Predigt für den 18. Oktober 2026: Weltmissionssonntag

Jesaja 45,1.4–6 · Matthäus 28,16–20 (Deutsche Fassung: P. Maximilian Grund)
Dear brothers and sisters in Christ,
today, on World Mission Sunday, the Word of God reminds us of one of the most important truths of our Christian faith: that we are a missionary Church because we believe in a missionary God. Our God is not confined to one country, one culture, one language, or one people. He is the Lord of all nations, and His desire is that all people may experience His love, His peace, His mercy and His saving presence.
Liebe Brüder und Schwestern in Christus,
heute, am Weltmissionssonntag, erinnert uns das Wort Gottes an eine der wichtigsten Wahrheiten unseres christlichen Glaubens: Wir sind eine missionarische Kirche, weil wir an einen missionarischen Gott glauben. Unser Gott ist nicht auf ein Land, eine Kultur, eine Sprache oder ein Volk beschränkt. Er ist der Herr aller Völker, und es ist sein Wille, dass alle Menschen seine Liebe, Frieden, Barmherzigkeit und seine rettende Gegenwart erfahren.
In the first reading, the prophet Isaiah reminds us that God is at work even beyond the boundaries we sometimes establish. God calls Cyrus, a foreign king, to accomplish His purpose. This teaches us that God's mission is greater than our own plans and expectations. God can work through people we do not expect, in places we may never visit, and in ways we may not immediately understand.
In the Gospel, the Risen Christ gives His disciples a clear mandate: “Go, therefore, and make disciples of all nations, baptizing them in the name of the Father, and of the Son, and of the Holy Spirit.” And then He makes a promise that gives courage to every missionary: “And behold, I am with you always, until the end of the age.”
In der ersten Lesung erinnert uns der Prophet Jesaja daran, dass Gott auch jenseits der Grenzen wirkt, die wir Menschen bisweilen ziehen. Gott beruft Kyrus, einen fremden König, um seinen Willen zu verwirklichen. Das lehrt uns, dass Gottes Mission größer ist als unsere eigenen Pläne und Erwartungen. Gott kann durch Menschen wirken, von denen wir es nicht erwarten, an Orten, die wir vielleicht niemals besuchen werden, und auf eine Weise, die wir nicht sofort verstehen.
Im Evangelium gibt der auferstandene Christus seinen Jüngern einen klaren Auftrag: „Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Und dann gibt er ihnen eine Verheißung, die jedem Missionar Mut schenkt: „Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“
What is remarkable is that Jesus entrusts this great mission not to perfect people, but to ordinary, weak, fragile and limited human beings. Even in today's Gospel, some of the disciples doubted. Yet Jesus does not withdraw His mission from them. He sends them anyway.
This is the beauty of our vocation as baptized Christians: God does not wait for us to be perfect before He sends us; He invites us to become His instruments and promises to walk with us. We are all missionaries by the virtue of our baptism.
Bemerkenswert ist, dass Jesus diese große Mission nicht vollkommenen Menschen anvertraut, sondern gewöhnlichen, schwachen, zerbrechlichen und begrenzten Menschen. Sogar im heutigen Evangelium zweifeln einige der Jünger. Und dennoch nimmt Jesus ihnen seinen Auftrag nicht wieder weg. Er sendet sie trotzdem.
Darin liegt die Schönheit unserer Berufung als getaufte Christen: Gott wartet nicht, bis wir vollkommen sind, bevor er uns sendet. Er lädt uns ein, seine Werkzeuge zu werden, und verspricht, mit uns zu gehen. Kraft unserer Taufe sind wir alle Missionare.
Dear brothers and sisters, allow me to share a little of my own journey as a sign of how God's mission crosses borders and brings people together.
I was baptized in Namibia, my home country, by a German Oblate of Mary Immaculate priest. Almost twenty-nine years ago, I joined the Benedictine monastery of Inkamana in Zululand, South Africa, a monastery founded through the missionary efforts of Benedictine monks from Germany, Switzerland, and the United States of America.
Liebe Brüder und Schwestern, erlauben Sie mir, ein wenig von meinem eigenen Weg zu erzählen. Er kann ein Zeichen dafür sein, wie Gottes Mission Grenzen überschreitet und Menschen miteinander verbindet.
Ich wurde in Namibia, meinem Heimatland, von einem deutschen Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria getauft. Vor fast neunundzwanzig Jahren trat ich in das Benediktinerkloster Inkamana im Zululand in Südafrika ein, ein Kloster, das durch den missionarischen Einsatz von Benediktinermönchen aus Deutschland, der Schweiz und den Vereinigten Staaten von Amerika gegründet wurde.
And nineteen years ago, I had the privilege of standing in this very church, preaching here, accompanied by students and some teachers from Inkamana High School and our then Abbot, Godfrey Seiber.
