Reliquiar des seligen Bernhard Lichtenberg

Die Gold- und Silberschmiede der Abtei Münsterschwarzach hat wieder einen besonderen Auftrag fertiggestellt.

Der 25. Jahrestag der Seligsprechung Bernhard Lichtenbergs ist für die nach ihm benannte Pfarrei in Hof ein besonderer: In einem Festgottesdienst wird ein Reliquiar mit seinem Fingerknochen geweiht, das in der Gold- und Silberschmiede der Abtei Münsterschwarzach gefertigt wurde. Diese bekam die Pfarrei 2019 von Erzbischof Heiner Koch aus Berlin, wo der selige Bernhard Lichtenberg beigesetzt ist.

Grundgedanke des Reliquiars war das Thema der Vielfalt, wie Silberschmied Andreas Jurowski erklärt. Der Selige habe zur Zeit des Nationalsozialismus öffentlich für Juden, Nichtarier und Häftlinge der Konzentrationslager gebetet und immer wieder auf Missstände aufmerksam gemacht.

Anhand von drei Entwürfen wurde entschieden, neben der Reliquie auch ein Faksimile eines Briefs, ein Fragmet seiner Ledertasche und ein Stück seines Biretts einzuarbeiten. Auch kleine Steine aus der seiner letzten Ruhestätte in der Hedwigskathedrale in Berlin sind Teil des Reliquiars.

Das kreuzförmige Reliquiar fertigte Jurowski mit Silberschmiedemeister Michael Hornung aus Silber, was im Anschluss vergoldet wurde. Die einzelnen Stücke sind an einem Edelstahldraht um die eigentliche Reliquie in der Mitte angeordnet wie in einem Netz. Sie wurden in Silberkapseln eingefasst, um die eigentliche Reliquie in Gold in den Vordergrund zu rücken.

Der Fuß wurde aus Ebenholz gefertigt – und das aus mehreren Gründen. Zum einen, so Andreas Jurowski, sei Ebenholz durch die Makonde-Schnitzereien in der Abtei Münsterschwarzach vorhanden, sodass kein Baum gefällt oder extra importiert werden muss. Zum anderen drücke das Holz von einem anderen Kontinent auch die Vielfalt aus, die im Reliquiar zum Ausdruck kommen soll. Hinzu kommen praktische und optische Gründe, da Ebenholz sehr robust ist und es mit seiner dunklen Färbung gut zum Gold passt.

Zur feierlichen Weihe am Sonntag wird Erzbischof Ludwig Schick nach Hof kommen, um das Reliquiar im Anschluss an einen dafür gefertigten Platz zu bringen. So kommt der selige Bernhard Lichtenberg 2021 an den Ort zurück, an dem er 1943 verstorben ist.

Bernhard Lichtenberg wurde am 3. Dezember 1875 geboren und gilt als Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Als Dompropst in Berlin gründete er das "Hilfswerk beim Bischöflichen Ordinariat Berlin" für verfolgte Nichtarier. Bereits 1935 machte er auf die Zustände in Konzentrationslagern aufmerksam. 1942 wurde er zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und sollte 1943 in das Konzentrationslager Dachau gebracht werden.

Auf dem Weg dorthin war ein Zwischenstopp in Hof vorgesehen, bei dem der schlechte körperliche Zustand Bernhard Lichtenbergs bemerkt wurde. Nach Verbringung ins dortige Krankenhaus und Emfpang der Krankensalbung verstarb Bernhard Lichtenberg am 5. November 1943.

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