Predigt zum Osterfest 2026

Kol 3,1-4; Joh 20,1-18
Liebe Schwestern und Brüder
Wir wissen nichts vom Durchgang, den wir Tod nennen. Und ebenso wenig, ja noch weniger wissen wir, was, wie und in welcher Weise das Danach sein könnte, da auch dieses ohne Erfahrung ist. Was am Karfreitag geschah, war Tod – der Tod Jesu.
Aber Paulus, dessen Leben von einer umwerfenden Jesusbegegnung ganz und gar verwandelt wurde, sagte uns eben in der Lesung: „Ihr seid mit Christus auferweckt. Euer Leben ist mit Christus in Gott verborgen.“
Mein Leben in Gott verborgen, in Gott geborgen, also an allen Ecken und Enden Gottvoll – ach, nehme ich einfach das so starke andere Bild der Bibel: Ich bin in Seine Hand geschrieben, ER hat meinen Namen in seine Hand geschrieben.
Wie Maria Magdalena aus dem Tonfall, in dem er sie mit Namen ansprach, den gestorbenen Jesus lebendig erlebte, so bin auch ich, so ist jeder Mensch von Gott gerufen, in seinem Wesen verborgen: „Euer Leben ist mit Christus in Gott verborgen.“ „Also richtet euren Sinn auf das Himmlische, nicht auf das Irdische.“ – So wie man von dorther, wo man sich geliebt weiß, getragen, gewusst, geschützt, aufgehoben weiß.
Was kann das heißen?
Ich erlaube mir den Osterblick: Wie geschieht das? Im Alltag….
- „Ich suche nicht. Ich finde.“ Nicht unbedingt das, was ich suchte, aber ich finde – und wie ich handelnd damit umgehe, sucht mich das Gefundene.
- Ein Anderes. Ich traue dem Tunnelblick, dem Lichtpunkt am Ende eines Ganges. Das Ziel im Auge, wohin es schaut, dorthin zieht es mein ganzes Wesen. Ich richte meinen ganzen Sinn – unwissend, aber ganz - auf das, was Gott von mir und für mich weiß. In diesem Wissen und Wollen ist mein Nichtwissen und auch mein Noch-nicht-Wollen aufgehoben. Mein suchendes Unwissen bringt mich in Erfahrungen, die ich nie gesucht hätte, die Umwege – auch Irrwege – erhöhen die Ortskenntnis.
- Diese überdimensionale Behauptung lebe ich in den kleinen Münzen des Alltags, zum Beispiel: Jetzt will ich gerade dies oder jenes, bin ganz darauf hin gerichtet, aber es kommt etwas oder jemand dazwischen – und alles ist anders. In meinem jetzt dazu Einverstandensein beginnt es sich zu fügen, mach es mich gefügig, weicher und unverletzlicher. Ein Anderes. Ich komme mit meinem Können oder Wissen oder Vermögen an ein Ende, aber – Gott weiß um mich und für mich. In seinem Blick der Zuwendung ist Ausweg, er weiß, er vermag. Dieser Blick der Liebe, wie er auch sei, wird meine Schwäche in die Berührung seiner Gegenwart wandeln.
Von Kindsbeinen an habe ich den Satz gehört: „Kann sein, was will im Leben: Ihr wisst, wo ihr daheim seid.“
Das ist der Osterblick.
Jetzt bin ich bei der Redeweise, die wir beim Tod eines Menschen verwenden:
Die Einen sagen: „Er/Sie ist von uns gegangen.“
Andere reden davon: „Er/Sie ist heimgegangen.“
Das letztere ist der „Osterblick.“
„Euer Leben ist mit Christus in Gott verborgen, geborgen, daheim.“
Wohin sonst soll ich fallen. Nichts ist außerhalb der Reichweite Gottes. Und ich halte eigene Bosheit, und Bosheit der Welt in diese Lauge aus Licht, ins Erbarmen, in die Osterkraft.
Entschuldigen Sie: Ich kann es nicht naiver, nicht unbeholfener, nicht einfältiger sagen: Glauben ist für mich dieser immer konkreter werdende Osterblick: Es ist ein Überlicht, das mich erblinden lässt, vor was alles man „Angst haben muss.“
Amen.