Today, I stand here again, and I cannot help but recognize the hand of God in this journey. From Namibia to Zululand, and from Zululand to Münsterschwarzach, my life has been touched by the faith, generosity, and missionary witness of people from different nations.
Und vor neunzehn Jahren hatte ich das Privileg, hier in dieser Kirche zu stehen und zu predigen. Damals wurde ich von Schülerinnen und Schülern sowie einigen Lehrkräften der Inkamana High School und von unserem damaligen Abt Godfrey Seiber begleitet.
Heute stehe ich wieder hier, und wenn ich auf diesen Weg zurückblicke, kann ich darin nur die Hand Gottes erkennen. Von Namibia nach Zululand und von Zululand nach Münsterschwarzach: Mein Leben wurde geprägt vom Glauben, von der Großzügigkeit und vom missionarischen Zeugnis von Menschen aus verschiedenen Ländern.
These are not simply interesting memories. They are signs of what the Church is called to be: one family of faith, united in Christ, sent across borders to serve humanity.
Mission is not a one-way journey in which one country gives and another only receives. Mission is an encounter in which we give and receive, teach and learn, serve and are enriched. The Gospel is the same, but we discover its richness through different cultures, experiences, languages, and ways of living our faith.
Das sind nicht einfach nur interessante Erinnerungen. Sie sind Zeichen dafür, wozu die Kirche berufen ist: eine Familie des Glaubens zu sein, geeint in Christus und über Grenzen hinweg gesandt, um den Menschen zu dienen.
Mission ist keine Einbahnstraße, bei der das eine Land gibt und das andere nur empfängt. Mission ist Begegnung. Wir geben und empfangen, wir lehren und lernen, wir dienen und werden selbst beschenkt. Das Evangelium bleibt dasselbe, aber wir entdecken seinen Reichtum neu durch unterschiedliche Kulturen, Erfahrungen, Sprachen und Formen, unseren Glauben zu leben.
What, then, does mission mean for us today in South Africa, particularly at Inkamana?
South Africa is a country of many contrasts. There is great beauty, cultural richness, generosity, and enormous human potential. Yet many people continue to struggle with poverty, unemployment, sickness, inequality, family difficulties, and uncertainty about the future. Society also faces tensions that can divide people and weaken their hope.
Was bedeutet Mission also heute für uns in Südafrika und insbesondere in Inkamana?
Südafrika ist ein Land voller Gegensätze. Es gibt dort große Schönheit, kulturellen Reichtum, Großzügigkeit und ein enormes menschliches Potenzial. Zugleich haben viele Menschen weiterhin mit Armut, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Ungleichheit, familiären Schwierigkeiten und einer unsicheren Zukunft zu kämpfen. Auch gesellschaftliche Spannungen können Menschen voneinander trennen und ihre Hoffnung schwächen.
Nevertheless, in the midst of these challenges, people continue to pray, celebrate the Eucharist, care for their neighbours, support their families, and entrust their lives to God. Their faith does not always remove their difficulties, but it gives them strength to face another day. In our parishes and communities, faith is lived not only in the church building, but also in the family, in acts of generosity, in the care of the sick, in the sharing of food, and in the determination to give children a better future.
Und dennoch beten die Menschen inmitten dieser Herausforderungen weiter, sie feiern die Eucharistie, kümmern sich um ihre Nächsten, unterstützen ihre Familien und vertrauen ihr Leben Gott an. Ihr Glaube nimmt ihnen ihre Schwierigkeiten nicht immer ab, aber er gibt ihnen die Kraft, sich einem neuen Tag zu stellen. In unseren Pfarreien und Gemeinschaften wird der Glaube nicht nur im Kirchengebäude gelebt, sondern auch in den Familien, in konkreter Großzügigkeit, in der Sorge für die Kranken, im Teilen von Lebensmitteln und in der Entschlossenheit, den Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen.
At Inkamana, our missionary commitment finds a unique and important expression in education. Through Inkamana High School, we seek to educate the whole person: intellectually, physically, spiritually, emotionally, and psychologically. We want our young people not merely to pass examinations, but to grow into responsible, compassionate, and courageous men and women who can contribute positively to the future of their country.
In Inkamana findet unser missionarischer Auftrag einen besonderen und wichtigen Ausdruck in der Bildung. Durch die Inkamana High School bemühen wir uns um eine ganzheitliche Bildung des Menschen: intellektuell, körperlich, geistlich, emotional und psychisch. Wir möchten, dass unsere jungen Menschen nicht nur Prüfungen bestehen, sondern zu verantwortungsbewussten, mitfühlenden und mutigen Männern und Frauen heranwachsen, die einen guten Beitrag zur Zukunft ihres Landes leisten können.
Education is mission because it opens doors where poverty has closed them. It restores dignity where people feel forgotten. It offers hope where the future seems uncertain. And it helps young people recognize that their lives have value and that their gifts can become a blessing to others.
