Predigten

Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!

Predigt zu 2 Kor 4, 6-11 – Predigt von P. Christoph Gerhard OSB am 3. Juni 2018 in der Abteikirche Münsterschwarzach

Mich fasziniert immer wieder beim Lesen der neutestamentlichen Briefe, wie es die Urchristen ohne weiteres fertigbringen, die Schöpfung, die Gegenwart und die Zukunft zusammen zu fassen. Paulus gelingt die dies im heutigen Abschnitt aus dem Korintherbrief im ersten Satz der Lesung: Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten! Er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi. Paulus führt uns zunächst an den Anfang der Schöpfung: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten! Nachzulesen in der Genesis, auf der ersten Seite der Bibel: Licht ist das erste, was Gott erschafft. Und wenn Paulus an die Erschaffung des Lichtes, an das Licht aufleuchten, erinnert, dann sagt das etwas über Gott aus: ihm ist das Licht so wichtig, dass damit alles beginnt.

Gott ist Licht und er will, dass seine Schöpfung Licht wird! Das Licht vom Uranfang, das ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, Gott selbst erleuchtet die Augen unseres Herzens, wie es auch in einem anderen Brief des Apostels zu lesen ist. Am Anfang der Schöpfung ist ja erstmal ganz viel nichts, bevor überhaupt etwas geschaffen war, da (!!!) war also schon die Beziehung zu mir persönlich zu meinem Herzen da! Ich meine, das ist eine ungemein steile Aussage, die Gottes Wesen selbst – er ist Licht – über seine Schöpfung von Anbeginn – er hat sein Licht in ihr aufstrahlen lassen – bis hin den Bogen zu mir persönlich spannt – er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet!

Gottes Licht in unserem Leben

Gottes Licht will nicht nur in der Schöpfung sein, sondern auch in meinem Herzen leuchten. Und für was oder wen soll es aufstrahlen? Damit wir (Menschen) erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi. Gott hat es also von Anfang an der Schöpfung möglich gemacht, in einer persönlichen Zuwendung zu meinem Herzen, dass ich ihn als Schöpfer und als Erlöser erkennen kann. Das geschieht einmal durch die Ebenbildlichkeit des Menschen zu Gott selbst, weil wir Menschen nach seinem Bild geschaffen sind. Das geschieht zum zweiten durch das Licht Gottes selbst, das uns fähig macht Gottes Licht auf dem Antlitz Jesu Christi auch wieder zu erkennen. Gott hat uns also nicht nur erschaffen nach seinem Bilde, sondern er hat uns auch die Möglichkeit in unser Herz gegeben, dass wir ihn und seinen Sohn Jesus Christus erkennen können: durch das Licht in unseren Herzen! Wahrhaftig ein sehr dichter Satz, den Paulus da den Korinthern in den zweiten Brief hinein schreibt!

Paulus geht aber an dieser Stelle noch weiter. Es geht ihm nicht nur um eine selbstzufriedene Aussage über Gott, Jesus Christus und uns Christen, das wir uns wohlig in unseren Glauben zurück ziehen könnten im Sinne: „Wir haben die Wahrheit erkannt und gut ist!“. Denn Paulus weiß aus eigener Erfahrung: Diesen Schatz tragen wir Apostel in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt. Was für den Apostel gilt, das gilt freilich auch für alle Christen: Gott haben wir Menschen nicht sicher und ein für allemal. Wenn jemand mich sicher hat, dann ist es Gott, der mich in seiner Hand hält – in und bei IHM bin ich sicher. Weiter gedacht hat diese Zusage der Erkenntnis Gottes Folgen für unser Leben: denn es wird gleich gestaltet mit dem Leben Jesu: „Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird.

Und noch etwas gilt für uns Christen, wie für Paulus, der aus seiner eigenen Lebenserfahrung schreibt: Alle, die Jesus erkannten und ihm in ihrem Leben nachfolgen, sie erben nicht nur sein Licht, seine Herrlichkeit, seine Größe, sondern sie haben auch zwangsläufig an seinem Leiden Anteil. Die Auferstehung und Herrlichkeit ist in der Nachfolge Jesu nur mit Leiden und Kreuz zu bekommen. Da gibt es nach Paulus für uns Christen keine Abkürzung! Es gilt auch für uns das Paradox von Kreuz, Tod und Auferstehung: um Jesu willen werden wir dem Tod ausgeliefert, damit auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleisch offenbar wird. Eben, weil wir in einem sterblichen Fleisch leben – nur so wird das Leben Jesu an uns auch offenbar.

Ich wünsche uns, dass wir immer wieder durch die Schwierigkeiten und Leiden unseres Lebens hindurch das Licht Gottes auf dem Antlitz Jesu – und damit in jedem Menschen – entdecken können. Dass in allem das Leben uns und an uns offenbar wird. Amen!

Sonntagsimpulse von P. Anselm Grün

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