Br. Deocar Ritzer OSB verstorben
Im Lichtschatten des Epiphaniefestes verstarb am 8. Januar 2026 um 22.35 Uhr in der Abtei Münsterschwarzach unser lieber Mitbruder Br. Deocar (Hermann) Ritzer OSB.
Am 6. April 1932 kam er in Herrieden zur Welt. Bei der Taufe erhielt er den Namen Hermann. Seine Mutter verstarb noch im selben Jahr kurz vor Weihnachten. Das bekommt ein Baby denkerisch noch nicht mit, aber die lebenslange Offenheit für das Schicksal von Menschen mag es beeinflusst haben. Deshalb soll vor der tabellarischen Reihung seiner vielfältigen Fähigkeiten die Persönlichkeit von Br. Deocar in den Blick kommen, zumal man sich ihrer Kraft nicht entziehen konnte.
Als 19-jähriger Sattlerlehrling lernte Hermann Ritzer anlässlich einer Radtour unsere Abtei kennen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Zeitlebens behielt das Begegnen eine derartige Kraft. Diese Art der Offenheit, Neugierde und Menschennähe machte ihn zum geborenen Reisebruder für unseren Missionsauftrag. Bei höhergestellten Persönlichkeiten bekam Br. Deocar leuchtende Augen, bei kleinen Leuten hatte er sorgsam zuhörende Ohren.
Die so früh verwundete Biographie bekam auch Heilung durch eine warme Heimatverbundenheit mit der Geburtstadt Herrieden. Wie richtig, dass ihm Abt Burkhard den Stadtpatron, den hl. Deocar, als Klosternamen gab.
Br. Deocar war das jüngste von neun Kindern seines Vaters Kaspar Ritzer und seiner Mutter Josefine. Von 1938-46 besuchte Hermann die Volksschule Herrieden – soweit das in den Kriegsjahren möglich war. Anschließend erlernte er den väterlichen Beruf des Sattlers. 1951 wurde er Geselle dieses Handwerkes.
Nach wenigen Monaten erfolgte der Eintritt in Münsterschwarzach zum 1. Dezember 1951. Das Postulat begann am 7. Mai 1952, die Noviziatsaufnahme mit der Namensverleihung geschah am 7. Mai 1953. Die Zeitliche Profess legte er am 13. Mai 1954 ab, die Feierliche Profess folgte am 19. Mai 1957. In den ersten Klosterjahren wechselten wie üblich Tätigkeiten in der Hausmeisterei mit Einsätzen in den Werkstätten im Umfeld des mitgebrachten Berufes. Aber seit 1954 versah Br. Deocar acht Jahr lang den Dienst bei den Kranken. Da war seine Begabung und seine Freude angekommen, obgleich sein Vorgesetzter ein strenges Regiment führte.
1958 wechselte Br. Deocar in den typischen Münsterschwarzacher „Hausberuf“ eines Reisebruders der Prokura. Als die Abtei den Kopanke-Hof in Kemphausen/Oldenburger Land geschenkt bekam, war Br. Deocar am 11. Dezember 1962 bei der Gründungsgruppe der Zella dabei. 1970 siedelte die kleine Gemeinschaft in den Neubau des Schülerheimes zusammen mit der Prokura nach Damme über. Dort flochten Br. Deocar und Br. Alban durch große Nähe zu den Wohltätern ein bis heute bestehendes Netz. Ihre Arbeit war mit menschlicher Anteilnahme am Leben der WohltäterInnen gepaart. Ende April 2002 kehrte er in seine Heimatabtei Münsterschwarzach zurück.
Und jetzt, es konnte nicht anders sein, als dass sich Br. Deocar in gewohnter Weise auch in der Abtei lebendig einbrachte. Das tat er innerhalb der Gemeinschaft als Dekan einer Dekanie und außerhalb als Ansprechperson für Gäste und Wohltäter.
Seit Mai 2022 lebte er im betreuten Wohnen unserer Infirmerie. Br. Deocar hat fast bis an den Rand seines wachen Geistes an allem Anteil genommen. In den letzten Monaten wurde es immer stiller um ihn. Still, ganz zur Ruhe gekommen, verstarb er.
Am Montag, den 12. Januar 2026 um 14.00 Uhr feiern wir die heilige Eucharistie für sein reiches Leben und bestatten ihn anschließend auf dem Klosterfriedhof.
R.I.P.
Abtei Münsterschwarzach, 12. Januar 2026
Abt Michael und die Klostergemeinschaft von Münsterschwarzach
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