Pater Zacharias Heyes und die Band Sternallee boten eine Oase der Ruhe inmitten des Trubels
Weit vor Beginn der Veranstaltung war die Alte Turnhalle der St.-Ursula-Schule schon restlos ausgebucht: Offenbar hatten sehr viele Katholikentags-Besucherinnen und Besucher das Bedürfnis, nach einem reichen Tag voller Begegnungen, Gesprächen, Diskussionen, Impulsen und Gottesdiensten zur Ruhe zu kommen. Unter dem Titel „Komm, wie du bist und schöpfe neue Kraft“ hatten Pater Zacharias Heyes OSB aus der Abtei Münsterschwarzach und die Band Sternallee am späten Samstagnachmittag zu mutmachenden Songs, guten Gedanken und wohltuenden Ritualen und Gebeten eingeladen.
Die zarten Texte des Benediktiners und die einfühlsamen Lieder der Band, die auch das Motto-Lied zum Katholikentag beigesteuert hat, gingen dabei Hand in Hand. Im Dreischritt „Komm, wie Du bist. Bring, was Du trägst. Nimm, was Du brauchst“ konnte man ganz sein und alles lassen. „So wie ich bin darf ich zu Gott kommen“, versicherte Pater Zacharias: „Deine Liebe umhüllt uns wie die Luft zum Atmen. Du bist uns näher als wir uns selber sind. Zu jeder und jedem sprichst Du Dein bedingungsloses Ja.“ Wie der Christus in der Abteikirche mit ausgestreckten Armen dazu einlade, alles Schwere mitzutragen, dürften wir auch Dank, Freude, Zuversicht und Hoffnung sowie Bitte und Fürbitte zu Gott bringen. „Schweres wird uns nicht erspart“, so Pater Zacharias, aber Gott sagt: „Ich bin da, ich gehe mit dir, ich trage mit dir.“ Was der Mensch letztlich am dringendsten im Leben brauche sei „die Sehnsucht, geliebt zu sein, angenommen zu sein, nicht verurteilt zu werden“. Er selbst sei überzeugt: „Es gibt in jedem Menschen eine Sehnsucht, die kein anderer Mensch stillen kann – eine Sehnsucht nach dem, was wir Gott, Vater und Mutter nennen.“
Zwischen den in die Stille gesprochenen Meditationen und Gebeten erklangen die liebe- und kraftvollen, fragenden, flehenden und felsenfesten Songs der Band Sternallee: „Ich ruh in Dir“, „Ich nehme dich beim Wort, „Wenn doch jetzt einer“, „Warum weinst Du?“ oder „Du hast in mir einen Traum geweckt“.
Mucksmäuschenstill wurde es während der kurzen Rituale: Bei einer innigen Selbstumarmung durfte man sich wie der verlorene Sohn „neu in der Liebe Gottes verankern“. Dann hieß es Schuhe ausziehen, um festen Stand zu haben, sich aufzurichten gen Himmel und Heiligen Boden zu spüren. Denn: „Seit Mose im brennenden Dornbusch Jahwe erkannte, ist jeder Boden heiliger Boden.“ Am Ende ließen sich die Teilnehmenden mit ausgebreiteten Armen „anfüllen mit dem, was ich brauche“.
Anja Legge