P. Placidus (Egon) Berger OSB verstorben

Am Samstag, den 4. Juli 2026, um 7.45 Uhr, verstarb in der Krankenabteilung unser weit bekannter
P. Placidus (Egon Leo) Berger OSB
Am 8. August 1933 kam er in Würzburg zur Welt. Bis in sein 92. Lebensjahr war er hellwach, an allem interessiert, hilfsbereit und auf den Beinen. So ist sein letztes Wort nur zu verständlich: „Ich bin erschöpft.“ Vor einem Jahr erstellte er eine Materialsammlung zu seinem Nekrolog. Diese zeugt von Dankbarkeit und Frieden mit einem vollen Leben.
Der Vater Eugen war Photograph, die Mutter Bertha Kauffrau. Aufgewachsen ist P. Placidus mit seinen zwei Brüdern in Ebrach, Erzdiözese Bamberg.
Gleich nach dem Krieg warb P. Sales Hess in der Umgebung von Münsterschwarzach um Schüler für das klösterliche Seminar. So gehörte der junge Egon zu den ersten Schülern der neuen Klosterschule der Abtei. Nach dem Abitur in Würzburg begann er am 11. September 1952 als Novize sein klösterliches Leben. Es folgten am 12. September 1953 die Zeitlichen Gelübde, am 23. September 1956 die Feierliche Profess. Die Priesterweihe erteilte ihm Bischof Josef Stangl am 6. Juli 1958. Die Theologisch-Philosophischen Studien waren an der Ordenshochschule in St. Ottilien 1953–55. Danach wechselte der begabte Student zur Theologie an die Hochschule in Sant’Anselmo/Rom. Dort erwarb er das Lizensiat. Nachhaltig wurde er von seinem Lehrer Cipriano Vagaggini geprägt. Von dessen Liturgiekenntnis begeistert, führte der Weg zu Balthasar Fischer, an das Liturgische Institut in Trier. Dort erstellte P. Placidus seine Doktorarbeit mit dem Titel „Religiöses Brauchtum im Umkreis der Sterbeliturgie im deutschen Sprachgebiet“.
Sein ganzes Leben lang beschäftigte sich P. Placidus mit der „ars moriendi“, der Kunst des Sterbens. Er schrieb dazu theologische und philosophische Abhandlungen, die er in Kursen unseres Gästehauses bewusst an den Fastnachtstagen anbot.
1965 rief ihn Abt Odo Haas von der neuen Abtei Waegwan/Korea an die Theologische Lehranstalt. In diesem Institut lehrte P. Placidus 19 Jahre lang Liturgie und Patrologie. Dazu kam noch eine Lehrtätigkeit an der Universität Taegu über deutsche Geistesgeschichte.
1987 nahm P. Placidus Abschied von Korea und kehrte in sein Heimatkloster zurück. 1988 brauchte ihn Erzabt Notker Wolf als Kongregationssekretär. In diese Zeit fallen die aufregenden Besuche der ehemals missionsbenediktinischen Gebiete in Nordkorea und China. Als Erzabt Notker zum Abtprimas gewählt wurde, nahm er P. Placidus als Generalprokurator des Ordens nach Rom mit.
Am 1. Oktober 2003 kehrte P. Placidus in die Abtei Münsterschwarzach zurück, danach wurde er vom 15. Januar 2004 an als Hausgeistlicher in der Abtei Maria Frieden in Kirchschletten bestellt. Von dort aus arbeitete P. Placidus als Leuteseelsorger in den Pfarreien und im Krankenhaus.
Seit 2017 ist P. Placidus wieder in der Abtei. Durch seine Dienste für unsere Kranken als Chauffeur und Begleiter war er die letzten Jahre allen eine große Hilfe. Mit geistiger Wachheit versah er diese Begleitungen tagein tagaus.
Zu diesem Lebenslauf muss unbedingt noch der Eifer für Aushilfen und Predigten erwähnt werden. Dazu sein „ceterum censeo“ für die ostasiatische Mission als Schwerpunkt der Ottilianer Kongregation. Nicht vergessen seien auch die heftigen Kritikschreiben zu den deutschen Fassungen der Psalmen und deren Chorbücher.
P. Placidus war immer hellwach, gesprächs- und konfliktbereit. Doch in seinem Schreiben vom 7. März 2026, das er „Mein Schwanengesang“ überschrieb, bekennt er sich ausdrücklich ein heiterer, christlicher Stoiker zu sein.
Wir verabschieden unseren Mitbruder P. Placidus am Mittwoch, den 8. Juli 2026 um 14.00 Uhr mit dem Heilig-Geist-Hymnus, wie er bei seiner Priesterweihe erklang.
Beim Beerdigungszug wird „Gelobt seist du, Herr Jesus Christ“ gesungen und dazu festliches Orgelspiel, wie es sein Wunsch war.
R.I.P.
Abtei Münsterschwarzach, 7. Juli 2026
Abt Michael und die Klostergemeinschaft von Münsterschwarzach
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