Predigten

Verbunden mit Gott

In der Vesper zu Heiligabend hat Abt Michael Reepen eine ganz besondere Predigt gehalten. Dazu versetzte er sich in unterschiedliche Rollen, die er an verschiedenen Stellen der Abteikirche darstellte.

(Herbergsvater) gehend Altarraum/Chor

Nein, das Gästehaus ist wirklich voll, schon seit Monaten ausgebucht. Ich bin froh, dass es so gut läuft. Ja tut mir ja schon leid, dass wir das junge Ehepaar nicht nehmen konnten. Aber mit Matratzenlager fangen wir erst gar nicht an, und der Abt sagt sowieso einige Zimmer sollen frei bleiben für besondere Gäste. Die Frau war ja hochschwanger, wenn das dann noch hier losgehen würde…. Und die anderen Gäste die Ruhe suchen.

Der Nachbar hat auch erzählt, seit die Kinder aus dem Haus sind, hat er zwar einige Zimmer frei aber die vermietet er auch nicht, er will seine Ruhe haben… bei den Ausländern, weiß man ja nie was man sich da einhandelt. Die werden schon was gefunden haben. Komisch, dass ich immer wieder an das Paar denken muss. Hätte ich sie doch aufnehmen sollen?

(Josef) sitzend auf Hocker

Oh ich weiß noch, als wir uns zum ersten Mal sahen, unsere Blicke sich trafen, unsere Herzen sich begegneten… Liebe auf den ersten Blick, das gibt es wirklich und wir wussten, dass wir füreinander bestimmt sind. Maria ist eine ganz besondere Frau. Sie ist so rein und klar, ganz ohne Hintergedanken. Sie sagt was sie denkt, ich liebe ihre Direktheit und sie hat unendliches Gottvertrauen. Ich bin eher zurückhaltend, vielleicht auch etwas schüchtern. Ich plane gerne die Dinge vor, habe gerne Klarheit.

Ihre unerwartete Schwangerschaft hat meinem Denken und Planen einen totalen Strich durch die Rechnung gemacht. Es war die bisher größte Krise in unserer Beziehung.
Wie konnte sie mir das antun – sie sprach immer von einer Botschaft des Engels und vom Heiligen Geist – ich war verzweifelt und doch liebe ich sie. Ich wollte sie nicht bloßstellen vor allen Leuten und plante mich in aller Stille von ihr zu trennen. In einer dieser schlaflosen Nächte, als dies alles passierte, hatte ich auch einen Traum von einem Engel. 

Und als ich erwachte war mir klar ich nehme Maria als meine Frau mit dem Kind, das in ihrem Bauch heranwächst. Wir werden eine Familie sein und ich werde für Maria und das Kind sorgen. Ach lieber Gott, ich weiß nicht was DU da immer wieder mit mir vorhast. Und schon oft habe ich es erlebt, dass DU auf ganz krummen Linien gerade schreibst. Und dass DU auf Wege führst, die man sich gar nicht ausdenken kann. Die so anders sind als mein Planen. Ich folge Dir einfach, tue das was dran ist…

Und jetzt bin ich mit Maria aufgebrochen zur Volkszählung und wir haben Zuflucht hier diesen Stall gefunden. Ja, Gott sorgt doch immer für uns und wir finden immer was!!!
Ich bin so froh, dass ich bei der Geburt dabei sein konnte. Ich konnte Maria halten, ihr den Schweiß abwischen, - huch zwischendrin war es heftig. Aber als der Kleine da war und schrie war das alles vergessen. Unsagbares Glück durchströmte mich, durchströmte uns – ja so eine Geburt, das Entstehen eines Menschen ist ein Wunder…
Jetzt liegt er bei ihr in den Armen. Wie wunderschön, ich bin so dankbar!

(Maria) stehend in der Nähe des Marien Altares

Ach wie gut, dass Josef, bei mir ist. Ich wusste es vom ersten Moment an, als ich ihn gesehen habe, dass er treu und gerecht ist. Ein wunderbarer, fürsorgender Mann. In den Anfängen unserer Liebe haben wir uns unsere Beziehung ganz anders vorgestellt, wir haben geträumt, geplant und hatten verrückte Idee…

Jetzt ist es ganz anders gekommen… Seit jenem Besuch des Engels… Was der eigentlich meinte, habe ich nicht richtig verstanden. Ich hatte nur tief in mir: ich bin bereit, ich bin bereit mich auf Gott einzulassen egal was passiert. Erst jetzt im Nachhinein verstehe ich so nach und nach…

Gott sei Dank haben wir diesen Stall gefunden. Mit den Tieren, die uns etwas Wärme geben. Die Schmerzen sind vergessen. Ich trage mein Kind auf den Armen. Es strahlt, sein Gesichtlein leuchtet, wie von wo anders her… Es ist noch ganz so eins mit seinem Ursprung aus Gott. Es geht Liebe von ihm aus. Oh welches Glück – meine Seele preist die Größe des Herrn. Mein Geist jubelt über Gott meinen Retter. Was wird mir da geschenkt… Ich Maria aus Nazareth – sein Erbarmen…

(Kind) bei der Krippe

Oh, Oh - wie schön ist es in den Armen meiner Mutter zu liegen, ihre Wärme, Ihre Haut zu spüren an, ihre Stimme zu hören. Ja, es war an der Zeit, Fülle der Zeit – ich wurde als Sohn gesandt, gezeugt vom Vater vor aller Zeit… Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott. Eins mit dem Vater, eins mit Dir…

Da liege ich geborgen und umsorgt, wie viele haben das nicht, sind nicht gewollt, sind abgelehnt, erleben Hunger, Gewalt, Missbrauch… Wenn ich groß bin werde ich zu ihnen gehen, ihnen meine Liebe schenken, sie trösten und heilen, ihnen sagen, dass das Reich Gottes schon angebrochen ist… dass sie erlöst sind, dass sie mit dem Vater eins sind wie ich. Ich werde alles dafür geben sogar mein Leben…

Weil ich Euch Liebe, jeden von Euch ganz und gar.

(Abt Michael - aus der Rolle raus)
Liebe Schwestern und Brüder, wir sind der Herbergsvater und Mutter, wir sind Josef, Maria, Jesus lassen wie den Jesus in uns Mensch werden und wachsen. 

Ihnen allen eine gesegnete Weihnacht!

Sonntagsimpulse von P. Anselm Grün

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Abtei Münsterschwarzach
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