Aktuelles Goldschmiede

Schmuckstücke mit Bedeutung aus der Klostergoldschmiede

In der Gold- und Silberschmiede der Abtei Münsterschwarzach werden neben Schmuck, wie Trauringen, Colliers und Anhängern vor allem sakrale Gegenstände hergestellt und restauriert. Im Rahmen eines Seminars hat Studentin Julia Baier die Goldschmiede besucht.

Mit einem winzigen Fräser fährt er immer wieder über die Oberfläche eines kleinen Messingstücks. Er trägt eine braune Lederschürze und eine Schutzbrille. Während im Hintergrund leise Radiomusik läuft, bearbeitet er konzentriert das kleine Werkstück. Er sitzt an einem alten Holztisch mit einer kleinen halbrunden Aussparung und einem dort befestigtem Stück Leder, in dem die abfallenden Späne aufgefangen werden. Wenn dieser Tisch reden könnte, hätte er wohl einiges zu erzählen. Denn auf ihm hat Andreas Jurowski schon sehr wertvolle Materialien bearbeitet. Er arbeitet in der Gold- und Silberschmiede der Abtei Münsterschwarzach. Hier werden neben Ringen, Colliers und Anhängern aus Gold, Platin und Silber vor allem auch sakrale Gegenstände wie Kreuze, Kelche und Monstranzen nach individuellen Kundenwünschen angefertigt und restauriert.

Sie befindet sich im Obergeschoss eines alten Hauses auf dem Gelände der Abtei. Beim Betreten der Werkstatt umspielt einen ein neugieriges Gefühl, denn hier wird an wertvollen Materialien gefeilt, gehämmert und gesägt. Gleich links neben dem Eingang steht ein Tisch, der als Glasvitrine dient. In ihm kann man Arbeiten der Gold- und Silberschmiede anschauen. Neben religiösen Elementen, wie kleinen Engeln, kann man hier auch Trauringe und Ketten bewundern. Auf der gegenüberliegenden Seite der Eingangstür befinden sich die Arbeitsplätze der sieben Angestellten. Jeder von ihnen hat seinen eigenen Arbeitstisch mit einer Vielzahl an Werkzeugen wie Sticheln, Fräsern, Zangen, Feilen und Sägen.

Ein Traumberuf

Dass das Betriebsklima in der Gold- und Silberschmiede sehr gut ist, bemerkt man sofort. Jurowski erklärt, dass der Beruf des Gold- beziehungsweise Silberschmiedes für jeden, der hier arbeitet der Traumberuf ist.

"Der Beruf ist sehr abwechslungsreich, das ist das Schöne", bestätigt auch sein Kollege Michael Hornung, der gerade an seinem Arbeitsplatz gegenüber einen goldenen Kerzenständer auseinanderbaut, welcher zur Restauration in der Klostergoldschmiede ist. Hinter ihm sind an einem Holzbalken unzählige Fotos der Mitarbeiter aufgehängt, die gute Laune vermuten lassen. Jeder hier könne etwas Anderes gut und alle können sich in ihrer Kreativität ausleben. So ergänzen sich die Mitarbeiter gut und können effektiv miteinander arbeiten.

Ein Tisch weiter arbeitet Steffen Dülk an einem silbernen Verlobungsring. Vor allem auch Trauringe seien bei den Kunden sehr beliebt. Während er einen Stein fasst, erklärt er den Vorgang Svenja Krämer, einer der beiden Auszubildenden des Betriebs. Nachwuchsförderung wird hier großgeschrieben und so liegt dem Betrieb die Ausbildung neuer Gold- und Silberschmiede am Herzen.

Zurück zu Andreas Jurowski. Er arbeitet bereits seit 25 Jahren in dem klostereigenen Betrieb. Gegründet wurde er jedoch bereits 1934 von Bruder Adelmar Dölger. "Die Gründung der Gold- und Silberschmiede wuchs aus einem Bedürfnis heraus", erklärt Jurowski, während er weiter das kleine Messingstück bearbeitet. Ein ausschlaggebender Grund für die Gründung sei gewesen, dass die Missionsbrüder mit einem Missionskoffer ausgestattet werden sollten. Dieser sollte ein Kreuz, einen Kelch, zwei Kerzenständer, ein Weihwasser- und ein Ölfläschchen, eine Schale, ein Tuch und eine Dose für Hostien enthalten. All diese Gegenstände sollten eigens produziert werden.

Bis heute werden hier solche sakralen Gegenstände hergestellt und restauriert und genau das unterscheidet die Arbeit der Klostergoldschmiede von der Arbeit in anderen Gold- und Silberschmieden. "Wir machen nicht nur schöne Sachen. Unsere Sachen haben eine tiefere Bedeutung", erklärt Jurowski. Die Gegenstände tragen durch ihre Symbolik eine Botschaft mit sich.

Schmuckstücke überdauern ein Menschenleben

Außerdem sei gerade die Restauration eine beeindruckende Arbeit. Er und seine Kollegen arbeiten häufig an uralten Gegenständen. Das älteste Stück, das Jurowski in seinen Händen hielt sei eine 3000 Jahre alte Figur aus Babylon gewesen. Doch nicht nur die Gegenstände, die er restauriert, sondern auch die Gegenstände, die er produziert, bleiben viele Jahre erhalten: "Das sind Gegenstände, die überdauern einen."

