Durch dick und dünn in Tansania
Br. Godehard Hell OSB berichtet über sein Wirken in der Abtei Ndanda
Deutschland statt Tansania: Aktuell verbringt Br. Godehard Hell OSB zwei Monate Heimaturlaub in Münsterschwarzach. Seit fast 50 Jahren arbeitet er als Missionar in Ostafrika. Vieles hat sich in dieser Zeit verändert. Einige Meilensteine seiner Arbeit sowie der Entwicklungen im Land lässt Br. Godehard Revue passieren. Zudem erzählt er, warum er sich freut, nach dem Urlaub in die Abtei Ndanda zurückzukehren.
Eigentlich stammt Br. Godehard aus dem kleinen Ort Großlangheim. Von dort führt ihn sein Weg über die Abtei Münsterschwarzach nach Afrika. Im Kloster erlernt er den Beruf des Landmaschinenmechanikers. Ein Jahr nach Ausbildungsende kehrt er nach Münsterschwarzach zurück und tritt in den Orden ein. Es folgen die Lehre als Kfz-Mechaniker sowie die Meisterprüfung. 1978 fragt Abt Bonifaz Vogel, ob Br. Godehard in die Mission nach Tansania möchte. Ohne zu zögern, sagt er zu.
Ziel ist die Abtei Ndanda. Diese wird 1906 von den Missionsbenediktinern von St. Ottilien gegründet. Zur Benediktinerabtei gehören neben einem Krankenhaus und Schulen auch verschiedene Betriebe. In der Kfz-Werkstatt gibt es eine Vakanz in der Leitung, die Br. Godehard übernehmen soll. „Ich bekam den Schlüssel in die Hand gedrückt und durfte gleich loslegen“, erinnert er sich lachend an seinen Einstand. Doch er fasst schnell Fuß. „Die Werkstatt ist für die Wartung der Klosterfahrzeuge zuständig. Als ich anfing, umfasste der Fuhrpark von Abtei und Missionsstationen rund 50 Autos. Dazu kamen noch externe Aufträge. Darüber hinaus habe ich mich um die Ausbildung der Lehrlinge gekümmert.“
Die ersten Jahre von Br. Godehard in Tansania sind von großen Herausforderungen geprägt. Das 1961 eingeführte sozialistische Staatsmodell kollabiert. Es herrscht Hunger und ein großer Mangel bei fast allen Gütern. Viermal im Jahr kommen Container aus Deutschland, um die Mönche der Abtei Ndanda mit allem Notwendigen zu versorgen – von der Zahnpasta bis zum Treibstoff. In diese Zeit beginnt auch eines der größten Projekte von Br. Godehard.
Die Stromerzeugung erfolgt bis dato über Dieselgeneratoren, was sich bei der angespannten Versorgungslage als unbefriedigend erweist. Mit Unterstützung eines Schweizer Experten lässt sich die Situation deutlich verbessern. Von 1985 bis 1987 entsteht ein Wasserkraftwerk, das die Ressourcen einer örtlichen Quelle nutzt. Br. Godehard übernimmt bei den aufwändigen Baumaßnahmen die Projektleitung. Bereits 1990 zerstört eine Flutkatastrophe die Anlage. Doch Br. Godehard lässt sich nicht entmutigen. Zwei Jahre später ist das Wasserkraftwerk, erneut mit Hilfe aus der Schweiz, wieder aufgebaut.
Auch in Tansania kommt es zu Veränderungen. „Das Land hat sich ab 1985 der Demokratie geöffnet. Eine positive Folge war, dass es dadurch auch mit der Wirtschaft aufwärts ging. Die Versorgungslage verbesserte deutlich“, erläutert Br. Godehard. Die positive Entwicklung hat sich allerdings nicht kontinuierlich bis heute durchgezogen. „Ab 2015 gab es wieder eine politische Wende mit diktatorischen Zügen. Dabei kam es zu Einschränkungen bei Bürgerrechten und der Medienfreiheit.“ Die Lage hat sich zwischenzeitlich entspannt, trotzdem bleibt die Dominanz der Regierungspartei bestehen.
Was sind aktuell die Herausforderungen im Land? „Tansania hat einen großen Bevölkerungswachstum erlebt. Vor allem die Anzahl an jungen Menschen ist stark gestiegen. 70 Prozent der Bevölkerung ist jünger als 30 Jahre“, berichtet Br. Godehard. Die Gesellschaft legt großen Wert auf eine gute Schul- und Berufsausbildung. An sich eine positive Sache, allerdings stellt das die vorhandenen Strukturen vor Herausforderungen. „Früher haben wir 15 junge Menschen in der Werkstatt ausgebildet, heute sind es 40. Wir stoßen an unsere Grenzen und mussten bereits das Ausbildungssystem anpassen. Dadurch verschiebt sich der Fokus mehr auf die Theorie “, verdeutlicht er die Situation.
In der Abtei Ndanda hat sich in den vergangenen 50 Jahren ebenfalls einiges verändert. Waren früher ausschließlich Missionare aus Europa tätig, übernehmen heute einheimische Patres die pastoralen Aufgaben. Das Kloster selbst hat zudem seit Jahren die Türen für Mönche aus dem afrikanischen Land geöffnet. Br. Godehard arbeitet weiter in der Werkstatt, hat aber die Leitung mittlerweile abgegeben. Er kümmert sich vermehrt um den Straßenbau auf dem Gelände. 2004 hat er ein Baum-Pflanz-Projekt ins Leben gerufen.
Aktuell verbringt er seinen Urlaub in Münsterschwarzach. Neben dem Wiedersehen mit seinen Mitbrüdern nutzt er die Gelegenheit, um Ersatzteile zu kaufen, die er in Tansania nicht bekommt. Trotzdem freut er sich schon darauf, wenn es zurück nach Ndanda geht. „Die Menschen sind in Tansania fröhlicher und aufgeschlossener. Es herrscht weniger Anonymität wie ich sie in Deutschland erlebe. Das Leben ist einfacher“, beschreibt der den Unterschied. Daher hofft Br. Godehard noch auf einige gute Jahre in Tansania




