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Predigten

Predigt zum Benediktsfest 2026

Altar mit Steinfigur des heiligen Benedikts

Liebe Gäste, 
liebe Oblatinnen und Oblaten, 
liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Mitbrüder, liebe Schwestern und Brüder

Die meisten von Ihnen sind wohl heute Morgen durchs Torhaus auf das Abteigelände gekommen. Da wurden Sie schon begrüßt mit dem Wort „PAX“, das über dem Torhaus auf dem kleinen Balkon steht.

Viele Benediktinerklöster in aller Welt begrüßen Ihre Gäste mit diesem PAX am Eingang des Klosters. Denn ein benediktinisches Kloster soll ein Ort des Friedens sein!

So versteht es der heilige Benedikt in seiner Regel, nach der wir Mönche leben. Unser Alltag ist ein dauerndes Einüben in diesen Frieden. Aber Frieden ist kein Besitz, sondern muss immer wieder erarbeitet werden. Das kann mühsam sein. Man muss Frieden lernen.

Im Vorwort seiner Regel schreibt der hl. Benedikt: „Willst du wahres und unvergängliches Leben, bewahre deine Zunge vor Bösem und deine Lippen vor falscher Rede! Meide das Böse und tu das Gute; suche den Frieden und jage ihm nach!“ (RB Prol. 17).

Eigentlich ist es so einfach.
Bewahre deine Zunge vor dem Bösen:
Zieh nicht über den anderen Menschen her,
verletz den anderen nicht mit deinen Worten,
mache ihn nicht schlecht,
bewahre deine Lippen vor falscher Rede,
heuchle nicht, 
lüge nicht! 
Auch wenn lügen heute so modern zu sein scheint. 
Vermeide einfach das Böse und tu stattdessen das Gute.

Es soll zu unserem innersten Wunsch werden, den Frieden zu suchen, ihn mit Eifer anzustreben, ja, ihm nachzujagen.

Benedikt warnt auch davor, unaufrichtig Frieden zu schließen! (vgl. RB 4,25). Man soll nicht ein schönes Gesicht machen, nett reden und das Messer unter dem Skapulier haben.

Es geht nicht darum, Konflikte unter den Teppich zu kehren, sondern Benedikt will, dass wir die Themen auf den Tisch legen, dass wir offen und mutig sie benennen und darüber sprechen.

Darum ist die Kommunikation so ein entscheidendes Mittel für den Frieden: dass wir miteinander reden, eine gute Kultur des Gesprächs pflegen. Dass wir lernen, in guter Weise miteinander zu sprechen, auch über schwierige Dinge, auch über Dinge, bei denen wir verschiedener Meinung sind.

Bei all dem ist wesentlich – und darin ist Benedikt ein Meister – dass wir hören.

Kommunikation besteht wesentlich im Hören. 
Hören, das meint, genau darauf zu achten:
Was meint denn der andere wirklich?
Was sagt er denn wirklich?

Es geht darum, ihn wirklich zu verstehen und dann meine Worte ganz bewusst und achtsam so zu formulieren, dass es gute Worte sind. Worte, die mit Klarheit sagen, was ich denke, aber dabei den anderen nicht verletzen und niemandem schaden. Um die Einhaltung dieser Gesprächsregeln müssen wir uns immer wieder bemühen und es ist eine ständige Herausforderung.

Der Ton macht die Musik!

Man kann und soll alles sagen – aber im rechten Ton, der zum Ausdruck bringt, dass die Begegnung grundsätzlich von Wertschätzung und Respekt getragen ist.

Nicht zuletzt so meint Benedikt sollen wir auch gerade auf die Stillen, die Einfachen und auf die Jüngeren hören, die oft am ehesten spüren und wissen, was das Bessere ist (vgl. RB 3,3), um in den Frieden zu gelangen, dass alle mitgehen können.

„Der Abt soll der Eigenart vieler dienen“. Obwohl wir alle im gleichen Habit sind, legt Benedikt sehr viel Wert darauf, die Gaben, Charakterzüge und die Bedürfnisse des je einzelnen Bruders wahrzunehmen.

Er soll auf die Verschiedenartigkeit der Brüder schauen und beachten, der eine braucht mehr und der andere weniger. „Jedem wurde so viel zugeteilt, wie er es nötig hat“, schreibt er aus der Heiligen Schrift (Apg 4,35). – So werden alle Glieder der Gemeinschaft im Frieden sein. (34,5)

Und wenn es dann doch mal zum Streit kommt, dann, so sagt er, sollen wir „noch vor Sonnenuntergang in den Frieden zurückkehren“ (RB 4,37). Das meint: den Konflikt nicht unendlich hinausziehen, nicht schwelen lassen, sondern so schnell wie möglich die Situation klären, bereinigen und wiedergutmachen. Diese Dringlichkeit leuchtet besonders ein, wenn wir die Situation momentan in der Welt sehen.

Liebe Schwestern und Brüder,
unsere Begegnung heute und unser Weg auf Ostern zu will ein kleiner Beitrag zum Frieden in der Welt sein.

Das Fastentuch in seiner blut-roten Farbe, lässt die Liebe Gottes strömen durch die Dornenkrone hinab zu uns Menschen. Der Auferstandene dahinter kündet Frieden in 12 Sprachen in Persisch, Arabisch, Hebräisch, Russisch/Ukrainisch, Chinesisch/Koreanisch, Englisch, Griechisch, Spanisch, Französisch und Deutsch. 

Und durch uns, dir wir heute hier sind und durch unsere Sprache soll der Friede strömen in unsere Herzen, in unsere Familien, in unsere Gemeinden und Kirchen, in unsere Klostergemeinschaft und zu allen mit denen wir verbunden sind.

Am Freitag heißt das Abschlussgebet in unsere Mittagshore:
Herr Jesus Christus, durch das Blut, das aus deiner Seite floss, hast du über höchste Höhen und tiefste Tiefen den Frieden gebreitet. Sende deinen Frieden unter die zürnenden Menschen. Versöhne die Entzweiten und säe unter sie deinen Frieden.

Amen.