Handeln mit Herz und Verstand
Was die Benediktusregel mit „Good Leadership“ zu tun hat
Führung ist ein verantwortungsvoller Job. Jeden Tag gibt es viele Herausforderungen zu stemmen. Fachkräftemangel, hybrides Arbeiten oder die Leitung diverser Teams sind nur einige Beispiele. Um in diesem Umfeld erfolgreich zu agieren, braucht es das richtige Rüstzeug. Das Gästehaus der Abtei Münsterschwarzach bietet dafür seit vielen Jahren die passenden Bildungsangebote. Doch was kann ein Kurs im Kloster für den Geschäftsalltag vermitteln?
Für Dr. Denis Schmelter stellt sich diese Frage erst gar nicht: „Benediktinische Klöster sind seit 1.500 Jahren prototypisch für ‚Good Leadership‘. Die Menschen- und Unternehmensführung beruht dabei auf bewährten christlichen Werten“, erläutert er. „Das Besondere daran: ein wertebasiertes, sinnstiftendes Führungsverhalten und ein erfolgreiches und nachhaltiges Wirtschaften stehen nicht im Widerspruch. Vielmehr stärken sie einander langfristig und verlässlich“.
Gemeinsam mit seiner Kollegin Ann-Kathrin Kissel gibt er dieses Führungsverständnis weiter. Aktuell im Kurs „Handeln mit Herz und Verstand. Authentische Führung im Geist des heiligen Benedikt“. Im Zentrum steht dabei die Benediktusregel. Der Text des heiligen Benedikt prägt bis heute das Leben in vielen Klöstern. Eine essenzielle sinngemäße Aussage: Nur wer sich selbst in rechter Weise zu führen vermag, kann und soll andere führen. Entscheidend ist eine echte Wertschätzung gegenüber den Geführten. Diese menschliche Haltung möchten die Dozenten vermitteln.
Bereits im Ablauf lassen sich Unterschiede zu anderen Führungsseminaren feststellen. Grundlage bildet der klösterliche Rhythmus, geprägt durch die Gottesdienst- und Gebetszeiten der Mönche. Dadurch nähern sich die Teilnehmenden zum einen der benediktinischen Lebensweise an. Zum anderen entsteht auf diese Weise ein ausgewogener Tagesablauf. Lernen, Austausch, persönliche Reflexion und Freiraum zum Gebet – für alles ist ausreichend Zeit.
Was bietet der Kurs inhaltlich? „Ausgehend von der Benediktusregel als Fundament schaffen wir Raum zur Reflexion. Aus welcher inneren Haltung heraus handle ich? Welche Werte leiten mein Führungsverhalten? Zudem geben wir den Teilnehmenden praktische Übungen an die Hand. Mit diesen können sie die benediktinischen Führungsprinzipien in die Umsetzung bringen“, erklärt Dr. Denis Schmelter. „Anhand spiritueller Perspektiven und konkreten Maßnahmen zeigen wir, wie sich Herausforderungen im Unternehmensalltag bewältigen lassen. Die Teilnehmenden lernen auch, wie sie Betriebsklima oder Teamperformance verbessern können. Hierfür nutzen wir effektive Methoden aus der Psychologie auf dem aktuellen Forschungsstand“, so Ann-Kathrin Kissel.
Ob Unternehmerin, Gründer, Teamchef oder Vereinsvorständin – das Feld der Teilnehmenden bei dem Kurs ist breitgefächert. Für das Dozenten-Team ist weniger ausschlaggebend, ob die Führungsverantwortung im unternehmerischen oder privaten Kontext erfolgt. Wichtig ist ihnen vielmehr, die benediktinische Haltung zu vermitteln. Dabei ermutigen sie, konkret an der inneren Einstellung und mentalen Selbstregulationskompetenz zu arbeiten. Denn die Ausgewogenheit von Spiritualität und Rationalität, von „Herz und Verstand“ ist zentral für gelingende Führung. So hat es schon der heilige Benedikt gelehrt und vorgelebt.