Blick für die Details: Sakristan Br. Bernhard 

Besonderer Einsatz an den Weihnachtstagen und im Alltag für die Gottesdienste.

Wer an Heiligabend am Vormittag in die Abteikirche Münsterschwarzach kommt, wird direkt merken: Es wird Weihnachten. Viele Mönche sind im Einsatz, um die Abteikirche für das Hochfest der Geburt Christi vorzubereiten. Br. Samuel richtet den Blumenschmuck, die jungen Mönche helfen P. Zacharias und P. Meinrad beim Stellen der Krippe, Br. Wolfgang übt an der Orgel und P. Maximilian bereitet die Technik für den Livestream vor. Derjenige, der an diesem Tag aber am meisten im Einsatz ist, ist Br. Bernhard als Sakristan.

Am Heiligabend ist er fast durchgehend auf den Beinen – von der Kirchenöffnung frühmorgens um kurz nach vier bis nachts nach der Christmette, die um 1.30 Uhr endet. Während die meisten danach ins Bett gehen können, hat er noch weiter mit Aufräumarbeiten zu tun.

Doch zunächst muss er die großen Gottesdienste vorbereiten. Nachdem er den roten Teppich im Altarraum gesaugt hat, stellt er hinter dem Abtsthron noch weitere Kerzen auf. Br. Bernhard ist Ästhet, legt Wert auf Details. Das zeigt sich auch in der Marienkerze, die vor der Madonnenfigur steht. Auf ihr zu sehen ist seit diesem Tag die heilige Familie.

Auch in der Sakristei wird Br. Bernhards besonderer Blick deutlich. Seit 24 Jahren ist er dafür verantwortlich, weiß blind wo alles steht. Aus einem der vielen Einbauschränke, die ganz ohne Beschriftung auskommen, holt er den Rauchmantel für den Abt und drapiert ihn sorgfältig auf einem der halbhohen Schränke. Darauf kommen Stola, Albe und Schultertuch – alles in der richtigen Reihenfolge und fein säuberlich Falte auf Falte gelegt. Nach so langer Zeit sitzt bei ihm jeder Handgriff.

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Mit Herzblut im Einsatz

Was in Pfarrkirchen und normalen Sakristeien auch für jeden Gottesdienst vorbereitet werden muss, ist hier in vielfacher Ausführung für die Patres und seine Mitbrüder zu tun. Um die 1000 Gewänder, so schätzt der Sakristan, würden hier in den zweistöckigen Schränken hängen. Darunter natürlich auch viele aus alten Zeiten. Bassgeigen mit Manipel, Chormäntel aus Samt mit detailreicher Brokatstickerei und barocke Gewänder.

Hinzu kommen die Pontifikalien – Mitra und Stab – für Abt Michael. Und auch hier ist vieles noch aus der Vergangenheit da. Abtsstäbe von den Vorgängern, wie etwa der von Placidus Vogel, dem Abt, unter dem die Abteikirche erbaut wurde. Immer an Kirchweih käme der zu Einsatz, sagt Br. Bernhard. Dann gebe es noch Kelche für die einzelnen Hochfeste. Weihnachten, Ostern, Felizitas, Professgottesdienste. Alles stammt aus der klostereigenen Gold- und Silberschmiede und hat sich in über einem Jahrhundert nach der Wiederbesiedlung angesammelt. Und an den Kelchen ist der Stil der Handwerker über die Jahrzehnte erkennbar.

Eine würdige Liturgie, eine den jeweiligen Hochfesten entsprechende Ästhetik liegt Br. Bernhard besonders am Herzen. „Ich achte sehr darauf, welchen Kelch ich wann verwende und wie alles zusammenpasst“, erklärt er während er den Kelch für die Christmette zeigt. Für die Vesper am Nachmittag müssen aber auch noch Gewänder rausgelegt werden. Und dazu passende Schilder. Lang, mittel, kurz. Damit seine Mitbrüder direkt das passende Gewand finden. Auch die Alben, die rechts auf Kleiderhaken hängen, sind nach Größe und Namen sortiert.

Alles hat bei Br. Bernhard seine Ordnung – was ihn natürlich zum Ansprechpartner Nummer 1 für vieles macht. Da wird noch eben die Lichttechnik für die Krippe besprochen oder ein zusätzlicher Hocker besorgt. Ohne ihn würde hier heute einiges unrund laufen.

Doch vor allem im Alltag würde sich das Fehlen seiner Arbeit schnell bemerkbar machen. Kurz nach vier Uhr morgens beginnt täglich sein Arbeitstag, wenn er die Abteikirche aufsperrt. Bis zur Morgenhore um 5 Uhr müssen alle Lampen angeschaltet sein und noch überall nach dem rechten gesehen werden. Dann muss der Sakristan mit den Vorbereitungen für die Gottesdienste beginnen. Nach der Morgenhore folgt das Konventamt um 6.30 Uhr, im Anschluss Kryptamesse um 7.15 Uhr. Und danach natürlich alles wieder aufräumen.

Es sind vor allem die kleinen Handgriffe. Licht im Chorgestühl vor den Stundengebetszeiten einschalten. Kerzen vor den Gottesdiensten anzünden und danach wieder löschen. Abstauben, staubsaugen. Abgebrannte Kerzen austauschen und natürlich den Gesamtüberblick behalten. In Br. Bernhards Aufgabenbereich fallen natürlich auch noch die externen Gruppen, die in der Abteikirche Gottesdienste feiern.

Und auch unschöne Erlebnisse gibt es. Da seien die Gäste, die abends noch lange bleiben wollen, obwohl die Kirche nach der Komplet zur Nachtruhe der Mönche geschlossen werden soll. Oder welche, die ihren Müll hinterlassen. Oder die Absperrungen zum Altarraum nicht beachten. „Da muss man auch mal durchgreifen“, meint Br. Bernhard während er ein Vortragekreuz für den Abend zusammenschraubt. Auch hier gibt es wieder dem Anlass entsprechende Besonderheiten.

Neben den Gewändern muss auch vieles anderes bereitgelegt werden. Velum und weiße Handschuhe. Mitra und Stab für den Abt. Gewänder für die Choralschola. Und für später dann Messgewänder – die werden aber erst nach der Vigil zur Christmette angezogen. Auch für die gibt es feste Plätze über der Brüstung der Seitenkapellen. Für Br. Bernhard ist das alles Routine. Und auch anstrengend. Wenigstens am nächsten Tag geht es nicht allzu früh wieder los. Doch auch da steht dem Sakristan wieder ein arbeitsreicher Tag bevor.

Viel Herzblut muss für eine solche Aufgabe dabei sein – und das kann man bei Br. Bernhard nicht nur spüren, sondern vor allem sehen. In den kleinen Details. Im Blick für das große Ganze.

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