„Jesu Licht ist stärker als aller Hass!“
Ökumenisches Abendgebet will auf dem Katholikentag ein Zeichen setzen
Zu einem ökumenischen Abendgebet der Orden und Kommunitäten hatten die Communität Casteller Ring und die Missionsbenediktiner der Abtei Münsterschwarzach am Samstagabend in die Mutterhauskirche der Schwestern des Erlösers in Würzburg geladen. Gekommen sind deutlich mehr Menschen als erwartet. Von allen Seiten wurden Stühle hereingebracht, viele Menschen nahmen auf den Stufen im Altarraum Platz oder mussten stehen.
Die ökumenische Vesper wurde in benediktinischer Tradition gesungen – von einer gemeinsamen Schola der Schwanberger Schwestern und der Münsterschwarzacher Mönche unter der Leitung von P. Anastasius Reiser. Nach dem Eröffnungshymnus entzündeten Priorin Sr. Ursula Buske CCR und Abt Michael Reepen OSB die Osterkerze und verteilten das Licht im Kirchenraum. Das Weihrauchopfer auf dem Altar wurde von gesungenen Antiphonen und Versen aus unterschiedlichen Psalmen begleitet.
Die von Schwester Ursula vorgetragene Kurzlesung aus dem Epheserbrief (Eph 5,8f.) formulierte die Aufforderung „als Kinder des Lichts“ zu leben, denn „das Licht bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor“. Das Motto des Abendgebets „Öffnen wir die Augen dem göttlichen Licht“ war der Regel des Hl. Benedikt entnommen, die – so Abt Michael – „eine Hilfe zur Konkretisierung der Taufe“ sei. Gleich im Prolog werden die Hörenden ermahnt, „vom Schlaf aufzustehen“, „die Augen dem göttlichen Licht“ zu öffnen und „mit aufgeschrecktem Ohr zu hören, wozu uns die Stimme Gottes täglich mahnt und aufruft“. Auch Mönche würden Müdigkeit und Lustlosigkeit in morgendlicher Frühe um 4:40 Uhr kennen, gab Abt Michael augenzwinkernd zu. Und doch müsse jede/r einzelne sich immer wieder aufraffen, nicht gleichgültig zu werden: „Wir machen nicht mit bei Mobbing, Hass und Gewalt, wir halten die Würde des Menschen und das Evangelium hoch, wir bestärken einander aufzustehen!“ Der Katholikentag sei eine „große Chance, gemeinsam ein Zeichen zu setzen“. Chaos und Dunkel in der Welt könne man nur deshalb so deutlich wahrnehmen, „weil wir um das Licht wissen“, so Abt Michael: „Wir glauben, dass Jesu Licht stärker ist als alle Dunkelheit und aller Hass. Wenn wir in jedem Bruder und jeder Schwester Christus erkennen, wird unser Herz offen, lebend und menschlich!“
Nach den im ökumenischen Kloster gesammelten Fürbitten und dem Schlusssegen sorgte P. Dominikus Trautner an der Orgel mit der Toccata in F-Dur von Charles Marie Widor für ein furioses Ende und entließ die Teilnehmenden in einen strahlenden Mai-Abend.
Anja Legge







