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Predigten

Predigt für den 27. September 2026: Zukunft miteinander

Mönche beim Stundengebet in der Kirche

26. Sonntag A 2026. Phil 2,1-11

Schwestern und Brüder,
Der zweite Teil der heutigen Lesung ist gut bekannt, vor allem die Worte: „Christus wurde gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz.“ In der Karwoche wird dieser Text jeden Tag mehrmals gesungen, und jeden Freitag singen wir ihn in etwas erweiterter Form in der Vesper.

Wo der heilige Benedikt im 7. Kapitel seiner Regel vom Gehorsam spricht, zitiert er diese Stelle vom Gehorsam Jesu bis zum Tod.

Heute hörten wir auch den ersten Teil dieses Kapitels aus dem Philipperbrief, der meistens nicht gelesen wird. Und dieser Kontext zeigt, dass es dem Apostel nicht in erster Linie um Gehorsam geht, um Gehorsam gegen Gott oder einen Menschen, sondern er redet davon, wie man in einer Gemeinde, in einer Gemeinschaft miteinander umgehen soll:

Sie sollen eines Sinnes sein, nicht streitsüchtig, sondern jeder solle den anderen höher schätzen als sich selbst. Und schließlich heißt es: „Jeder achte nicht auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen.“
Der heilige Benedikt benützt teilweise dieselben Worte im 72. Kapitel seiner Regel als Mahnung an seine Mönche.

Es geht um gutes Miteinander. Sich nicht in den Vordergrund drängen, sondern, wie es heißt, „den anderen höher schätzen als sich selbst“, andere wertschätzen, das Wohl der Gemeinschaft im Blick haben. Je mehr Liebe und Energie in die Gemeinschaft investiert wird, desto stärker und stabiler wird sie. Dann kann die Gemeinschaft auch jene stützen und mittragen, die schwächer sind, oder alt und pflegebedürftig.

Deshalb fordert Benedikt das gegenseitige Dienen, wo jeder das Seine beiträgt und die Kräftigeren die Schwächeren mittragen. Das klingt sehr gut, geradezu ideal. Mir gefällt so etwas. Drum bin ich immer noch hier in der Gemeinschaft. Aber in der Praxis kann es doch recht schwierig sein.

Manchmal gibt mir ein Text von Sören Kierkegaard zu denken, er sagt: „Jede wahre Kunst des Helfens muss mit einer Erniedrigung anfangen.
Der Helfer muss zuerst hinknien vor dem, dem er helfen möchte.
Er muss begreifen, dass zu helfen nicht zu herrschen ist, sondern zu dienen;
dass Helfen nicht eine Macht ist, sondern eine Geduldausübung.“

Manchmal macht das Arbeiten für andere und mit anderen richtig Freude. Manchmal kann es auch sehr mühsam sein. Manchmal muss man, wie Kierkegaard sagt, erst mal vom hohen Ross heruntersteigen und in die Knie gehen, um einen Dienst, eine schwierige Aufgabe erfüllen zu können. Da braucht es Geduld mit sich selbst und mit den anderen – eine Geduldausübung, wie Kierkegaard sagt, vor allem dann, wenn es um eine Aufgabe geht, die man sich nicht freiwillig gewählt hätte.

Mutter Teresa sagte einmal: Man solle „lieben, bis es wehtut“. Klingt so ähnlich wie „gehorsam bis zum Tod“. Extreme Situationen der Hingabe. Solche Extreme können wir nicht ständig ertragen und müssen es auch nicht. Aber wenn es mal trifft, kann man sich an so ein Wort erinnern: „lieben, bis es wehtut“, „gehorsam bis zum Tod“.

Ich erinnere mich an eine Begebenheit, als ich einem Mitbruder eine Aufgabe übertragen wollte, von der er vermutlich nicht begeistert sein wird. Er sagte mir offen, dass er diese Aufgabe nicht mag und sie niemals wählen würde. Aber nach einer Weile fügte er hinzu: „Ich bin bereit. Ich weiß, dass du keine andere Wahl hast. Einer muss es tun.“ Er hat ja gesagt, und hat es dann sehr gut gemacht, über Jahre hin. Ich bin ihm heute noch dankbar.

Vielleicht erinnern Sie sich auch an solche Situationen, wo Sie sich auf eine schwierige Aufgabe eingelassen haben, sich herausfordern ließen, obwohl es Ihnen nicht geschmeckt hat, aber die Situation, das Wohl der anderen es erforderte. Eine Gemeinschaft, eine Gemeinde, unsere Welt lebt auch davon, dass so etwas immer wieder möglich ist und gewagt wird – trotzdem ja sagen.

Es gibt viel Chaos in unsrer Welt, Kriege, Katastrophen. Vieles fällt auseinander und löst Zukunftsängste aus. An diesen weltweiten Problemen können wir nichts ändern. Aber in meiner eigenen kleinen Umwelt, da hängt es auch von mir ab, ob bei uns Zukunftsängste dominieren oder Vertrauen in den gemeinsamen Weg.

Als unsere Mitbrüder in den 1930er Jahren diese gewaltige Kirche bauten, war die Nazizeit mit starkem Gegenwind und vielen finanziellen Problemen. Aber wenn jene Brüder uns Jüngeren davon erzählten, sagten sie: „Wir waren eine verschworene Gemeinschaft, haben zusammengehalten und gemeinsam angepackt. So haben wir es geschafft.“ Nachhaltiger Zusammenhalt!

Heute ist vieles anders. Aber in manch schwieriger Situation, habe ich mich an die Brüder von damals erinnert und mir gesagt: wenn wir zusammenhalten, finden wir einen Weg, egal was kommt und wie es kommt. 

Das ist kein billiges Selbstbewusstsein, sondern auch Glaubensbewusstsein: Wir haben Jesus, der uns sagt: Wo zwei oder drei beisammen sind, zusammenhalten, da bin ich mitten unter ihnen.“

Das sagt er nicht nur uns Mönchen hier, das sagt er auch in Ihre Situation, in Ihr Zusammenhalten hinein: „Ich bin mitten unter euch – alle Tage.“
Egal was kommt und wie es kommt. „Ich bin da!“

Amen.