Predigten

Glaube an Jesus entscheidend

Predigt von Pater Dominikus Trautner OSB in der Abteikirche Münsterschwarzach am Sonntag, 29. Mai 2016, 9. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C, LK 7,1-10

Liebe Brüder und Schwestern!

Worte haben eine unglaubliche Macht. Im Alltag merken wir es immer wieder, wie nur ganz wenige Worte uns berühren und verändern. Es gibt Worte, die uns aufrichten und ermutigen: „Ich bin da für dich, hab Mut und Vertrauen, ich wünsche dir viel Kraft, oder gar ich liebe dich“. Es gibt Worte, die eine Beziehung wieder in Harmonie bringen: „Es tut mir leid, ich bitte dich um Verzeihung“.  Es gibt also Worte, die heilen und gesund machen, aber es gibt auch Worte, die verletzen und zerstören, und leider ist es so, dass oft negative Worte in uns länger haften und nachwirken, als gute Worte.

Der Hauptmann von Kafarnaum, der uns heute im Evangelium vor Augen gestellt wird, vertraut auf ein Wort Jesu, weil er weiß: seine Worte sind absolut glaubwürdig, auf diese Worte kann man sich verlassen.

In dieser idealisierten Figur des heidnischen Hauptmanns gibt uns der Evangelist ein Lehrbeispiel wie man glauben und vertrauen soll. Und tatsächlich ist nicht einmal die Heilung des kranken Knechtes die Hauptaussage der Erzählung, sondern die Sinnspitze liegt auf dem unbeschreiblich tiefen und festen Vertrauen, das der heidnische Hauptmann auf Jesus setzt. Der Glaube des Hauptmanns ist so wunderbar, dass ihn sogar Jesus bestaunt.

Das musste natürlich die Pharisäer und Juden beschämen. Ausgerechnet von einem Heiden, von einem Fremden, der gar nicht dazu gehört, sollten sie lernen wie man glaubt und vertraut. Nicht die Zugehörigkeit zu Israel ist also entscheidend, sondern der Glaube an Jesus. Das ist auch für unsere heutige Situation höchst aktuell. Waren doch die früheren Jahrzehnte und Jahrhunderte stark geprägt von Abgrenzung und Ausgrenzung, so lernen wir heute neu mit Menschen, die nicht glauben oder einer anderen Religion angehören, in Frieden und Respekt zusammenzuleben.

Betrachten wir uns die Person des heidnischen Mannes ein wenig näher. Er wird charakterisiert als ein einfühlsamer Vorgesetzter, er hat Mitleid mit seinem kranken Knecht, er ist fürsorglich. Darüber hinaus ist er wohltätig, er ist ein Sponsor, er baut den Juden ein Synagoge, kein Wunder, dass er den Juden sympathisch ist. Und er ist vor allem bescheiden und demütig. Kurz gesagt: Er hat alle Eigenschaften, die wir als Christen haben sollten.

Der Hauptmann ist so demütig, dass er es nicht einmal selbst wagt, zu Jesus zu gehen, sondern er schickt Freunde hin, um Jesus um seine Hilfe zu bitten. Wir kennen diese Worte, die in etwas abgewandelter Form Eingang gefunden haben in die Liturgie, wenn wir vor dem Empfang der Hl. Kommunion sprechen: „Herr ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, und meine Seele wird gesund“. Dieses „nicht würdig sein“ dürfen wir nicht verstehen als eine falsche Demut oder als eine Selbsterniedrigung und Geringschätzung der eigenen Würde und Person. Der Empfang der Kommunion ist der Eingang des göttlichen Lebens in unsere Seele. Es ist die mystische Begegnung mit Gott selbst und seiner unendlichen und absoluten Liebe. Es ist die göttliche Liebe, die stets größer ist als unsere unvollkommene menschliche Liebe.

Wie lernt man diesen Glauben, der uns heute so beispielhaft dargestellt wird? Ich höre immer wieder Menschen, die klagen: „Ich kann nicht mehr glauben, wie geht das? Ja, vielleicht haben sie verlernt oder vergessen, zu beten.

Luther, sagt einmal: „Wer nicht mehr betet, wird bald seinen Glauben verlieren“.

Das Gebet ist nichts anderes als die Erhebung unseres Herzens zu Gott, das Gespräch mit Gott und die innere Beziehung zu ihm.

Dabei ergeht es uns doch so wie in den menschlichen Beziehungen; wenn wir nicht mehr miteinander sprechen, wird die Beziehung kalt und leer, ja wir werden einander fremd. Deshalb braucht dieses Beziehung zu Gott das beständige Suchen, und Gott selbst sagt uns: "Solange ihr mich sucht, werdet ihr mich finden“, braucht diese Beziehung die ausdauernde Übung und das beständige sich Bemühen und Ringen trotz aller Zweifel und Enttäuschungen.

Natürlich können wir Gott durch unsere Gebete nicht zwingen, unsere Wünsche zu erfüllen, sondern wir sollen so vertrauen und bitten, wie Jesus es uns selbst gelehrt hat: "Dein Wille geschehe". Das Vertrauen, das uns das heutige Beispiel lehren will, bedeutet nicht, dass wir passiv die Hände in den Schoß legen und sagen, Gott wird es schon richten. Nein, dieses Vertrauen heißt, dass wir Verantwortung übernehmen, uns einsetzen nach allen Kräften und Möglichkeiten und dennoch und zusätzlich auf Gott vertrauen und bauen im Wissen darum, dass wir begrenzt und unzulänglich sind. Deshalb beten wir in den Psalmen (118 u.90) „Herr gib Gelingen“ „lass gedeihen unserer Hände Werk.“

Und letztlich geht es um ein Vertrauen, wo wir uns in einer ausweglosen Situation, in einer unheilbaren Krankheit oder angesichts des nahen Todes nur noch in die liebenden Arme Gottes fallen lassen können und darin aufgehoben und geborgen werden.

Lassen wir uns von der folgenden Geschichte ermutigen:

Eines Nachts brach in einem Haus ein Brand aus. Während die Flammen hervor schießen, stürzen Eltern und Kinder aus dem Haus. Entsetzt sehen sie dem Schauspiel dieses Brandes zu. Plötzlich bemerken sie, dass der Jüngste fehlt, ein fünfjähriger Junge, der sich im Augenblick der Flucht vor Rauch und Flammen fürchtete und in den oberen Stock kletterte. Einer schaute den anderen an. Keine Möglichkeit, sich in etwas hineinzuwagen, das immer mehr zu einem Glutofen wird. Da öffnet sich oben ein Fenster. Das Kind ruft um Hilfe. Sein Vater sieht es und schreit ihm zu: "Spring!" Das Kind sieht nur Rauch und Flammen. Es hört aber die Stimme des Vaters und antwortet: "Vater, ich sehe dich nicht." Und der Vater ruft ihm zu: "Aber ich sehe dich, und das genügt, spring!" Das Kind sprang und fand sich heil und gesund in den Armen seines Vaters, der es aufgefangen hatte.

(aus: L-J. Suenens, Täglich christlich leben, Salzburg 1963)

Pater Dominikus Trautner 

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