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Zur Ruhe finden

Zu aktuellen Corona-Krise hat sich P. Anselm Grün OSB vor dem Hinblick der Mönchstradition Gedanken gemacht.

Wenn wir jetzt mehr Zeit haben, Zeitung zu lesen, sind wir in Gefahr, uns über die oder jene aufzuregen. Wir urteilen über sie und kommen dann nicht zur Ruhe. Wir denken: der hätte auch anders entscheiden können, der könnte auch hilfsbereiter sein. Der jammert viel zu viel.

In solche Situation hinein passt ein Väterspruch aus dem 4. Jahrhundert.

Der Altvater Poimen bat den Altvater Joseph: "Sage mir, wie ich Mönch werde." Er antwortete: "Wenn du Ruhe finden willst, hier und dort, dann sprich bei jeder Handlung: Ich - wer bin ich? und richte niemand!" (Apophthegma 385)

Das ist guter Rat. Wenn ich wirklich Ruhe finden will, dann soll ich mich nicht ständig über andere aufregen. Vielmehr sollte ich mich beim Zeitungslesen fragen: "Ich - wer bin ich?" Dann bin ich nicht bei den andern. Alles, was ich lese, alles, was ich erlebe im Miteinander in der Familie, sagt etwas über mich. Alles ist ein Spiegel, in dem ich mich selber erkennen kann. Und zugleich ist diese Frage "Ich - wer bin ich?" eine Mahnung, mich nicht über andere zu stellen. Wer bin ich, dass ich über andere richten könnte? Es steht mir nicht zu, über andere zu richten.

Wenn wir diesen Väterspruch jetzt in der Quarantäne meditieren, führt sie uns wirklich zur Ruhe. Ob wir zur Ruhe finden, liegt nicht an den anderen Menschen, die uns mit ihrem Verhalten die Ruhe rauben, sondern an uns und der Haltung uns selbst gegenüber.

Von P. Anselm Grün OSB

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