Predigten

Erinnert Euch!

Abt Michael hat in seiner Predigt in der Osternacht die Mitfeiernden dazu aufgefordert, sich an das Wesentliche zu erinnern: die Worte Jesu.

Was war denn das, liebe Schwestern und Brüder?

Da ging dieser Petrus einfach wieder nach Hause. Hat sich zwar gewundert, was da geschehen ist, aber er ging einfach wieder nach Hause. Das ist so, als wenn Sie nach dieser Osternacht einfach nach Hause gehen und sich ins Bett legen, als wäre nichts geschehen.

Dieser Petrus hat auch jetzt, nach all dem was geschehen ist noch nicht verstanden, um was es geht, um was es wirklich geht.Obwohl er der erste der Apostel ist, Jesus ihm die Schlüssel des Himmelreiches und die Binde- und Lösegewalt gegeben hat. Es scheint so, dass die Apostel, die in der vordersten Reihe stehen, einfach nicht verstehen, um was es geht. Sie zogen mit Jesus durch die Lande, haben seine Worte gehört und seine Taten gesehen, waren begeistert von ihm, haben in seinem Namen gepredigt, haben ihre Hoffnung auf ihn gesetzt. Sicher haben sie sich auch über manches Verhalten von Jesus gewundert.

Aber gerade, wenn es auf sie angekommen wäre, wenn es darum gegangen wäre Farbe zu bekennen, haben sie Angst bekommen, sind sie davon gelaufen, ist es ihnen zu heiß geworden. Nur Johannes, der eine besondere Beziehung zu Jesus hatte, blieb beim Kreuz mit den Frauen.

Was wäre geschehen, wenn sie mit Flugblättern und Transparenten gegen den Tod Jesu demonstriert hätten, mit Eingaben  und Petitionen? Sich aktiv dafür eingesetzt hätten, dass da nicht ein Unschuldiger stirbt? Petrus konnte ja gut reden:„Ich bin bereit mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen“ Doch davor hatten sie Angst. Und noch in der gleichen Nacht sagt dieser Petrus: "Ich kennen diesen Menschen nicht!" Und sogleich krähte der Hahn!

Es sollte alles ganz anders kommen und die Katastrophe nahm ihren Lauf. Oh welch erschreckende Parallele zum Bild der Kirche, wie sie heute zeigt. Oder eher: Wie die vorderste Reihe der Kirche sich heute zeigt. Sie versteht scheinbar schon lange nicht mehr was im Volke Gottes wirklich vor sich geht!

Haben manche Bischöfe und die, die Macht und Verantwortung in der Kirche haben nicht auch auf weiter Strecke versagt, ihre Macht missbraucht, haben klein gehalten, niedergedrückt, geschwiegen, gekuscht? Haben sich hinter Tradition und Kirchenrecht versteckt und das Volk und die Realität nicht mehr gesehen.

Vielleicht war und ist ihre größte Sorge Macht zu verlieren. Dass die Kirche ihnen aus den Händen gleitet, anstatt sie den Händen des Heiligen Geistes anzuvertrauen. Musste nicht die Katastrophe so kommen?

Am ersten Tag der Woche, gingen die Frauen mit wohlriechenden Salben, die sie zubereitet hatten in aller Frühe zum Grab. Es waren die Frauen, die nicht davon gelaufen sind, die über den Tod hinaus an ihm festhielten, die zweite Reihe, die nicht groß das Wort führte, die den Glauben an ihn durchtrugen unter dem Kreuz und bis ins Grab. Sie haben die Salben nicht fertig im Supermarkt gekauft, sie haben die Salben selbst zubereitet, selbst gemischt, mit Duftölen versetzt. Da steckt Liebe drin, da steckt die Liebe ihrer Hände und ihres Herzens in diesem Öl mit dem sie den Leichnam Jesu einsalben wollen, ein letzte Berührung, wie sie meinen.

Ihre Liebe lässt sie in aller Frühe aufbrechen und zum Grab gehen. Ja, die Liebe hat den Stein vom Grab schon weg gewälzt und sie kommen an als eben die Sonne aufging. Sie gehen hinein ins Grab: zunächst waren sie ratlos, als sie den Leichnam Jesu nicht fanden. Und sie erschraken über die zwei Männer in leuchtenden Gewändern und blicken zu Boden, suchten Bodenkontakt! "Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten", sagen die Männer "er ist nicht hier, er ist auferstanden! Erinnert euch, erinnert euch an das, was er euch zuhause in Galiläa gesagt hat: Der Menschensohn muss in die Hände sündiger Menschen ausgeliefert werden, und gekreuzigt werden und am dritten Tage wird er auferstehen"

Und sie erinnerten sich. Gott sein Dank, sie erinnerten sich an seine Worte! Ist das nicht die Lösung, die Erlösung: uns zu erinnern an das, was Jesus zu uns gesagt hat, seiner Kirche gesagt hat? "Ich bin bei euch alle Tage. Ich lebe und auch ihr werdet Leben. Ihr seid erlöst, der Tod hat keine Macht mehr über euch." Wir sollen uns erinnern. Die Feier dieser Osternacht ist nur dazu da, uns zu erinnern an das, was schon geschehen ist: Wir sind erlöst!

Die erste Reihe braucht noch Zeit, geht erst noch nach Hause. Die zweite Reihe ist gefragt, die Frauen, Johannes mit Maria, Simon von Cyrene, Josef von Arimatäa. Der Glaube der Laien, das Volk Gottes ist gefragt. Sie werden das Evangelium, die Kirche durchtragen. Sie erinnern die erste Reihe an das, was Jesus wirklich sagte und meinte und leben und tun es einfach: Erinnert euch an euren Auftrag!

Das Volk Gottes mischt selber die wohlriechenden Salben. Sie eilen selber in aller Frühe zum Grab. Ihre Liebe ist fähig, den Stein vor dem Herzen der Kirche weg zu wälzen. Dass wieder Liebe strömt, aus dem Herzen der Kirche, dass das Licht des Auferstandenen in der Welt von heute sichtbar wird. Das ist ihr innerster Auftrag.

Erinnert Euch!

Die große Erinnerung für uns ist jetzt die an unsere Taufe. Als wir Kinder Gottes wurden, als wir die unverbrüchliche Zusage bekamen, dass wir erlöst sind und uns nichts scheiden von der Liebe Gottes.

Erinnern wir uns jetzt! Amen.

Sonntagsimpulse von P. Anselm Grün

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