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Besuch in der Ukraine

Br. Julian Glienke OSB berichtet von seiner Reise

Auf Einladung der Partnerschule, des Basilius-Gymnasiums Ivano-Frankivsk, hat Br. Julian Glienke OSB in den Faschingsferien eine Reise in die Ukraine unternommen. Begleitet wurde er von Hans Plate, der auf der Ebene der Bio-Landwirtschaft Kontakte dorthin hat. Br. Julian berichtet:

Wir hatten Glück und haben weder Drohnenalarm noch Strom- und Heizungsausfälle erlebt. Zwar gibt es auch in der Westukraine Angriffe auf die Energieinfrastruktur, aber die Städte sind unzerstört. Spuren von Drohnenangriffen haben wir nur am Kraftwerk Burschtyn 35 km von Ivano-Frankivsk entfernt gesehen, sowie an einer Industrieanlage bei Lviv.

Die Menschen bewegen sich ständig auf dem Grat zwischen Alltagsnormalität und der Realität des Krieges. Sie gehen ihrer Arbeit nach, Kinder gehen in die Schule, die schönen Cafés und Restaurants haben geöffnet. Auf der anderen Seite gibt es immer wieder Alarm, bei dem manche einen Schutzraum aufsuchen, manche einfach weitergehen. Eine lange Galerie in der Innenstadt mit hunderten von Bildern führt vor Augen, wie viele Männer aus Ivano-Frankivsk an der Front schon gefallen sind.

Das Basilius-Gymnasium ist eine kirchliche Schule, die der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche angehört. Dem Direktor, Markian Bukatchuk, konnten wir drei große Powerstations übergeben. Zwei wurden durch eine Spendenaktion im Grünen-Kreisverband finanziert, eine durch die Abtei. Diese sollen helfen, die häufigen Stromausfälle infolge russischer Angriffe auf die Energieinfrastruktur zu überbrücken. Auch sonst waren wir beeindruckt, wie modern die Ukraine ist, bei der Digitalisierung ist man dort schon weiter als bei uns. Auch diese dient der Bewältigung der Kriegsrealität – so zeigt eine Warn-App an, in welchen Gebieten es aktuell Drohnenalarm gibt.

Wir waren darüber hinaus beeindruckt von der Kreativität der Menschen, die an vielen Stellen sichtbar wird. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um eine entscheidende Ressource, um in der bedrängten Situation bestehen zu können. Kreativität und Eigeninitiative haben in der Ukraine Raum – das gilt sowohl für die Startups, die ständig neue Drohnen entwickeln, als auch im Wirtschaftsleben und in der Gastronomie. Wir haben kaum jemals in einer Stadt so viele originell und geschmackvoll gestaltete Cafés und Restaurants gesehen wie in Lviv und Ivano-Frankivsk.

Die Westukraine ist, so unser Eindruck, durch und durch europäisch. Russland ist weit weg. Die Region gehörte jahrhundertelang zu Österreich-Ungarn und zu Polen. So sehr die Menschen auch unter dem Krieg leiden, die Kapitulation ist für niemanden eine Option, über die man auch nur ansatzweise nachdenken würde. Die Menschen wollen zu Europa gehören, sie wollen ihre eigene Sprache sprechen und frei sein. Sie haben weiterhin unsere Unterstützung und Solidarität verdient. Wir sind beeindruckt vom Selbstvertrauen, Pragmatismus und dem Zukunftsglauben der Menschen, denen wir begegnen durften. Die Ukraine ist auf jeden Fall wieder eine Reise wert – beim nächsten Mal hoffentlich im Frieden!