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Fastentuch 2026: Frieden für die Welt, Frieden für uns

Passionszeit und Weltgeschehen im Fastentuch vereint

Wer aktuell die Abteikirche in Münsterschwarzach betritt, wird mit einem ganz besonderen Anblick konfrontiert. Eine rote Stoffbahn verdeckt das Hochaltarkreuz. Das Fastentuch ist fester Bestandteil der Liturgietradition der Mönche in Münsterschwarzach. Entwurf und Umsetzung übernahm in diesem Jahr wieder Künstlerpater Meinrad Dufner OSB. Als zentrales Thema hat er Frieden bei der Ausgestaltung gewählt.

Das Werk besteht aus zwei Elementen. Unter dem Hochaltarkreuz mit dem Tuch befindet sich ein Bild. Dieses zeigt eine wuchtige Dornenkrone – so groß, dass sie symbolisch auch über die ganze Welt reicht. Sie steht für das Leid und den Schmerz. Das erinnert an die Passion Christi, aber auch das Furchtbare, was Menschen Tag für Tag erleben. Die „Jetztzeiterfahrung“, wie es P. Meinrad umschreibt. Dunkle Farben tragen die Botschaft. Doch ein heller Horizont hilft nicht nur, die Weltleidkorne besser zu visualisieren, sondern sendet auch leise Hoffnungsimpulse.

Eine Ambivalenz, die sich im Fastentuch mit seiner roten Farbe widerspiegelt. Rot steht für Blut, Alarm – aber auch die Liebe. Die zentrale Botschaft ist in einem tanzenden Rondo angeordnet: das Wort Frieden in zwölf Sprachen. Englisch, Französisch, Chinesisch, Hebräisch, Arabisch, Russisch, Ukrainisch, um nur einige zu nennen. Dabei kommen unmittelbar die aktuellen Konflikte weltweit in den Sinn. Doch das Fastentuch möchte vielmehr ein Segenswunsch sein. Eine Liebesfahne, die den Frieden zum Leid der Dornenkrone fließen lässt.

Eine zentrale Rolle nimmt dabei Jesus ein. Das Hochaltarkreuz mag nicht zu sehen sein. Doch die ausgestreckten Arme sind zu beiden Seiten des Fastentuchs klar erkennbar. Seine Hände sind nicht mehr ans Kreuz genagelt, die Wunden vergoldet. Das steht für die Wandlung – den Sieg über Leid und Tod. Die offenen Arme zeigen: Jesus schenkt Frieden. Mit der Botschaft des Fastentuchs greift P. Meinrad nicht nur ein aktuelles Thema auf.  Frieden, so der Künstlerpater, ist ein zentrales Anliegen der Benediktiner. Die Inschrift „Pax“ lässt sich in jedem Kloster finden, in Münsterschwarzach am Pfortenhaus.

Das Fastentuch hat eine lange Tradition in der Kirche. Der Grundgedanke ist das Fasten der Augen. Ursprünglich beinhaltete die Kreuzdarstellung oft eine üppige Gestaltung mit Edelsteinen und Goldschmiedearbeiten. In der Frühzeit des Christentums fokussierte die Darstellung zudem eher auf einen triumphierenden Christus. Das Bild des leidenden Jesu etablierte sich erst später. Daher war es den Gläubigen wichtig, in der Passionszeit die Altäre abzuhängen. Auch heute möchte das Fastentuch bis Karsamstag den gewohnten Blick brechen und Raum für einen neuen Perspektiven schaffen.