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Fürchtet euch nicht

Predigt von Abt Michael sowie Bilder von der Feier der Osternacht in der Abteikirche.

Liebe Schwestern und Brüder,

Das Evangelium, das wir eben gehört haben, hört sich schon wieder an wie „Fake News“ –  und der „Faktenfuchs“ würde sich darüber hermachen.

Wenn wir genauer hinschauen, dann können wir, wie schon am Gründonnerstag, auch in diesem Evangelium wieder erkennen: das Wesentliche ist Begegnung! Hören, Sehen, Empfinden, Berühren.

Die Frauen sind noch ganz in ihrem Schock, in ihrer Trauer, in ihrem Schmerz.

Aber tief im Herzen ist
ihre Liebe zu Jesus,
ihre Treue zu ihm,
ihre Sehnsucht nach ihm.
Dies lässt sie am frühen Morgen in der Morgendämmerung aufbrechen und zum Grabe eilen.
Sie ahnen noch nicht, was in dieser Nacht schon geschehen ist.
Sie sind bestürzt von ihrer Erfahrung, von dem Erdbeben und dem Engel, der den Stein weg wälzt.
Jesus ist auferstanden im verschlossenen Grab.

Gott braucht nicht das leere Grab.
Wir brauchen das leere Grab und den weggewälzten Stein, um daran glauben zu können, dass Jesus nicht im Tod geblieben ist.

Die Morgendämmerung, die aufgehende Sonne kündet etwas Neues an. Und die erste Botschaft, das erste Wort des Engels ist: „Fürchtet euch nicht!“ (Mt 28,5)

Wie wichtig ist diese Botschaft in der heutigen Zeit, da wir oft in Furcht und Schrecken verfallen!

Wie wichtig ist diese Botschaft in einer Zeit, in der Sorge und Angst die Menschen lähmen.

Der Engel sagt es und später wird es auch Jesus, der Auferstandene, immer wieder sagen: „Fürchtet euch nicht! Habt keine Angst!“

Der Engel zeigt konkret die Stelle, wo Jesus gelegen hat: „Kommt her und seht euch den Ort an, wo er lag“ (Mt 28,6). Sie können diese Stelle selbst sehen.

Dann fordert der Engel sie auf, zu Jesu Jüngern zu eilen und ihnen zu sagen: Jesus ist von den Toten auferstanden und ihr werdet ihn sehen. Und überraschenderweise eilen sie los „voll Furcht und großer Freude“ (Mt 28,8).

Das ist eine merkwürdige Mischung: Furcht und Freude.
Sie können es nicht glauben. Und doch glauben sie.

Sie sind erschrocken über das, was sie gerade erlebt haben. Und doch ist die Freude da. Das sind Zeichen dafür, dass ihre erschütternde Erfahrung echt ist und ernst zu nehmen ist.

Und dann passiert es tatsächlich, dass Jesus ihnen entgegenkommt, ihnen wirklich begegnet und sagt: Seid gegrüßt!

Sie gehen auf ihn zu, erkennen ihn in dieser Erzählung bei Matthäus sofort, fallen vor ihm nieder und umfassen seine Füße. Sie berühren ihn ganz konkret und das festigt ihren Glauben: Er ist wirklich auferstanden!

Und Jesus sagt jetzt wieder: „Fürchtet euch nicht!“ (Mt 28,10) und gibt ihnen den Auftrag, zu seinen Brüdern nach Galiläa zu gehen.
Sie werden aktiv und erzählen, was sie erlebt haben seinen Jüngern.

Und auch die brauchen eine Zeit, um daran glauben zu können. Auch sie brauchen die Erfahrung, dass Jesus ihnen auf dem Weg als Wanderer mitgeht, der weinenden Maria als Gärtner begegnet, in der Runde der Zwölf durch verschlossene Türen kommt und Thomas seine Wunden berühren darf.

Sie brauchen die Erfahrung, um glauben zu können und sie erzählen davon… 
Viele Menschen wissen heute nicht mehr, was Ostern ist.
Das sind Frühlingsferien. Da gibt es Ostereier und den Osterhasen…

Selbst dem hl. Benedikt ging es so: Drei Jahre saß er in der Höhle und war total getrennt von der Welt und den Menschen. Er wusste nicht mehr, wann Ostern ist.
Da schickt Gott einen Priester zu ihm, der ihm sagt: „Heute ist Ostern! Heute darfst du nicht fasten, wir müssen Ostern feiern!“

Ich glaube, es braucht diese Menschen heute, die es in die Welt tragen, die es mitteilen und ausstrahlen: Heute ist Ostern!

Und Ostern ist nicht erst dann, wenn alles okay und in Frieden ist, sondern Ostern ist auch mitten im Dunkeln, mitten in der Nacht.
Ostern ist jenseits der leidvollen Zeit. Ostern hängt nicht am Gefühl, ob uns gerade nach Ostern zumute ist.

Gott wartet nicht, bis alles wieder gut ist. Er kommt mitten in der Nacht. Die Auferstehung geschieht mitten im Dunkeln, mitten im Chaos dieser Welt, mitten in dem, von dem wir zurzeit überfordert sind.
Da hinein gilt es die Botschaft zu sagen: Jesus ist auferstanden! Das Leben ist stärker als der Tod. Das Licht, ist stärker als jede Dunkelheit, die Liebe stärker als aller Hass! Heute ist Ostern!

Liebe Schwestern und Brüder,

wir sind die Osterboten heute. Wir sind diejenige die es hinaus in die Welt trage. Leben und erzählen wir es weiter.

Das kann in kleinsten Gesten sein, konkret hin zu einem Menschen, vielleicht kann es heute ein überraschender WhatsApp Gruß sein.

Wenn wir jetzt das Wasser segnen, das uns an unsere Taufe erinnert und wenn wir mit der Osterkerze in der Hand unsere Taufgelübde erneuern, ist das unser gemeinsames Zeugnis vor- und miteinander, dass wir Kinder des Lichtes und Botinnen und Boten des Lebens sind in dieser Welt.

Amen.