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Freundschaft mit der Feder

Kalligrafie-Kurs in Münsterschwarzach ist mehr als schönes Schreiben

Schönschreiben – viele Menschen verbinden damit mehr oder weniger gute Erinnerungen an ihre Schulzeit. Doch zwischen dem Unterricht von damals und der Kunst des schönen Schreibens – der Kalligrafie – liegen Welten. Seit 1999 bietet das Gästehaus die Möglichkeit, sich mit Feder und Pinsel auszuprobieren. Die Nachfrage ist ungebrochen hoch. Seminarleiter Werner Winkler und Br. Alois Maria Weiß zeigen, warum das so ist.

Beim Betreten des Seminarraums sticht das kreative Chaos ins Auge. Auf einer Tischreihe stapelt sich Material – Papier in zig Varianten, Schreibwerkzeuge, Farben. Auf der anderen Seite steht eine blaue Stellwand, an der die Kunstwerke der Teilnehmerinnen und Teilnehmer hängen. Die Arbeitsplätze verschwinden unter Vorlagen, Equipment und aktuellen Entwürfen. Mittendrin im kreativen Schaffen stehen Werner Winkler und Br. Alois. Sie begleiten die Gruppe auf dem Weg zur schönen Schrift.

Zwölf Einheiten stehen am Wochenende an. Sie laden ein, die Kunst, dekorativ mit der Hand zu schreiben, zu vertiefen. Das Teilnehmerfeld ist bunt gemischt. Daher ist den Dozenten der Austausch am Anfang besonders wichtig. Mit welchem Kenntnisstand starten die Menschen? Welche konkreten Erwartungen an den Kurs bringen sie mit? Darüber hinaus erfolgt ein sanfter Einstieg am ersten Abend. „Die Teilnehmenden sollen sich zunächst mit der Bandzugfeder anfreunden. Das ist eine erste Hürde, da das Schreiben damit ungewohnt ist“, erläutert Br. Alois. „Im nächsten Schritt können sie eine Schriftart wählen, die sie gerne schreiben möchten und mit dieser einen ersten Satz üben.“

Das Leitungsteam hat sich über die Jahre gut aufeinander eingestimmt. Es gibt eine klare Aufgabenteilung. Werner Winkler übernimmt den praktischen Teil, unterstützt bei Fragen und hilft mit kreativem Input weiter. Br. Alois kümmert sich um die spirituelle Ausrichtung des Angebots. Mit meditativen Texten, Musik, Körperübungen schafft er die passende Atmosphäre und sorgt für kleine Auszeiten. Gemeinsam tragen sie auch die Methodik, wie Wissen im Kalligrafie-Kurs vermittelt werden soll.

„Bei uns lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ohne Druck“, erklärt Werner Winkler. Diese merken schnell, dass das Seminar wenig mit dem Pauken aus Schulzeiten zu tun hat. Im Gegenteil. „Es geht nicht nur um Erfolg, sondern auch um Wachstum. Die Menschen eignen sich Schreibtechniken an, gleichzeitig erfahren sie mehr über sich selbst. Bin ich zu schnell? Zu zögerlich? Zudem setzen wir auf Peer-Group-Lernen, bei dem sich die Gruppe umeinander kümmert und sich unterstützt.“ Diese Erfahrung ist ein Erfolgsfaktor. Genauso wie die Tatsache, dass auch Anfänger bereits nach drei Tagen gute Erfolge vorzeigen können.

Die Freude an der Kalligrafie ist den Dozenten deutlich anzumerken. Werner Winkler kam über seine Ausbildung zum Werbetechniker mit dem Schönschreiben in Berührung.  Zudem sieht er eine gewisse familiäre „Vorbelastung“: der Vater war Kartograf, der Großvater hat als Lithograf gearbeitet. Br. Alois interessierte sich bereits als Kind für das Zeichnen und war begeistert von den liebevoll verfassten Postkarten seiner Tante. In der Lehre als Maler und Lackierer spielten Schriften zudem ebenfalls eine wichtige Rolle.

Eine spezielle Zielgruppe für das Angebot gibt es übrigens nicht. „Den Kurs können alle besuchen, die Freude am schönen Schreiben haben. Es spielt keine Rolle, ob Anfänger oder Fortgeschrittener“, betont Br. Alois. Werner Winkler ergänzt: „Wir bieten eine offene Werkstatt, sozusagen ‚begleitete‘ Kalligrafie. Neben dem künstlerischen Aspekt geht es darum, sich selbst einzubringen. Eigenen Grenzen zu begegnen und diese zu überwinden. Das ist herausfordernd, schafft aber auch große Freude.“


Das sagen Teilnehmerinnen und Teilnehmer:

Angelika:

„Das ist meine Premiere beim Kurs. Nach vielen Jahren kreativer Arbeit mit Papier wollte ich mein Schaffen mit einer schönen Handschrift kombinieren. Das ist es das erste Mal seit der Schule, dass ich mich mit Schrift beschäftige.

Der Kurs bietet viel Zeit, um am Stück zu arbeiten. Der Raum ist immer offen. Die Referenten unterstützen mit Ideen. Ich bin nächstes Jahr wieder mit dabei.“

Frank:

„Ich war vor zehn Jahren das erste Mal hier. Seitdem habe ich siebenmal teilgenommen. Der Kurs schenkt mir innere Ruhe beim Schreiben. Ich kann eintauchen, mich mit dem Inhalt auseinandersetzen.

Das Miteinander ist sehr schön. Es gibt immer neue Ideen und Impulse. Kalligrafie ist eine Form von meditativer Arbeit für mich. Der Kurs liefert mir Kraft und Energie.“