Predigten

Das Kreuz meiner Ungesichertheit tragen

Predigt von P. Meinrad Dufner OSB am 33. Sonntag im Jahreskreis

 Als Erstes will ich unseren Blick auf die Dramaturgik im heutigen Evangelium lenken. Viele Menschen begleiten Jesus. Viele. Und er provoziert sie mit der Rede: „ Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater, Mutter, Frau, Kinder usw. gering achtet, - kann er nicht mein Jünger sein.“ –

Dann bringt er ein radikales Gegenbeispiel. Ein Unternehmer, der einen Turm bauen will, braucht ein gutes Eigenvermögen. Ein Heerführer muss mehr militärische Kraft haben als sein Gegner, sonst scheitert er. Und schließlich: die obige Provokation „Keiner von euch kann mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.“ oder „Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, kann nicht mein Jünger sein.“

Ich will den Text buchstabierend durchgehen:

Den Vater verlassen – heißt vielleicht, das Erbe, die wirtschaftliche Sicherheit, der wirtschaftlichen Sicherheit nicht trauen. Die Mutter verlassen – Heimat und Umsorgt Sein aufgeben Frau, Kinder, Geschwister lassen – dieses Beziehungsnetz kann mich nicht vollständig tragen. Mein eigenes Leben gering achten – meine Kraft, mein Vermögen an Gesundheit und Begabung, wissen, dass es nicht ausreicht. Nichts kann mich total absichern.

Daher bleibt nur: Das Kreuz meiner Ungesichertheit tragen. Nicht Jesu Kreuz, - mein Kreuz. Und das ist: meine persönliche Verwundung, mein Leiden am Leben und seiner Last, meine Gegensätze aushalten, meinen Spannungen und Fragen nicht ausweichen durch Verdrängungen oder Ausweichen.

Und jetzt bringt Jesus den Antivergleich: Ein Unternehmer muss sein Vermögen einschätzen, sonst scheitert das Vorhaben. Ein Heerführer muss seine Stärke einschätzen, sonst scheitert er.

Bleibt die Frage: Was ist mein Vermögen? Was ist meine Stärke? Jesus bietet an: ER will mein Vermögen, meine ganze Stärke sein. Das Kabel zu diesem Akku, zu dieser Ladestation wäre mein Vertrauen – mein Zutrauen zu IHM.

Die Kirchengeschichte hat aus diesem Evangelium eine asketische Einladung gemacht. Verzicht und Opfer, eine fromme Bedürfnislosigkeit, das wäre eine höhere Stufe der Frömmigkeit. Mein Klostereintritt sei der Schnitt solchen Loslassens. Das ist doch eine Lüge. Wie viel habe ich durch die Gütergemeinschaft an Möglichkeit gewonnen. Und wenn die Gemeinschaft gesund ist, was für ein starkes Beziehungsnetz. Mein Kloster ist doch mein Reichtum.

Der Satz vom „eigenen Kreuz tragen“ und dem „Mut zur Ungesichertheit“ ist eine Einladung zu ganz herzigem Vertrauen und Zutrauen auf Gottes Engagement für mich, nicht mein Engagement für ihn als fromme Leistung, auf Sein Engagement für mich, Sein Vermögen und Seine Kraft: „Alles vermag ich in dem, der mich stärkt.“ „Wenn ich schwach bin, bin ich stark in dem, der mich stärkt.“ „Hat er uns den Sohn gegeben, hat er uns alles gegeben.“ „Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns.“

Dass ich mit dem glaubenden Wissen „Gott weiß um mich!“ mein Lebenskreuz, was immer es sei, lebe, trage, gestalte ist keine fromme Anmutung, sondern vitale Lebenskraft in aller Gebrochenheit, ist ein Sprung, alles auf eine Karte zu setzen. Wer nicht seine letzte und eigentliche Lebenskompetenz auf IHN setzt – hat fraglich gerechnet. Wer seine letzte und eigentliche Lebenskompetenz in Gott festmacht, den baut Gott selbst zum Turm aus, den macht Gott selbst zum Stärkeren im Lebenskampf.

Jetzt weiß ich – in vielen Köpfen meiner Hörer melden sich die alltäglichen Gegenargumente, in meinem Herzen ist es ebenso. Ich schließe mit Humor und einem Satz meiner tapferen Tante Berta: „Ein ängstlicher Mensch ist selbst im Himmel nicht sicher.“

 

Sonntagsimpulse von P. Anselm Grün

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