Predigten

Der dunklen Seite begegnen

Predigt von P. Christoph Gerhard OSB bei der Margaretenwallfahrt auf dem Jakobsberg

Liebe Schwestern und Brüder!

Die Heiligen Margarete und Georg werden oft miteinander dargestellt. So geschieht es auch in der Kirche hier auf dem Jakobsberg. Margarete hat den Drachen an einer Kette gelegt, während dessen Georg genüsslich Zeit hat, ihm seine Lanze in den Leib zu stechen und ihn so zu töten.

Die Darstellung zeigt zwei verschiedene Weisen mit einem gefährlichen, lebensbedrohlichen Drachen umzugehen.

Beide haben mit dem Drachen gekämpft, und beide haben gesiegt, wenn auch auf unterschiedlichen Wegen – Georg hat den Drachen getötet, Margarete hat in unterworfen. Die männliche und die weibliche Art, mit finsterer Macht umzugehen?

Um was geht es aber bei dem Drachen? Der Drache steht für das Dunkle und Schattenhafte unserer Seelen, für das Chaos und die Mächte der Finsternis. Diese negative Prägung des Drachen gibt es vor allem in den westlichen christlichen Mythen und Kulturen. Aber er kann auch als Schatzhüter gelten!

In ostasiatischen Kulturkreisen hat der Drache eine äußerst positive Bedeutung. Dort ist er ein Sinnbild für Glück, den Himmel und auch für den Fürsten. Es gibt also völlig andere Deutungsansätze, die im Drachen positive Lebenskräfte zueignen und ihn als Symbol für die Erde sehen.

Nach psychologischen Modellen gibt es zwei Möglichkeiten, mit Ängsten und "Dunklem" umzugehen, nämlich sie zu „töten“ oder die Schatten zu „integrieren“. Ein Ansatz, den übrigens auch die Mönchsväter vom Kampf mit den dunklen Mächten her kennen, wenn sie von Dämonen sprachen: einmal müssen sie sofort aus der Seele hinausgeworfen werden, ein anderes Mal müssen sie eingelassen, um mit ihnen kämpfen zu können.

Manche Bilder oder Kräfte lassen sich nicht integrieren und müssen folglich aus der Seele "hinausgeworfen" werden. Ansonsten werden sie den Menschen verschlingen, beispielsweise Depressionen oder Überforderungen, wenn wir es den anderen immer recht machen wollen und uns dabei verzehren.

Das wäre also die Methode "Georg": Als Soldat mit Waffenrüstung und Lanze steht er für die männliche Seite und dafür, dass wir gegenüber unseren Ängsten und Sorgen nicht wehrlos sind, sondern Herr im Hause sein können.
Margarete hingegen steht für eine Quelle neuer Energie.

Margarete wird von Frauen oft auch als Helferin angesehen, etwa bei Not oder Unfruchtbarkeit; sie steht für Hoffnung. Die Legende erzählt, dass Margarete trotz aller Folter und Gewalt immer wieder von Engeln geheilt wird und danach noch schöner ist als zuvor. Dies steht auch für die unantastbare Würde und Schönheit des Menschen, trotz aller Verletzungen und allem Leid. Es gibt in uns einen Kern, der von nichts und niemanden zerstört werden kann.

Ich möchte den Umgang Margaretes mit dem Drachen, mit dem Bedrohlichen auf ein praktisches Beispiel anwenden: auf Flüchtlinge. Wenn man führende Politiker anderer Länder hört, dann gibt es nur die Abschottung oder die Inkaufnahme des Todes, um dem Problem Herr zu werden. Leider gibt es auch in unserem Lande Menschen, Parteien, die das meinen und sie machen dabei einen fundamentalen Fehler: sie identifizieren Menschen, den Fremden und das Fremdartige anderer Menschen mit einem Untier, das in ihnen selbst steckt. So geht aber keine Lösung.

Vielleicht war es kein Wunder, dass ausgerechnet die Frauen in den Regierungspositionen der europäischen Regierungen – einschließlich Angela Merkel – anders gehandelt haben. Es ist klar, Terroristen müssen abgewiesen werden, und völlig durch den Wind geratene und vom Schicksal durch geschüttelte Menschen kann und darf man nicht sich selbst überlassen, sonst fängt es zu gären an und die negativen Seelenkräfte wenden sich gegen sie selbst und gegen ihre Gastgeber. Sie brauchen Unterstützung zur Integration mit klaren Vorgaben. Dann aber geschieht aber etwas Besonderes: Integration gelingt!

Wir haben in den letzten Jahren mit den 35-40 Flüchtlingen, die dauerhaft auf dem Gelände der Abtei Münsterschwarzach solche positiven Erfahrungen der Integration gemacht. Das für manche zunächst Bedrohliche und Fremde wurde uns durch die Arbeit mehrerer Brüder und vieler Ehrenamtlicher vertraut und verlor völlig seine Fremdheit. Aus Asylbewerbern wurden Menschen, ja Brüder – weil sie uns Mönche auch direkt so nennen und ansprechen. Ganz nebenbei wurden auch schon fast zwanzig von ihnen katholisch und es bildete sich eine kleine christliche Gemeinde um unsere Brüder und ihren Ehrenamtlichen.

Solche Entwicklungen gehen aber nur, wenn Menschen bereit sind, ihre eigenen und die dunklen Seiten anderer anzuschauen. Ich wünsche uns, dass wir gleich Margareta immer wieder dem Dunklen, Schwierigen in uns und in anderen Menschen positiv begegnen können und es in unser Leben somit integrieren, fruchtbar machen für unser und anderer Leben.

Amen.

Von P. Christoph Gerhard OSB 

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