Predigten

Anleitung zum Beten?

Predigt von P. Maximilian Grund OSB am Sonntag der 17. Woche im Jahreskreis zu Lk 11,1-13

Liebe Schwestern und Brüder,

mit dem Beten ist das so eine Sache. Bei Wikipedia habe ich unter dem Stichwort "Gebet" gefunden: "Das Gebet ist eine zentrale Glaubenspraxis vieler Religionen. Es ist eine verbale oder nonverbale rituelle oder freie Zuwendung zu Gott." Diese Definition scheint vielleicht auf den ersten Blick recht banal und vielleicht fragen Sie sich, warum musste der Pater das denn jetzt bei Wikipedia nachschauen?

Tatsächlich könnten wir diese Aussage wohl alle unterschreiben, aber trifft Sie auch das, was unsere Glaubenspraxis tatsächlich ausmacht?

Wir Mönche sind jeden Tag mehrere Stunden in der Kirche und beten Psalmen oder wir beten im Rahmen der Heiligen Messe. Aber bin ich da immer ganz dabei? Wende ich mich da wirklich Gott zu? Oder gibt es da nicht auch immer wieder den Moment, wo ich nur aus Gewohnheit mit murmele, was der ganze Chor Tag ein, Tag aus runter betet? Und da fällt mir auf; vielleicht ist die Definition von Wikipedia doch nicht so gut, denn es fehlt etwas. Gebet ist nicht nur Hinwendung zu Gott, es ist auch die Zuwendung Gottes zu uns, die immer da ist. Auch, wenn ich nicht bei der Sache bin.

Oder wie ist das außerhalb des Klosters? Sicher ist das in den Familien zu Hause ganz unterschiedlich. Bei manchen wird täglich gebetet, vor und nach dem Essen, wenn die Kinder ins Bett gebracht werden oder wenn jemand das Haus verlässt und sich mit Weihwasser bekreuzigt. In anderen Familien wird zumindest noch das Tischgebet gesprochen, wenn auch das immer gleiche "Komm Herr Jesus sei unser Gast…". Und in manchen Familien wird außerhalb der Kirche vielleicht gar nicht gebetet, weil man sich schwer tut.

Gerade im öffentlichen Bereich, etwa in einem Restaurant – wie schwer tun wir uns oft mit dem Beten. Weil wir uns schämen, weil uns die Worte fehlen, weil wir keine Aufmerksamkeit auf uns ziehen wollen. In einer Gesellschaft, in der immer häufiger christliche Symbole im öffentlichen Raum fehlen und in der Christen überhaupt weniger werden, wird es auch immer schwerer seine Glaubenspraxis öffentlich zu zeigen. Wir lassen Sie außerhalb der eigenen vier Wände nicht sehen und stehen in der Gefahr sie irgendwann ganz zu vergessen.

Dabei ist es doch etwas elementar Wichtiges für unser Christsein, ja für unser Menschsein, wenn wir verstehen, dass wir nicht irgendein Zufallsprodukt der Natur sind, sonder von Gott geschaffen uns geliebt. Wenn wir uns dessen bewusst machen, muss uns klar sein, welches Geschenk es ist, mit unserem Schöpfer eine Beziehung haben zu dürfen, mit ihm in Verbindung sein zu können.

Und welche Qualität diese Beziehung zu Gott hat, muss Jesus wohl auch seinen Jüngern erklären, die sicher nicht ungeübt im Gebet waren. Sie sollen zu Gott Abba, Vater sagen. Nun gibt es ganz verschiedene Vaterbilder und nicht jeder kann mit dem Begriff Vater etwas Positives verbinden. Welches Vaterbild dem Evangelium zugrundeliegt können wir am Ende des Abschnitts nachlesen. Welcher Vater unter euch, den der Sohn um einen Fisch bittet, gibt ihm statt eines Fisches eine Schlange oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet? Oder an andere Stelle im Lukasevangelium, im Gleichnis vom barmherzigen Vater. Sie kennen es alle.

Das Gebet, welches Jesus seinen Jüngern lehrt, und von dem die Exegeten ausgehen, dass es tatsächlich Jesu ureigene Worte sind, kann auch uns eine Anleitung zum Beten sein. Denn es sind doch ganz schlichte Worte, die dennoch alles Wesentliche und alles Dimensionen göttlich-menschlicher Beziehung enthalten. Zuerst die Beziehung zu Gott "Vater, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme!" Dann die Beziehung Gottes zu uns Menschen "Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen!"

Und schließlich die Beziehung der Menschen untereinander. "erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist." Geistlich wie materiell, für Leib und Seele dürfen wir beten. Mit dem Vater unser haben wir doch ein Gebet, welches eigentlich in jeder Situation die christliche Glaubenspraxis auf den Punkt bringt – und das sogar von höchster Stelle approbiert. Damit können wir wahrlich nichts falsch machen.

Überhaupt kann man beim Beten eigentlich nichts falsch machen, das einzige wäre, es nicht zu machen. Denn Gebet ist Beziehung. Und jede Beziehung braucht Pflege. Ein Freund, den ich über Jahre nicht besuche oder anrufe, ist vielleicht immer noch mein Freund, aber ich merke es nicht mehr.

Ich möchte Sie ermutigen, pflegen Sie ihr Gebet, ihre Beziehung zu Gott und durch das Gebet auch zu ihren Mitmenschen. Sie können nicht falsch machen und es gibt keinen unpassenden Ort. Ich schließe mit einem kleinen Text über die Art des Betens, dessen Autor mir leider unbekannt ist, den ich Ihnen aber dennoch nicht vorenthalten möchte.

Wenn du betest, sei stumm oder mach viele Worte –
ganz wie du es willst.
Danke, preise, juble, frohlocke,
bitte, bettele, klage, flehe, weine, ringe, kämpfe.
Bete im Verborgenen oder so, dass andere es sehen,
bete im Kämmerlein oder in der Kirche,
auf dem Weg zur Arbeit, im Auto, beim Einkauf, in der Natur
Bete allein, zu zweit, in der Familie oder mit Freunden.
Bete in Ruhe, tiefer Sammlung oder hektisch und aufgeregt.
Bete kurz oder lang,
mit vorgegebenen Texten oder deinen eigenen Worten.
Bete froh, traurig, verwirrt, fließend oder stockend,
mit Händen und Füßen, Leib und Seele, Herz und Verstand.
Bete, wie du es willst und was du willst.
Bitte Gott oder danke ihm,
frage ihn oder mache ihn auf etwas aufmerksam,
staune über Gott oder entrüste dich über ihn,
klage ihn an oder bete ihn an,
aber gib ihm auch Gelegenheit, zu dir und mit dir zu reden.

Amen.

Sonntagsimpulse von P. Anselm Grün

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