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Verantwortung für Gottes Schöpfung tragen

Predigt von P. Christoph Gerhard OSB zum Dreifaltigkeitsfest.

Liebe Schwestern und Brüder! Wenn wir in dieser Woche ein wenig aufmerksam die Nachrichten verfolgt haben, dann haben wir wieder erfahren können, wie entscheidend das Gottesbild für den Blick auf den Menschen und umgekehrt, wie sehr das Menschenbild auch den Blick auf Gott prägt.

Erster Schauplatz vor einigen Wochen: Es ist eine Sitzung der brasilianischen Regierung mit dem christlichen Präsidenten Bolsonaro. Sein Umweltminister Ricardo de Aquino Salles sagte: "Wir haben jetzt die Möglichkeit, da die Presse sich ausschließlich mit Covid-19 beschäftigt, uns das Thema Amazonas vorzunehmen. Wir haben in diesem Moment die Chance, alle Regelungen zu ändern und die Vorschriften zu vereinfachen." – was meint, den Regenwald ungehindert abzuholzen, die indigene Bevölkerung zu vertreiben und die eigenen Profite zu steigern. Wenn wir gleich im Glaubensbekenntnis von dem "einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt. / Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn" singen, dann ist das nicht mit einem solchen Handeln zu verbinden.

Das ist im höchsten Maße dazu im Widerspruch, gegen den Schöpfer der Welt und gegen seine Schöpfung. Alles, was Gott geschaffen hat und dem Menschen in die Verantwortung übergeben hat, ist nicht in unser Belieben gestellt und darf nicht einfach zerstört werden für unsere eigene Zwecke. Wir haben von Gott die Schöpfung als Geschenk empfangen, das wir miteinander teilen und an die nächste Generation weiter zu geben haben. Was aber noch schlimmer ist: es bleibt nicht nur einfach beim Abholzen des Regenwaldes, beim Zerstören der regionalen und dem Schädigen der globalen Ökosysteme, sondern es wird auch den Menschen vor Ort die Lebensgrundlage in der Natur genommen. Die Indigenas werden gar nicht als Menschen wahrgenommen: ihnen wird das Land und das Leben geraubt. All das ist nicht nur ein Schlag gegen die Menschenrechte und -würde: es richtet sich auch gegen den dreieinen Gott als Schöpfer der Welt.

Zweiter Schauplatz in diesen Tagen: Wenn ein Donald Trump als US-amerikanischer Präsident mit erhobener Bibel in der Hand vor einer Kirche steht und sich als Führer für „law and order“ präsentiert, zuvor aber friedliche Demonstranten mit Gewalt vertrieben wurden, dann wird dadurch das Christentum nicht gestärkt, sondern allenfalls benutzt für die eigenen Zwecke. Zu Recht ist dieses Geschehen als Missbrauch der Religion kritisiert worden, denn welches Gottesbild wird dadurch transportiert: "law and order", mit der Bibel in der Hand reduzierte er Gott auf Gesetz und Ordnung. Und noch schlimmer: wer hat das auf Erden umzusetzen? Natürlich der amerikanische Präsident, der notfalls die Hunde oder gar das Militär gegen die eigenen Mitbürger einsetzt, um seine Ziele zu erreichen.

Solche Geschehnisse sind für mich unmöglich mit einem christlichen Gottes- und Menschenbild vereinbar, das aus der Dreifaltigkeit Gottes entspringt. Denn: Gott ist Mensch geworden in Jesus Christus. Er ist ganz Mensch geworden, nicht Mann, nicht Frau, nicht einer bestimmten Hautfarbe verpflichtet, sondern allen Menschen gleich, wie es das urchristliche Lied im Philipperbrief uns sagt. Von Gott her bekommen wir, alle (!) Menschen unsere Würde, die kein Mensch einem anderen absprechen kann. Auch nicht der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und auch nicht im Namen von "law and order" – so sehr es die Gesetze und Regeln im menschlichen Leben auch selbstverständlich braucht. Die Bibel spricht uns von Liebe und Barmherzigkeit. Gerade in Gott selbst ist das Geschehen einer liebenden Beziehung Ausdruck seiner selbst, die in der Schöpfung und in der Menschwerdung Gottes für uns seinen sichtbaren, erfahrbaren und fühlbaren Ausdruck bekommt. All dies ist für uns inbegriffen, wenn wir eine Bibel zur Hand nehmen.

Zurück aus der großen Welt und weg von den schlechten Beispielen der vergangenen Tage, hier nach Münsterschwarzach. Im Credo werden wir gleich bekennen: "Ich glaube an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, (…) der gesprochen hat durch die Propheten." Gott teilt sich in seinem Heiligen Geist mit. Er steht uns bei in unserem Leben, er tröstet, er zeigt die Richtung, er gibt uns die prophetisch-erlösenden Gedanken in unserem Alltag. Er zeigt uns: Gott ist da für uns, wie sein Name im Alten Testament uns schon verheißen hat. Und er gibt uns eine Würde, die uns niemand nehmen kann: auf dem Antlitz der Menschen will er sich der Welt zeigen. Wir sind Tempel des Heiligen Geistes! Und wir sind es, die er zu seinen Propheten in unserer heutigen Welt machen möchte.

Mir ist klar, dass nicht jeder von uns nach Berlin zu einer Demonstration gegen Rassismus fahren kann und nicht für jeden "Fridays for Future" das richtige Format seines Protestes für die Umwelt ist. Aber die Frage, wo wird etwas von dem Dreieinigen Gott heute bei mir und unter uns sichtbar? möchte ich uns zum heutigen Dreifaltigkeitssonntag mitgeben. Wie kann es in meinem Leben einen Nachhall, einen Ausdruck finden, dass Gott, der Vater und Mutter ist, der in seinem Sohn Mensch geworden ist und uns erlöst hat und der im Heiligen Geist eine Einheit ist und der ganzen Schöpfung innewohnt? Der drei–eine Gott ist das Leben schlechthin und will, dass das Leben wächst! Unterstützen wir das mit unserem Leben!

Amen.

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Abtei Münsterschwarzach
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