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Strukturen des Klosters: Die Dekanien

In einer neuen Serie werden die Strukturen und Ämter des Mönchskonvents vorstellt. Den Anfang machen die sogenannten Dekanien.

Das Wort "Dekanie" leitet sich vom lateinischen "decem" = "zehn" ab und bezeichnet im Kloster eine Gruppeneinteilung von zehn Mönchen. Bereits im alten Mönchtum vor Benedikt war diese Unterteilung bei einer größeren Anzahl von Mönchen üblich. Benedikt widmet den Dekanen (Leiter dieser Dekanien) und damit auch den Dekanien ein ganzes Kapitel in der Benediktsregel, in dem es unter anderem heißt:

Kapitel 21: Die Dekane des Klosters
1 Wenn die Gemeinschaft grösser ist, sollen aus ihrer Mitte Brüder von gutem Ruf und vorbildlicher Lebensführung ausgewählt und zu Dekanen bestellt werden.
2 Sie tragen in allem Sorge für ihre Dekanien nach den Geboten Gottes und den Weisungen ihres Abtes.
3 Als Dekane sollen nur solche ausgewählt werden, mit denen der Abt seine Last unbesorgt teilen kann.

Benedikt sieht die Dekanien also für größere Gemeinschaften vor und die Dekane zur Unterstützung des Abtes. Die Tradition der Dekanien ging allerdings im Lauf der Jahrhunderte verloren, auch in der Abtei Münsterschwarzach.

Erst unter dem damaligen Abt Fidelis Ruppert OSB wurden um 1983 die ersten Dekanien wieder eingeführt und durch ihn Dekane ernannt. Zu Beginn sicher keine leichte Aufgabe, war doch die Befürchtung da, durch eine bewusste Teilung auch den Konvent in Kleingruppen zu spalten. Doch über die Jahre hat sich das Modell nicht nur etabliert, sondern weiterentwickelt. Die Dekanien begannen, ihre Dekane selbst zu wählen, auch wurde anfänglich nach Alter eingeteilt bis später die Dekanien ausgelost wurden – und das alle drei Jahre. Auch die Zehnerzahl wurde über die Jahre bis heute flexibel gehandhabt.

Anfang 2021 dann die nächste Neuerung. Ein kombiniertes Verfahren aus Alterseinteilung und Auslosung. Die Gruppe der Bewohner von Alten- und Krankenstation und die über 85 jährigen bilden nun zwei eigene Dekanien. In der Gruppe der über 75-Jährigen gibt es zwei Dekanien, die gelost wurden. Vier weitere geloste Dekanien entstanden aus der Gruppe unter 75. Die Novizen und Mönche mit zeitlicher Profess bilden ebenfalls eine eigene Dekanie. Zuvor wählte der gesamte Mönchskonvent Dekane, die zu den einzelnen Dekanien zugelost wurden.

"DieseDekanien kommen dem Gemeinschaftsleben sehr zugute und sind mittlerweile etabliert", sagt Abt Michael Reepen OSB. Durch die ständige Durchmischung kämen auch Mitbrüder zusammen, die im Alltag durch unterschiedliche Arbeitsplätze und Aufgaben im Kloster strukturell wenig Kontakt haben. Auch habe die Entwicklung über die Jahre gezeigt, dass dem Anliegen Benedikts gerecht geworden sei: Die Sorge für- und umeinander.

In einer großen Gemeinschaft, so Abt Michael, bestehe immer die Gefahr, dass einzelne untergehen könnten. Die Dekanien sind auch Orte, in denen die Brüder geistlich miteinander und aneinander wachsen sollen. Das geschehe durch regelmäßige Treffen und Auseinandersetzung mit Themen, die gerade für die Gemeinschaft wichtig seien. Diese können durch den Abt vorgegeben sein oder aus der Gruppe kommen.An jedem zweiten Mittwoch im Monat und jedem ersten Samstag finden besondere Zeiten in den Dekanien statt. Gottesdienste, Bibelteilen und Gelegenheit, sich auszutauschen. Hinzu kommen gemeinsame Besinnungstage oder Exerzitien und Ausflüge.

Auch zusätzliche Exerzitien oder geistliche Begleitung seien möglich, so Abt Michael. Die jungen Mönche würden dies innerhalb ihrer Ausbildung vor allem vermehrt nutzen. "Ich finde es immer gut, wenn Mitbrüder geistlich zusammenwachsen möchten. Soweit das möglich ist, haben die Dekanien da auch einen gewissen Freiraum", beschreibt er es.

Besonders ist die sogenannte "culpa".Zweimal im Jahr wird in den Dekanien über die eigene Lebensweise vor dem Hintergrund der eigenen Schuld gesprochen. "Da geht es etwa darum, wie der einzelne durch sein Verhalten das Gemeinschaftsleben gestört hat. Das kann durchaus herausfordernd sein", weiß Abt Michael, der dieses ritualisierte Erklären und miteinander Sprechen sehr wichtig hält. "Wir lernen, uns auszutauschen, auch, wenn es manchmal schmerzhaft sein kann."

Auch für die Mönche, die außerhalb der Abtei leben, ist gesorgt. Sie sind als "ruhende Mitglieder" bestimmten Dekanien zugeordnet und sind meist durch einen beauftragten Mönch im Austausch. Wenn sie in der Abtei sind, haben sie so direkt eine Anschlussmöglichkeit und gehören dazu. 

"Für mich sind die Dekanien nicht mehr wegzudenken", sagt Abt Michael. Für ihn haben die Kleingruppen den Vorteil, dass er Themen direkt an die Dekane, die sich bei der Dekanekonferenz mit ihm treffen und berichten, weitergeben könne. Innerhalb der Dekanien könnten diese dann diskutiert und besprochen werden: die Verantwortung teilen, ganz wie es Benedikt im Sinn hatte.