Predigten

Die Einheit von Schöpfung und Erlösung

Predigt von P. Christoph Gerhard OSB zum Festtag der Aufnahme Mariens in den Himmel.

Meine lieben Schwestern und Brüder!

Was dem heutigen Fest der Aufnahme Marias in den Himmel eigens ist, ist die Einheit von Schöpfung und Erlösung. Beides wird heute in der Liturgie so deutlich, wie selten an anderen Festen des Jahres.

Da ist zunächst die Schöpfung: Maria ist, wie alle Menschen ist sie ein Geschöpf Gottes. Immer und immer wieder wird Maria mit Attributen aus der Natur verbunden: mit Sonne, Mond, den Sternen, mit Blumen, Rosen, Kräutern. Und im Hinblick auf das heutige Fest zeigt es uns die guten, heilenden Gaben der Schöpfung hier auf den Stufen, nämlich die Heilkräuter, die uns eifrige Helferinnen gesammelt und gestaltet haben. Es zeigt sich hier eine besondere Dimension unserer Natur. Die Schöpfung Gottes ist nicht nur sehr gut, von ihm geschaffen worden, wie es im ersten Schöpfungsbericht heißt, sondern sie hat auch ihre eigenen Heilkräfte in den Gewächsen der Natur – wenn man sie denn anzuwenden weiß.

Aber ist das wirklich so einfach mit der Aussage von der „sehr guten“ Schöpfung? Schon alleine die Bibel zeigt uns, wie gefährdet die Aussage ist, dass die Schöpfung Gottes „sehr gut“ sei. Denn unübersehbar sind die Bedrohungen, die aus der Schöpfung und damit für das Leben erwachsen können. Und leider muss ich auch hinzufügen: Unübersehbar ist die Bedrohung der Schöpfung durch uns Menschen und unseren Umgang mit dem größten Geschenk Gottes.

Wir heute können unsere Lebens- und Naturerfahrung dazu legen, die zwar einerseits bei uns von einer großen Sicherheit geprägt ist, andererseits uns aber immer wieder lehrt, dass wir das Leben eben nicht in der Hand haben. Ja, wir stellen mehr und mehr fest: je mehr wir es absichern wollen, desto mehr entgleiten uns diese Sicherheiten im privaten Leben und auf mittlerweile auch im großen Rahmen der Natur: sie macht plötzlich auch in unserem Land, was sie will und es kommen viele, zu viele Menschen bei einer Flutkatastrophe ums Leben. Die Schöpfung erweist sich gar nicht so gut und heilsam.

Deshalb braucht es die zweite Seite des heutigen Festes: die Erlösung, die Hoffnung, die nur der Glaube an Jesus Christus, seine Menschwerdung, sein Sterben und Auferstehung geben kann.

Durch Maria ist Gott Mensch geworden in Jesus Christus. Hat als Geschöpf gelebt mit allen Unsicherheiten und schönen Seiten des Lebens. Er hat für uns gelitten, ist für uns gestorben und ist auferstanden.

Und dass dieses Leben, Sterben und Auferstehen nicht nur ein einmaliger, einzigartiger Vorgang gewesen ist, zeigt sich für den Glauben in der Aufnahme Mariens in den Himmel mit Leib und Seele. Jesu Auferstehung hat kosmische Dimension in der Erlösung der ganzen Schöpfung: auch sie ist durch ihn ganz erlöst in ihrer leiblichen, seelischen und geistigen Natur. Nichts wird zurückgelassen, alles wird von der Schöpfung ernst genommen und in das Leben durch Gott zurück gebracht durch die Annahme all dessen, was er geschaffen hat. Damit wird der Bezug des heutigen Tages zu Ostern deutlich: obwohl nichts von der Aufnahme Mariens in den Himmel steht, liegt es doch ganz auf der Linie des Osterfestes.

Das Wort ist Fleisch geworden, wie es der Johannesprolog sagt von der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus. Und dieses Fleisch ist dazu bestimmt, wieder ganz bei Gott anzukommen, davon spricht uns die Aufnahme Mariens in den Himmel mit Leib und Seele.

Geschaffen durch Gott den Vater, erlöst durch den Sohn und belebt, besiegelt durch den Heiligen Geist, so geschieht Schöpfung und Erlösung in einer Bewegung, die in Gott ihren Urheber und Vollender hat. Davon zeugt das heutige Fest, das es wahrhaft wert ist, gefeiert zu werden!

Amen.

Sonntagsimpulse von P. Anselm Grün

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