Fastenzeit

Was, wenn wir keine Worte finden?

Fastenimpuls von P. Zacharias Heyes OSB.

“Herr unser Gott, nie hast du aufgehört, das Leid deines Volkes zu sehen. Angesichts all dessen, was heute ist, wollen wir in die kniende Gebärde des Karfreitags gehen vor deiner Gegenwart.“ Mit diesen Worten lud P. Meinrad im Gottesdienst zum dritten Fastensonntag (20.03.22) alle Mitfeiernden anstelle der Fürbitten ein, still nieder zu knien.

Ich empfand es als ein starkes Zeichen: Da, wo der Mensch keine Worte mehr hat, wo die Stimme versagt vor lauter Erschrecken über das, wozu Menschen fähig sind, niederzufallen und still mit meinem ganzen Sein, meinem ganzen Leib diese Welt Gott hinzuhalten. In seinen einleitenden Worten in diese Feier hatte P. Meinrad verwiesen auf die Lesungen dieses Tages. In der ersten Lesung aus dem Buch Exodus sagt Gott Mose am brennenden Dornbusch seine Gegenwart zu: „Ich bin der `Ich bin´“ (Ex 3,14). Früher auch übersetzt mit: „Ich bin der `Ich bin da´“. Und in der Lesung aus dem Evangelium nach Lukas erzählt Jesus von dem Besitzer eines Weinbergs, in dem ein Feigenbaum stand, der aber seit drei Jahren keine Früchte trägt. Er will, dass sein Winzer den Feigenbaum umhaut. Der Winzer aber will den Baum noch ein Jahr lang pflegen, den Boden aufgraben, ihn düngen. Wenn er dann keine Früchte trägt, könne er umgehauen werden (vgl. Lk 13,1-9).

Inmitten von Hass, Krieg, Leid und Unrecht, in dem wir uns wiederfinden zurzeit, komme jeder von uns in diesen Lesungen auch vor – so P. Meinrad. Ich empfand es als bestärkenden Gedanken: von der Gegenwart Gottes zu wissen und auf sie zu vertrauen – trotz allem. Und zu wissen von der verzeihenden Chance, die jeder von uns erhält – ausgedrückt in dem Gleichnis vom Feigenbaum, der auch seine zweite Chance erhält.

Die große Weltpolitik kann keiner von uns ändern; das Einzige, was wir tun können, ist im Gebet die Welt Gott hinzuhalten – so wie geschehen in der fürbittenden Gebärde. Aber dafür Sorge tragen, dass gute Früchte an meinem Lebensbaum wachsen und durch mein Handeln Frieden gesät und Konflikte geschlichtet werden, das kann ich tun.

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