Predigten

Die Kraft seiner Auferstehung will ich erkennen

Predigt von P. Fidelis Ruppert OSB am Ostersonntag in der Abteikirche Münsterschwarzach.

Liebe Schwestern und Brüder

– hier bei uns und wo immer Sie per Internet mit uns verbunden sind!

Die Osterbotschaft klingt kurz und bündig: ER ist auferstanden! Der Tote lebt! Mehr Worte braucht es nicht. So einfach ist diese Botschaft.

Aber: kann man das auch so einfach glauben? Muss man das einfach so glauben? Schon in der Bibel lesen wir, dass es angezweifelt wurde. Die Pharisäer geben den Wachsoldaten Geld, damit sie sagen, der Leichnam Jesu sei gestohlen worden. Und seither gehen die Debatten dagegen und dafür. Mit den Schriften zu diesem Thema ließe sich locker eine kleine Bibliothek füllen.

Und was machen wir jetzt mit dieser Botschaft? Statt zu fragen: Kann man das glauben? können wir auch fragen: Auferstehung: Kann man da etwas spüren, etwas erfahren – ganz persönlich?

Die Botschaft allein bewegt noch nichts. Als die Apostel die Botschaft von den Frauen hören, meinen sie, das sei halt Geschwätz. Es bewegt sich nichts. Und im heutigen Evangelium besichtigt Petrus das leere Grab und zeigt überhaupt keine Reaktion. Johannes sieht und glaubt, aber anschließend heißt es lakonisch: "Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück" – das klingt so, als ob eben nichts geschehen wäre.

Und in den Evangelien lesen wir mehrmals, dass sich die Jünger aus Angst nur hinter verschlossenen Türen versammelten. Irgendwie haben sie wohl allmählich geglaubt, dem Engel, den Frauen, den Emmaus-Jüngern.

Aber bewirkt hat das alles nichts, sie haben einfach Angst – die Auferstehung war nur eine Botschaft, ohne innere Wirkung. Man kann die Botschaft hören und sogar an sie glauben, aber es geschieht nichts, es zündet nichts. Die Türe bleibt zu.

Ganz anders Maria Magdalena. Anfangs hatte sie den Auferstandenen gar nicht erkannt. Aber als er sie mit Namen ansprach „Maria!“, da fuhr ihr die Botschaft ins Herz. Das war nicht nur eine Nachricht, da hat es gefunkt! Und dann war Maria Magdalena nicht mehr zu bremsen – für den Rest ihres Lebens.

Ähnlich bei Thomas, der zunächst den Glauben verweigert hat. Er darf den Auferstandenen anfassen, und er spürt ihn und es fährt ihm ins Herz und wirft ihn auf die Knie, dass er nur noch sagen kann: Mein Herr und mein Gott! Es waren nicht die Worte, es war die Berührung, das Berührt-Werden.

Als ich in Ägypten war, sagte mir ein Mönch: "Die Bibel ist nur ein Buch, ein totes Buch, vollgeschrieben mit Wörtern. Erst wenn diese Worte bei einem Menschen zünden, wird die Bibel lebendig und spendet Leben."

Das passt zu dem, was Paulus im Brief an die Philipper sagt: "Ich möchte Chris tus erkennen und die Kraft seiner Auferstehung". Nicht die Botschaft der Auferstehung, sondern die Kraft der Auferstehung will er erfahren, ihre Lebendigkeit, ihre Lebenskraft. Und er hat sie erfahren und kann deshalb sagen: "Nicht mehr ich lebe, Christus lebt in mir."

Ein syrischer Mönchsvater bringt diese Erfahrung auf den Punkt mit den Worten: "Die Auferstehung geschieht in deinem Innern: Sei lebendig in Gott!"

In der Lesung hieß es vorhin: "Unser Leben ist mit Christus verborgen in Gott." Aus dieser inneren Verborgenheit in Gott, dieser Intimität mit Gott kann die Kraft der Auferstehung nach außen durchbrechen.

Solche Durchbruchserfahrungen gibt es oft in Extremsituationen:

Ein Widerstandskämpfer im Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944, durfte kurz vor der Hinrichtung in Berlin-Plötzensee das Abendmahl empfangen. Dann schreibt er in einem Abschiedsbrief, er fühle sich seither "in einer fast unheimlichen Erhobenheit, ich möchte es eigentlich Christus-Nähe nennen"; heißt er spürt eine kaum fassbare innere Ergriffenheit, und nennt es "eine Christus-Nähe", man könnte auch sagen: er spürt die Kraft des Auferstandenen ganz nahe in seinem Herzen, und das in unmittelbarer Nähe eines grausamen Todes.

Wir können auch an ein Beispiel aus unserer eigenen Lokaltradition erinnern. Ostern 1944, die Abtei aufgehoben, aber eine kleine Gruppe von Brüdern feiert hier mit Leuten aus der Umgebung und einer Jugendgruppe aus Würzburg die heiligen Tage. Frater Willigis, ein Novize von St. Ottilien, damals junger Soldat, war wie zufällig während der Heiligen Woche hier in Münsterschwarzach, und beschreibt in einem Brief, wie er diese Liturgie erlebt hat. Trotz der katastrophalen Kriegssituation begeisterte Osterfreude. Und selbst die langen Gottesdienste reichten ihnen noch nicht, um die Osterfreude auszudrücken. Nach der Feier der Osternacht heißt es:

"Nach dem Auszug beeilten wir uns mit dem Ablegen der liturgischen Gewänder, gingen nochmals ins Schiff hinaus, stellten uns an der Kommunionbank auf und sangen im Jubel unserer Herzen. Wer die Lieder kannte, stimmte froh mit ein: Christ ist erstanden…. Gelobt sei Gott im höchsten Thron… Dein Lob, Herr, ruft der Himmel aus! so klang es sieghaft und jauchzend aus den jungen Kehlen. Mit dem neunmaligen Alleluja der Ostervesper beschlossen wir diese wahrhaft selige Nacht." Und nach der Beschreibung des Hochamtes am Ostermorgen heißt es: "Nach dem Auszug sangen wir wieder von der Kommunionbank aus – wie auch schon in der Nacht."

Ja, das war eine Szene mitten im Krieg, mit all den Ungewissheiten, mit den fürchterlichen Nachrichten aus den Bombennächten und von allen Fronten in Ost und West. Und da mitten drin erklang also dieser Osterjubel, hier, in dieser Kirche, dort unten, in der Mitte der Kirche. Die Kraft der Auferstehung in den Herzen dieser jungen Menschen drängte nach außen, im Singen und Singen und Jubilieren.

Vielleicht glaubt man die Auferstehung erst so richtig, wenn man sie singt. Aber da unten wo diese jungen Leute standen, ist heute – wegen einer anderen weltweiten Krise – gähnende Leere, da steht niemand und singt.

Das könnte traurig stimmen. Wir können uns aber auch – wie unsere Brüder und die jungen Leute damals – trotz gegenwärtiger Krise, von der Erfahrung der Auferstehung entzünden lassen. Und wenn man bedenkt, wie viele Menschen jetzt übers Internet mit uns verbunden sind, auch viele junge Menschen, weit mehr als dort unten bei der Kommunionbank Platz hätten, dann kann uns ja so richtig das Herz aufgehen. Wir sind sooo viele!

Und warum sollen wir dann nicht alle miteinander – alle, die das sehen und hören – den Osterjubel gemeinsam ausdrücken und alle zusammen singen:

Halleluja, Halleluja, Halleluja.

Danket dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig.

Halleluja, Halleluja, Halleluja.

Amen.

Sonntagsimpulse von P. Anselm Grün

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