In den Räumlichkeiten der Gold- und Silberschmiede sind viele Schätze zu finden. Wenn neue Kelche oder Monstranzen zur Restauration ankommen, landen sie zunächst im Büro der Werkstattleiterin Sabine Bechtel. Sie leitet die Gold- und Silberschmiede seit 11 Jahren und ihr Büro befindet sich direkt neben der Werkstatt. Hier sieht es eigentlich aus wie in einem ganz normalen Büro, es gibt Schreibtische und Computer. Wäre da nicht die Vitrine mit den sakralen Gegenständen, wie etwa einem mit blauen Steinen besetzten goldenen Kelch.

Eine Etage tiefer, im Erdgeschoss, befindet sich ein ganz besonderer Raum. Auf der Tür ist ein Schild mit der Aufschrift "Vorsicht ätzende Stoffe!" angebracht. Hinter der Tür verbirgt sich ein hell gefliester Raum mit einer Vielzahl an grauen Wannen. Hier wird versilbert und vergoldet. Kelche beispielsweise werden hier in flüssiges Gold eingetaucht und erhalten so einen ganz besonderen Glanz.

Ebenfalls im Erdgeschoss befindet sich ein kleiner Besprechungs- und Ausstellungsraum, in dem mit Kunden individuelle Wünsche besprochen werden. Beim Betreten des Raums denkt man zunächst, man stünde in einem Museum. Eine riesige Glasvitrine erstreckt sich über zwei Wände. In ihr stehen goldene Monstranzen und Kelche, die um die Wette strahlen. In der Mitte des Raums befindet sich ein kleiner Tisch, auf dem das Papiermodell eines Bischofsstabs liegt. Neue Gegenstände, wie beispielsweise ein solcher Bischofsstab werden zunächst als Skizze entweder am Computer oder per Hand erstellt. Dann wird häufig ein Papiermodell angefertigt, um es dem Kunden zu veranschaulichen und um plastisch feststellen zu können, ob sich das Modell auch umsetzen lässt.

Die Gold- und Silberschmiede ist nur einer von 20 Betrieben auf dem Klostergelände. "Dass es hier so viele Handwerksbetriebe gibt, ist ein Riesenvorteil. Wir haben alle Ressourcen vor Ort und können von jedem einzelnen Betrieb profitieren", erklärt Sabine Bechtel. Bei Gegenständen, wie beispielsweise dem Bischofsstab arbeitet die Gold- und Silberschmiede mit der Klosterschreinerei zusammen, die den Stab dafür herstellt. Und wenn es um Kunstfragen geht, steht der Werkstatt der Künstler Pater Meinrad zur Seite.

Auch Jurowski freut sich über die gute Zusammenarbeit der Betriebe: "Wenn wir als Goldschmiede durch die Klosterbetriebe laufen, sehen wir überall Potential. "Die vorhandenen Ressourcen können hervorragend genutzt und so eine nachhaltige Arbeitsweise gewährleistet werden. "Fairness und Nachhaltigkeit sind ein großes Anliegen des Klosters. So arbeiten auch wir nach diesen Prinzipien", erklärt er weiter. Alle Materialien werden mit größtem Respekt behandelt und wiederverwendet. Es sei genug Gold und Silber im Umlauf. Man müsse nicht noch mehr davon abbauen. Auch beim Einkauf von Edelsteinen wird darauf geachtet, dass es sich um fair gehandelte Produkte handelt.

Aber auch der wirtschaftliche Aspekt ist wichtig. Die Auftragslage ist sehr gut. Die Klostergoldschmiede ist eine der wenigen noch bestehenden und bekommt Aufträge aus aller Welt. "Viele Kirchengemeinden vertrauen uns, weil sie wissen, dass ihre Gegenstände bei uns in guten Händen sind und mit Hochachtung behandelt werden", so Bechtel.

Aber es liege ihnen auch am Herzen, dass vor allem die Schmuckstücke für eine breite Gesellschaft zugänglich sind. So gibt es hier Produkte in allen Preissegmenten. Angefangen bei den beliebten kleinen Kupfer-, Silber- und Goldengeln, die vor allem Besucher des Klosters gerne kaufen. Vertrieben werden die Schmuckstücke zum einen in der klostereigenen Buch- und Kunsthandlung und zum anderen über einen Onlineshop.

Das kleine Messingstück, dass Andreas Jurowski an seinem Arbeitsplatz immer noch mit dem Fräser bearbeitet, ist noch nicht fertig. Es nimmt aber mittlerweile Gestalt an und man kann erkennen, dass es ein kleiner Ochse für eine Krippe wird. Für heute hat Andreas Jurowski Feierabend, aber auf seinen nächsten Arbeitstag freut er sich schon jetzt, denn "es ist nie ein Tag wie der andere." 

Von Julia Baier
Dieser Artikel erschiend zuerst in der Deutschen Handwerkszeitung.

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