wichtige Erkenntnis für alle, dass diese drastischen Maßnahmen einmalig sind.

Vier Wochen muss jeder zu Hause bleiben. Das ist für manche ein großes Problem. Wir Mönche versuchen mit allen, die wir kennen in Kontakt zu bleiben. Wie segensreich sind jetzt plötzlich die viel gescholtenen neuen Medien. Hier merkt man ganz plötzlich, dass die neuen Medien per se gar nicht schlecht sind. Es kommt auf uns selber an, wie wir sie nutzen. So hat der Vier-Türme-Verlag ein Heft herausgegeben, das unseren Freunden hilft, zu Hause Ostern zu feiern. Auf unserer Website kann man Lieder und Texte dazu finden. So lernen wir sehr schnell, wie wir auch in besonderen Zeiten weiter in Kontakt bleibe können.

Erstaunlich ist es doch auch, wie sehr die Menschen sich an die Vorschriften halten, für sich bleiben und den engen Kontakt meiden. Für Menschen in Einsamkeit und in Notsituationen sind diese Tage schwer erträglich. Um viele wissen wir ja gar nicht. Wir hoffen aber, dass Gemeinschaft auch wirkt, wenn wir uns nicht gegenseitig sehen und trösten können. Daher fordern wir Menschen auf, uns zu schreiben. Das ist ein Dienst, der auch Wirkung zeigt. Christentum war immer Leben in Gemeinschaft. In den Anfangsjahren des Christentums waren Christen oft dazu verurteilt, für sich zu bleiben, weil sie verfolgt wurden.

Gerade in diesen Zeiten fanden sie Trost und Stärkung durch den Geist Jesu. Nach solchen Verfolgungszeiten blühten die Gemeinden auf. Hoffen wir, dass diese schwierige und oft schmerzliche Zeit uns neue Impulse und Einsichten gibt. Neue Wege des Glaubens helfen uns später, den Alltag besser zu bewältigen. Krisen haben schon immer mehr gestärkt als geschadet. So sollten wir alle konkret darauf hoffen, dass diese strengen Trennungsmaßnahmen bald beendet sind und diese Zeit der Isolation eine besondere Lernphase für unser ganzes Leben ist.

Von Br. Ansgar Stüfe OSB

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