When we teach a child, accompany a struggling family, care for a sick brother, welcome a stranger, or work for reconciliation in a divided society, we are participating in the mission of Christ.
Bildung ist Mission, weil sie Türen öffnet, die Armut verschlossen hat. Sie gibt Würde zurück, wo Menschen sich vergessen fühlen. Sie schenkt Hoffnung, wo die Zukunft unsicher erscheint. Und sie hilft jungen Menschen zu erkennen, dass ihr Leben wertvoll ist und dass ihre Begabungen zum Segen für andere werden können.
Wenn wir ein Kind unterrichten, eine Familie in Schwierigkeiten begleiten, uns um einen kranken Bruder kümmern, einen Fremden willkommen heißen oder in einer gespaltenen Gesellschaft für Versöhnung arbeiten, nehmen wir an der Sendung Christi teil.
Of course, we cannot solve every problem, and we do not always see the fruits of our efforts immediately. But the Gospel does not ask us to do everything. It asks us to be faithful to the mission entrusted to us, trusting that God will bring growth from the seeds we plant.
Dear brothers and sisters, perhaps this is the question World Mission Sunday places before each of us: Where is God sending me, and to whom is He asking me to become a sign of His love?
Natürlich können wir nicht jedes Problem lösen, und wir sehen auch nicht immer sofort die Früchte unserer Bemühungen. Aber das Evangelium verlangt nicht von uns, alles zu tun. Es fordert uns auf, dem Auftrag treu zu bleiben, der uns anvertraut ist, und darauf zu vertrauen, dass Gott die Saat, die wir ausstreuen, wachsen lässt.
Liebe Brüder und Schwestern, vielleicht stellt uns der Weltmissionssonntag gerade diese Frage: Wohin sendet Gott mich, und für wen soll ich zu einem Zeichen seiner Liebe werden?
We do not all have to travel to another continent to become missionaries. Some are sent to their families, others to their workplaces, schools, parishes, monasteries, or neighbourhoods. Wherever there is hatred, we can sow peace. Wherever there is division, we can build bridges. Wherever there is despair, we can offer hope. Wherever there is poverty and a lack of resources, we can offer financial support. Wherever people have been wounded, we can become instruments of mercy and reconciliation.
Wir müssen nicht alle auf einen anderen Kontinent reisen, um Missionare zu sein. Manche sind zu ihren Familien gesandt, andere an ihren Arbeitsplatz, in ihre Schulen, Pfarreien, Klöster oder Nachbarschaften. Wo Hass herrscht, können wir Frieden säen. Wo Trennung herrscht, können wir Brücken bauen. Wo Verzweiflung herrscht, können wir Hoffnung schenken. Wo Menschen in Armut leben und es an den notwendigen Mitteln fehlt, können wir sie auch finanziell unterstützen. Wo Menschen verletzt worden sind, können wir zu Werkzeugen der Barmherzigkeit und Versöhnung werden.
And when we feel inadequate, when the challenges seem greater than our strength, we must remember the final words of Jesus: “I am with you always, until the end of the age.”
This promise is our strength. The mission is God's before it is ours. We are not sent alone, and the future of the Church does not depend on our strength alone, but on God's grace working through our humble and faithful service.
Und wenn wir uns dieser Aufgabe nicht gewachsen fühlen, wenn die Herausforderungen größer erscheinen als unsere eigenen Kräfte, dann müssen wir uns an die letzten Worte Jesu erinnern: „Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“
Diese Verheißung ist unsere Stärke. Die Mission ist Gottes Mission, bevor sie unsere ist. Wir werden nicht allein gesandt, und die Zukunft der Kirche hängt nicht allein von unserer Kraft ab, sondern von Gottes Gnade, die durch unseren demütigen und treuen Dienst wirkt.
May World Mission Sunday renew our gratitude for those who brought the Gospel to us, deepen our commitment to those entrusted to our care, and inspire us to become missionaries of hope wherever we are.
Möge dieser Weltmissionssonntag in uns die Dankbarkeit gegenüber all jenen erneuern, die uns das Evangelium gebracht haben. Möge er unsere Verbundenheit mit den Menschen vertiefen, die unserer Sorge anvertraut sind. Und möge er uns dazu ermutigen, überall dort, wo wir leben und wirken, Missionare der Hoffnung zu sein.
May our lives proclaim, in words and deeds, that God's love knows no borders, His mercy has no limits, and His presence accompanies us wherever He sends us. And may we always remember: together, we are called to journey towards the light of Christ and to serve one another in love.
Amen.
Möge unser Leben in Wort und Tat verkünden, dass Gottes Liebe keine Grenzen kennt, dass seine Barmherzigkeit ohne Grenzen ist und dass seine Gegenwart uns begleitet, wohin auch immer er uns sendet. Und mögen wir niemals vergessen: Gemeinsam sind wir dazu berufen, dem Licht Christi entgegenzugehen und einander in Liebe zu dienen.
Amen.


