Predigten

Das letzte Wort hat Jesus!

Predigt zu 1 Kor 15,1-11; LK 5, 1-11 – Predigt von Br. Pascal Herold OSB am 10. Februar in der Abteikirche Münsterschwarzach

„Der Mensch denkt und Gott lenkt!“ Dieses Wort, liebe Schwestern und Brüder, hören wir manchmal im Gesprächsverlauf von Leuten, die ihre Pläne korrigiert haben, vielleicht korrigieren mussten weil die Umstände es so wollten. Einer solchen Situation begegnen wir im heutigen Evangelium: Petrus und die Jünger haben mit der erfolglosen Nacht abgeschlossen – Schluss! Nichts gefangen. Doch Jesus nötigt Petrus nochmals hinauszufahren, dort, wo es im See am tiefsten ist. Jesus weiss es wohl besser! Petrus nimmt es hin.

Der Mensch denkt über vieles nach und macht seine Pläne, das letzte Wort aber hat der HERR“ (Spr 16,1), so die freiere Übersetzung dieses Verses aus dem Buch der Sprichwörter, analog zu unserem volkstümlichen Wort „Der Mensch denkt und Gott lenkt!“

Unser Glaube sieht das erste und das letzte Wort in Gottes und Jesu Mund. Es beginnt bereits mit der Schöpfungsgeschichte: „Gott sprach: es werde Licht“ (Gen 1,3) oder das Zeugnis aus dem Johannesprolog: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort“ (Joh 1,1) oder nach dem Johannesevangelium das letzte Wort des irdischen Jesus vor seiner Himmelfahrt an Petrus gerichtet: „Wenn ich will, dass er (Johannes) bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an? Du aber folge mir nach! (Joh 21,22). Dieses deutliche, letzte Wort des Auferstandenen fordert Petrus auf, seinem Meister endlich, zum wiederholten Mal, konsequent zu folgen. Das letzte Wort hat hier Jesus, dem Petrus nicht mehr entgehen und weglaufen kann.

Sich anderen Sichtweisen oder neu gewonnenen Einsichten zu beugen, ist kein Vergnügen, damit werden neue Tatsachen, neue Realitäten geschaffen, auf die ich mich einlassen muss. Und der Weg vom Eingeständnis bis zur Akzeptanz ist weit.

Wir sehen es beim Apostel Paulus, der gewaltsam aus der Spur eines Pharisäers und Christenverfolgers herausgerissen wurde und Jahre brauchte sich auf den neuen Weg im doppelten Sinne des Wortes einzulassen: Der neue Weg als sein, als paulinischer Glaubens- und Jüngerweg Jesu und der neue Weg als die junge Bewegung von Christen, die er ausrotten wollte. Schlagartig sieht sich Paulus auf der Einbahnstraße des eifernden Verfolgers lahm gelegt und hineingedrängt in die Einbahnstrasse des neuen Weges, in der die Begegnung mit Christus unausweichlich wird.

„Ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe“, so Paulus in der Lesung, vielmehr bekennt er sich jetzt als Missgeburt aus dem Erschrecken heraus, dem auferstandenen Herrn in die Hände gefallen zu sein. Er, der sonst das letzte Wort bei der Verfolgung hatte, bekennt sich kleinmütig zu seiner Vergangenheit und seinem Sinneswandel: „durch Gottes Gnade bin ich was ich bin; sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben.“

Wie Paulus ist auch Petrus im heutigen Evangelium irritiert und schockiert über die Widersprüchlichkeit, die er als Fischer erlebt. Nichts will ins Netz. Ein anderer verfügt über den reichen Fischfang und bescheinigt ihm hiermit seine erfolglose Arbeit.

Die Worte Jesu maßen sich nicht an als letztes und „das alles entscheidende Wort“. Sie hören sich recht allgemein an: „Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus!“ Sie klingen wie wenn Jesus nicht wüsste, dass sie dort schon gefischt haben aber Petrus Jesu‘ Wort stehen lässt. Was folgt ist die überraschende Wende dieser scheinbar erfolglosen Nacht.

Die Jünger reagieren erschrocken, ja sie sind außer sich. Wie Paulus sich als Missgeburt bekennt, tut dies Petrus mit den Worten: „Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder.“ Er geht auf weite Distanz da er Jesus nicht das Wasser reichen kann und sein Einspruch ihm gegenüber im Ohr noch nachhallt: „Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet!“ Und jetzt dieser sensationeller Erfolg!

„Sein gnädiges Handeln an mir blieb nicht ohne Wirkung“, bekennt Paulus in der Lesung. Das gnädige Handeln Jesu bleibt bei Petrus ebenfalls nicht ohne Wirkung, er solle Menschenfischer  werden. Was das bedeutet erschließt sich für Petrus viel später. Er ist augenblicklich mit seiner Hilflosigkeit konfrontiert und dem Empfinden Versager zu sein. „Herr, geh weg von mir!“ Doch Jesus geht gar nicht darauf ein und hält ihm entgegen: „Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen!“

Die Tatsache an sich ist so eindeutig: der überreiche Fischfang ist nicht Petrus‘ Leistung. Seine Selbsterkenntnis geht noch weiter: versagt zu haben, ja gar sündig geworden zu sein. Jesu‘ wenige Worte lösen eine heftige Erschütterung aus, die an Petrus` Herz und Verstand nagen und sie in einem ganz anderen Licht erhellen, dass Gott Großes vom Menschen hält und ihm viel zutraut, wenn der Mensch Gott das letzte Wort überlässt und damit ein letztes Vertrauen. Der Mensch erkennt sich als Sünder wo er über Gottes Wort hinweghört obwohl es klar und deutlich im Raum steht.

Wir können selten Gottes gnädiges Handeln als gnädig erkennen wenn es um Änderungen in unserer Lebensführung und -einstellung geht; wir können genauso wenig wie Petrus Jesus direkt folgen obwohl wir seinen Ruf dazu schon x-Male gehört haben. Ist das ein gnädiges Handeln wenn es um den Zusammenbruch meines Lebenshauses, meiner Lebenseinstellung und Lebensträume geht? Zerstört das Eingreifen nicht eine Existenz? Und was liegt darunter unter diesem Kollaps meines Lebenstraumes?

In einer seiner morgendlichen Gottesdienstansprachen in Santa Marta sagte Papst Franziskus (12.5.2014): „Wenn der Herr uns den Weg zeigt, wer sind wir dann, dass wir sagen könnten: Nein, Herr, nicht da entlang, das ist nicht vernünftig? Nein, wir machen das so! Und Petrus trifft in seinem ersten Bistum, Antiochien, diese Entscheidung: Wer bin ich denn, dass ich Hindernisse aufbauen dürfte?“ Auch heute leitet der Herr, so Papst Franziskus in seiner Deutung, seine Kirche und manövriert sie immer wieder in neue, ungewohnte, überraschende Situationen hinein.

Unsere Wege sind mit Gott nicht verhandelbar, sie führen uns bisweilen auf zumutende, enttäuschende und überraschende Pfade, weit hinaus, wo der Pfad vor den Füßen ist und scheinbar nah und dennoch wegführend. Wenn der Herr es will bleibt er am Menschen dran, wie er an Paulus, Petrus und alle Anhänger des neuen Weges dran geblieben ist, seit Jahrtausenden, so auch an uns – an dir und mir! Vielleicht spricht er dabei sehr konkret, so wie er bei Petrus konkret geworden ist: „Wenn ich will, dass er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an? Du aber folge mir nach!“ Amen.

Von Br. Pascal Herold

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