Fastenzeit 2021

Impuls zum 1. Fastensonntag von Br. Joel Schmidt

In der Frühzeit der römischen Kirche war der erste Sonntag der Fastenzeit auch ihr Anfang. Erst später wurde dieser auf den Aschermittwoch vorverlegt, um bis Ostern tatsächlich auf 40 Fastentage zu kommen, da sonntags nie gefastet wurde.

Die 40 Tage stehen für den Rückzug Jesu in die Wüste, wie uns im heutigen Evangelium nach Markus berichtet wird. Die Vorverlegung des Beginns der Fastenzeit hing tatsächlich mit dem Wunsch zusammen, Jesus nachahmen zu wollen und “wie er” 40 Tage in der “Wüste” zu verbringen.

In unserer pandemischen Zeit bekommen wir zu spüren, was “Wüste” für uns hier und jetzt bedeuten kann: Unsicherheit, Entbehrung, existentielle Bedrohung, Vereinsamung. Wie ist Jesus damit umgegangen?

Die Versuchung Jesu, die der Evangelist Markus bewusst nicht im Detail schildert, führt uns geradezu in diese Frage hinein. Der Versuchung zu erliegen oder ihr, wie Jesus, zu widerstehen, heißt hier nicht, eine alltägliche Entscheidung zu treffen im Sinne von richtig oder falschund “Was soll ich jetzt machen?”. “Versuchung” in der biblischen Welt bedeutet vor einer viel existentielleren Frage zu stehen: Versuche ich trotz Unsicherheit, Not, Entbehrung in Harmonie mit Gott zu leben oder lehne ich ihn ab, weil es mir nichts bringt? Bestimmt mein Glaube an ihn grundsätzlich mein Denken und Handeln oder interessiert er mich nicht (mehr)?

Jesus war Mensch wie wir alle, und wir dürfen davon ausgehen, dass auch sein Glaube in der “Wüste” seines Lebens mehr als einmal ernsthaft in Gefahr war. Aber immer wieder hat er es geschafft, sich für Gott, seinen Vater, zu entscheiden, selbst als er sein irdisches Leben dafür loslassen musste. Aber wer glaubt, darf eben auch erfahren, dass Jesus ewiges Leben gewonnen hat.

Vielen von uns fehlt in der Pandemie eine langfristige Perspektive. Die ständigen, kurzfristigen Verlängerungen des Lockdowns, die ganzen unvorhersehbaren Änderungen machen uns fast wahnsinnig. Wir alle sehnen uns nach unserer früheren Normalität.

Gott will uns jedoch eine Perspektive schenken, die weit darüber hinausgeht. Seine Existenz, das ewige Leben, das er uns in seinem Sohn anbietet, kennt keine Fristen und Inzidenzen, verachtet diese aber keineswegs, sondern will uns einen Weg durch die “Wüsten” unseres Lebens zeigen. Die ursprünglichen Gesänge      des heutigen 1. Fastensonntags Invocabit formulieren Gottes Versprechen an uns so, schon im Eingangslied heißt es:

Er wird mich anrufen, und ich werde ihn erhören.
ich werde ihn befreien und verherrlichen.
Mit einem langen Leben werde ich ihn erfüllen.
Wer in der Hilfe des Höchsten wohnt,
wird im Schutz des Himmelsgottes verweilen. (vgl. Ps 90 (91),15-16.1)

Und sogar zweimal, zu den Gesängen der Gabenbereitung und Kommunion, hören wir:

Mit seinem Rücken wird er dir Schatten spenden,

und unter seinen Flügeln wirst du Hoffnung finden.

Wie ein Schild wird dich seine Wahrheit umgeben. (vgl. Ps 90 (91), 4-5)

Kontakt

Abtei Münsterschwarzach
Schweinfurter Str. 40
97359 Münsterschwarzach
kontakt[at]abtei-muensterschwarzach.de