Aktuelles Ökoprojekt

Abtei Münsterschwarzach erreicht Klimaneutralität

Durch den konsequenten Einsatz von regenerativen Energieträgern haben wir im Jahr 2008 für Kloster, Schule und Gewerbebetriebe "Klimaneutralität" erreicht: eine ausgeglichene CO2-Bilanz.

Es begann im Jahr 2000 mit unserem Klosterprojekt "Neue Energien". Innerhalb von zehn Jahren wollten wir Mönche uns mit regenerativen Energiequellen aus der Region versorgen. Nach einer Energie-Datenaufnahme des ganzen Klosters, der Renovierung des Wasserkraftwerkes, wurden bis 2007 mit dem Bau einer Photovoltaikanlage, Holzenergiezentrale und Biogasanlage 95 % des Kohlendioxidausstosses reduziert. Begleitend konnte durch Wärmedämmung etwa 15 % der Heizenergie eingespart werden.

In 2008 kamen noch der Bau eines Nachgärers für die Biogasanlage (siehe Bilder) hinzu und Wirkungsgradverbesserungen im Gesamtsystem. Damit konnten ein weiterer Beitrag zur Vermeidung von klimaschädlichen Gasen (Kohlendioxid und Methan) geleistet werden.

Bezogen auf den Durchschnitt der 90er Jahre heißt das: statt 730.000 l Heizöl benötigten wir nur 78.000 l; statt 860.000 kWh an Strom produzieren wir einen Überschuss von ca. 500.000 kWh Strom aus regenerativen Quellen. Auch der Bedarf an Treibstoff für unsere Fahrzeuge konnte um 30 % gesenkt werden. An die 95 % unserer Energie kommt aus Erneuerbaren Quellen.

Umgang mit der Schöpfung

Sonne, Wasser, Biogas – in Münsterschwarzach hat man nicht einfach „von allem etwas“ ausprobiert. Im Jahr 2000 haben der damalige Abt Fidelis Ruppert und der Cellerar Pater Anselm Grün ihre Vision formuliert: „Achtsamer Umgang mit der Schöpfung und mit allen Menschen ist deshalb für uns eine Art Gottesdienst und ebenso bedeutsam wie das liturgische Beten, damit in allem Gott verherrlicht werde.“ Das Energie-Projekt war geboren.“ Wir haben uns dann 2001 im Ökorat zusammengesetzt und die ganze Anlage energietechnisch untersucht“, erzählt Pater Christoph. „Wir haben dann das Ziel etwas vorwitzig formuliert“, sagt der studierte Elektroingenieur und Theologe. „Wir wollen die Abtei in zehn Jahren autark aus regenerativen Energien aus der Region versorgen“, hieß das damals. „Dass wir das in sieben Jahren geschafft haben, hätten wir natürlich nie gedacht“, fügt Pater Christoph an.

Insgesamt verbraucht das Kloster eine Million Kilowattstunden Strom im Jahr. Vor dem Beginn des Energieprojekts kamen rund 650.000 Liter Heizöl hinzu. Heute sind es weniger als 100.000 Liter Öl. Gewaltige Summen. Bruder Edmar vergleicht Münsterschwarzach mit einem Dorf von über 1.200 Einwohnern. Die Schüler, die Mönche, die Werkstätten, die große Druckerei, das Gästehaus, für alle muss gesorgt werden. Richtig ist, dass es allein mit der Umstellung von Öl auf Bioenergie nicht getan ist. Was kann man noch tun? Gute Tipps gibt es viele. Für Pater Christoph geht es um mehr. „Das ist vor allem eine Haltungsfrage. Auch eine Glaubensfrage.“

„Auch in 500 Jahren sollen hier Benediktiner leben können“, erklärt Pater Christoph. So wie auch vor 500 Jahren Benediktiner hier gelebt haben. Oder vor 750 Jahren.

Denken in anderen Zeiträumen – das steht hinter dem Konzept. Dass das sehr aktuell sein kann, zeigt sich heute, wenn Münsterschwarzach als „das grüne Kloster“ öffentliches Interesse auf sich zieht. „Wir sind mit dem ganzen Projekt ja prophetischer gewesen, als uns bewusst war“, merkt Pater Christoph an. Die ganze Diskussion um Klimawandel und CO2-Ausstoß kam ja erst auf, als die Brüder in der Abtei längst ihren Plan für die nächsten 100 Jahre aufgestellt hatten. Den Plan, nachhaltig zu wirtschaften und zu leben, weil sie das als Jahrhundertaufgabe erkannt hatten. Jetzt geht es darum, die richtigen Weichen zu stellen für die Zukunft. Denn „wir leben immer noch über unsere Energieverhältnisse“, sagt Pater Christoph. Die Kritiker unter den Klosterbrüdern rechnen ihm vor, dass nach den jetzigen Lebensgewohnheiten pro 1000 Menschen 500 Hektar Land für nachwachsende Rohstoffe gebraucht würden. Das ist kein realistisches Modell für die Gesellschaft. Und das will die Abtei eigentlich sein. Pater Christoph stellt deshalb klar: „Wir sind noch lange nicht am Ziel.“

Zur Information

  • Die Holzhackschnitzelanlage ersetzt zum größten Teil die Ölheizung, die bisher pro Jahr etwa 650.000 Liter Öl verbraucht hat.
  • Sonnenkollektoren sorgen für Warmwasser und sparen dadurch zusätzlich weitere 1.000 Liter Öl pro Jahr.
  • Im Jahre 2008 hat die Abtei ihren CO2-Ausstoß auf praktisch Null reduziert.
  • Über den eigenen Stromverbrauch hinaus produziert das Kloster ca. 300.000 kWh Ökostrom.

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