Predigten

Karfreitag und Karsamstag sind nicht das Ende!

Predigt von Abt Michael Reepen OSB in der Osternacht 2020 in der Abteikirche von Münsterschwarzach

Liebe Mitbrüder hier in der Abteikirche, liebe Schwestern und Brüder – wo immer sie auch mit uns verbunden sind,

wie hätten wir Ostern verschieben können? Wie hätten wir diese Osterkerze nicht entzünden können, gerade jetzt mitten in der Krise?

Ist nicht diese Osterkerze und der Weg, den wir in dieser Woche gegangen sind eine unheimliche Ermutigung und Zuversicht? Wir alle haben uns in diesen Tagen den notwendigen Beschränkungen zu stellen, mit all den noch unabsehbaren Folgen, der Ungewissheit und der Not, der Krankheit und auch dem Tod. Ja, bei allem Bemühen müssen wir zugeben, wir haben die Lage nicht im Griff.

Und genau in diesen Tagen feiern wirJesu Leiden, Sterben und die Auferstehung. Wo uns das vor Augen geführt wird, was wir gerade erleben. Jesus befand sich in der gleichen Situation, in der wir uns befinden und auch er hatte die Lage nicht mehr im Griff, er musste kapitulieren und konnte nur noch sagen: Vater, in Deine Hände befehle ich meinen Geist.

Aber dieses Licht in der Mitte der Nacht, die Botschaft dieser Nacht, der unaufhörliche Gesang dieser Nacht verkündet uns, dass Karfreitag und Karsamstag nicht das Ende sind! Dass aus dem Tod neues Leben wächst. Dass aus der Krise eine neue Chance ersteht. Dass nach dem Winter der Frühling aufbricht. Dass die Nacht hell wird wie der Tag – und die Ostersonne aufgeht.

Man kann den Weg mit Jesus nicht durch Leiden, Sterben und Auferstehen gehen und alles bleibt beim Alten. Auch Jesus war nach seinem Tod ein Anderer. Maria von Magdala meinte erst, es sei der Gärtner, auch die zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus erkannten ihn erst beim Brotbrechen, und die anderen meinten, es sei ein Geist, oder erkannten ihn erst, als er ihnen seine Hände und seine Seite zeigte.

Die Jüngerinnen und Jünger brauchen Zeit, um den Auferstandenen zu erkennen, sie brauchen Zeit das Neue zu erkennen, sich von der Botschaft des Neuen erfassen und packen zu lassen. Verwandlung braucht Zeit, eine Zeit, in der wir meist nicht wissen, wie uns geschieht, in der wir manchmal wie gelähmt sind, eine Ahnung habe, schon sehen, aber noch nicht kapieren und nicht wissen was wir tun sollen.

Die Jüngerinnen und Jünger brauchten 50 Tage, bis die Botschaft wirklich greift, bis sie aus der Trauer und Angst herauskommen, bis sie wie wieder klar sehen. Dann aber sind sie Feuer und Flamme, stecken die ganze Welt mit der Botschaft des Auferstandenen an.

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Mitbrüder,

wir alle werden nach der Krise andere sein, wir werden als andere daraus hervorgehen. Sie verwandelt uns und wird fruchtbar, wenn wir uns die Krise zu Herzen gehen lassen, wenn wir uns den inneren Fragen stellen, die sie hervorruft, wenn wir nach innen horchen. Unser Land und die Welt wird eine andere sein und auch die Kirche und unser Kloster.

Wir brauchen noch Zeit wie die Jüngerinnen und Jünger Jesu, um zu verstehen, was da gerade geschieht und geschehen ist. Wir müssen hinhören. Hoffnung gibt uns die Osterkerze. Sie leuchtet und brennt in unserer Mitte. Auch wenn wir sie noch mit Tränen in unseren Augen ansehen. Auch wenn uns, wie den Frauen am Grab, noch die Angst und der Schrecken in den Knochen steckt. Es ist nicht sofort alles "Alleluja", es braucht Zeit bis es in uns eindringt, es leise aufsteigt und wir es singen gegen alles "aber", und "wie schlimm", und "geht nicht" und "man sollte", und "warum" – diese Sätze können wir im Grab lassen, das ist von Gestern.

Die drei Frauen am Grab sind uns sehr nahe. Über sie ist mit Jesu Tod die Katastrophe herein gebrochen. Aber typisch, sie lassen nicht locker. Sie gehen in der Morgenfrühe hin zum Grab – als eben die Sonne aufging. Und von wegen Grabesruhe! – Erdbeben, Wächter fallen um und dann Botschaft des Engels: Fürchtet euch nicht - er ist nicht hier – er ist auferstanden – geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden.

Und die Frauen bleiben nicht am Grab hängen. Sie bleiben nicht in ihrer Trauer stecken, sie pflegen nicht ihre Verletzungen und Verwundungen, sie bleiben nicht in der Krise: Sogleich verlassen sie das Gab und eilen voll Furcht und großer Freude zu den Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden. Sie folgen der Intuition des neuen Lebens zu einer neuen Form von Lebendigkeit. Ach, was können wir lernen von diesen Frauen!

Wer horcht und sich bewegt und nicht am Grab hängen bleibt – dem begegnet der Auferstandene auf dem Weg: Die Frauen werfen sich vor ihm nieder und umfassen seine Füße: "Fürchtet euch nicht geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen."

Und wieder bleiben die Frauen nicht an den Füßen Jesu hängen, sie lassen ihn los und gehen weiter zu den Jüngern, gehen in ihr Umfeld, um dort den Auferstandenen zu verkünden und zu entdecken.

Liebe Schwestern und Brüder,

auch wir dürfen nicht im Alten hängen bleiben – auch wir sollen mit dem Auferstandenen neu und verwandelt werden und Zeuginnen und Zeugen werden!

Wie gut, dass ich dabei nicht alleine bin, am Anfang waren es drei Frauen, die die Botschaft weitersagten. Und es wurden immer mehr. Heute sind wir es, die die Botschaft des Auferstandenen in die Welt, wie sie sich heute zeigt tragen sollen.

Deshalb wollen wir jetzt unsere Taufgelübde erneuern. Die Taufe ist es, die uns mit dem Auferstandenen und untereinander verbindet. Wir werden erst das Osterwasser segnen und dann unser Taufversprechen erneuern.

Sonntagsimpulse von P. Anselm Grün

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