Predigten

Die zerbeulte Kirche

Predigt zu Lk 9, 28b-36 – Predigt von P. Meinrad Dufner OSB am 2. Fastensonntag in der Abteikirche Münsterschwarzach

Abraham erlebt im Zelt eine Gotteswiderfahrnis. Für die entscheidende Mitteilung – so hieß es eben in der Lesung – „führte ihn Gott hinaus ins Freie“. Das Evangelium erzählte: „Jesus nahm Petrus, Johannes und Jakobus beiseite und stieg mit ihnen auf einen Berg.“ Über diese zwei Randbemerkungen will ich zu Ihnen sprechen.

Von Reisen, vom Urlaub kennen wir ein wenig die Wichtigkeit des anderen Ortes. Wie war ich auf dem Berggipfel oder am Meeresstrand oder in einem exotischen Ausland offen und berührbar! Ich war befreit von vertrauten Gewohnheiten, so war ich ungeschützter für neue Erfahrung.

Die Bibel kennt an entscheidenden Momenten mehrmals den Ortswechsel, als Türöffner in ein besonderes Ereignis: Moses wird über die Steppe hinausgelockt, da draußen brennt Ihm der Dornbusch. David wird abseits zum König gesalbt. Jesus ist vor seiner öffentlichen Predigt in der Wüste. Den verstörten Jüngern wird am leeren Jesusgrab gesagt: „Geht wieder heim nach Galiläa. Dort werdet ihr Ihn sehen.“ Und Paulus musste sich in ein neues Leben hinüberführen lassen.

Auch unsere Lebenswege kennen derlei Vorgänge: Von der Kindheit in die Pubertät war ein Auszug. Ausbildung und Beruf haben uns vom Elternhaus hinaus gerufen. Arbeitsplatzmobilität, oder gar Krieg, Vertreibung, Flucht jagen Menschen hinaus und fort.

Innere Ortsveränderungen entstanden aber auch im Denken und Fühlen. Wir nahmen neue Standpunkte ein, gewannen neue Einsichten, bekamen andere Ansichten. Und nochmal anders versetzen uns Krankheit, Schicksalsschläge, aber auch eine neue Liebe und dann auch das Alter nach draußen, in unbekanntes Neuland.

Schließlich kann es mit meinem religiösen Leben nicht anders geschehen. Die Kirche, als „Haus voll Glorie“ ist sie nicht mehr zu schauen. Sie ist zerbeult, mancherorts eine Ruine, ein schadhaftes Haus vom Keller bis zum Dach, durch alle Räume. 

Könnte es sein, dass die heutige Situation der Kirche, die jetzige Generalbefragung des Christlichen angesichts der heutigen Weltsituation wieder die Stimme ist, die sagt: „Komm heraus“? Ist es wieder Jesus, der uns etwas Besonderes zeigen will? Ja!  Er will Seine – wohlgemerkt Seine Verklärung uns erfahren lassen. Schluss mit der Verklärung von Kirchenstrukturen. „Lernt von mir, demütig bin ich und sanft von Herzen.“

Es ist ein Ende, dass die Menschen zur Kirche gehen müssen. Jetzt will begonnen sein – auf allen Ebenen -, dass die Kirche zu den Menschen geht. Aber nicht als die Vorzeigedame oder Oberlehrerin, sondern so, wie ein Mensch, den die eigene Gebrechlichkeit und Geschichte milder und barmherziger den anderen gegenüber gemacht hat. Wer so viel vom Leben weiß, wie die Kirche, sollte wie ein alter Mensch nicht behauptend herrschen wollen, sondern hörend, den Fragen Raum geben, das Suchen der anderen würdigen, und die eigene Fragwürdigkeit aushalten.

Warum?

Weil uns auf dem Tabor Jesus gezeigt ist als der, mit dem Mose (die Gottesgerechtigkeit) und Elija (die Gottesverheißung) im Gespräch sind. Das aber wurde uns gezeigt, damit wir an Jesu Golgotha und auch an der „Kirchenkreuzigung“ und auch nicht am Kreuzberg des eigenen Lebens verzweifeln.

Wenn ich auferstanden sein werde – dann habt ihr die Bestätigung von Tabor, - dann redet davon, sagt Jesus. Dann lebt mit der Zusage und der Lichterfahrung und vergesst sie bei keinem neuen Kreuzweg. Manchmal, eher selten – führt uns der Herr zur Taborstunde, der jetzige Weg ist ein Hinabweg in die jetzige Wirklichkeit, und die führt erst auf Golgotha – alles und alle: die Kirche, die Welt, mich, jeden.

Wir haben aber im Glauben und in den Glaubenszeugnissen der Jahrhunderte von der Auferstehung gehört. Paulus sagt sogar: Ich weiß.  So endet er seine Briefe an mehreren Stellen: „Dann, meine Lieben, meine Freude und mein Ehrenkranz, steht fest in der Gemeinschaft mit dem Herrn“, dem Lebendigen. Ich weiß.

Sonntagsimpulse von P. Anselm Grün

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