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Predigten

Predigt zum Fest der Erscheinung des Herrn

Peruanische Krippe in der Abteikirche

Schwestern und Brüder,

sicher erwarten heute einige von mir, dass ich in meiner Predigt etwas zum Stern von Bethlehem sage. Da muss ich leider enttäuschen. Das Evangelium, das wir gerade gehört haben, liefert einfach zu wenig Fakten, als dass Astronomen daraus eine sichere Bestimmung der astronomischen Erscheinung ableiten könnten. War es ein Komet, eine besondere Konstellation, eine Konjunktion mit Supernova, gar ein ganzes Horoskop? Niemand weiß es.

Wir hätten gerne ein Bild, am besten ein Live-Video, gedreht von einem der Beteiligten, das wir auf unserem Smartphone in unsere Social-Media Gruppe teilen könnten. Aber so einfach ist das nicht.

Dieser Mangel ist gar nicht so neu. Auch Menschen früherer Jahrhunderte hatten das Bedürfnis, sich näher an das Geheimnis der Menschwerdung und den Besuch der Fremden aus dem Osten heranzutasten. Das „Dreikönigsspiel“, das nachher in einer vereinfachten Version wieder auflebt, geht in die Mitte des elften Jahrhunderts zurück. Noch bevor der hl. Franziskus in Greccio die Krippe leibhaftig nachstellen ließ, um mit dem heiligen Geschehen der Weihnacht näher in Berührung, ja in sprichwörtliche Tuchfühlung zu kommen, war es den Menschen ein Anliegen, sich ganz in die damalige Szenerie hinein versetzen zu können.

Es sind leider nur noch Bruchstücke des Dreikönigsspieles, die uns aus dem Mittelalter aus unserem Tochterkloster Lambach überliefert sind. Dennoch spricht der suchende Weg der Magier nach dem Stern uns innerlich und unmittelbar an: Wir selbst brauchen auch heute so etwas wie einen Leitstern, nach dem wir unseren Lebensweg ausrichten können, und dem wir folgen können.

Die Wanderer aus den fremden Ländern, die wir im Spiel verfolgen, sind wir selbst: Sie finden ihren Stern, der sie zur Krippe, zum Menschgewordenen Gott führt. So wollen auch wir unseren Leitstern finden, der uns den Weg weist zu Gott und damit zum Leben.

Unsere diesjährige Krippe ist schon eine Aktualisierung von peruanischen Künstlern und Künstlerinnen, die das Evangelium in ihren Kontext übersetzten mit Puma und Berglöwe, mit den Gaben von Bananen, Mais und Koka-Blättern. Mit Gewändern, wie sie in den Anden getragen werden, und nicht wie in Bethlehem zur Zeit Jesu. Eine weitere Auffälligkeit ist das Jesuskind selbst, das nicht so sehr nach einem Neugeborenen aussieht, sondern vielmehr als ein kleiner, erwachsener König in der Krippe liegt. Dort ist schon der Auferstandene, dort ist schon unsere Zukunft verborgen.

Wenn die Wanderer unseres liturgischen Spieles dort ankommen, dann legen sie ihre Gaben nieder. Gaben, die ihnen heilig sind: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Karl Rahner deutete sie einmal als Gold der Liebe, Weihrauch der Ehrfurcht und die Myrrhe der Schmerzen. Es sind Symbole, die unser ganzes Leben bedeuten. Nicht nur das Schöne und Glänzende, das Bedeutungsvolle findet bei der Krippe seinen Platz. Auch das Schwere, Schmerzhafte findet seinen Ort und wir hoffen auf Verwandlung durch den König des Lebens.

Als andere, verwandelte Menschen gehen diejenigen von der Krippe fort, die den lebendigen Gott gefunden und angebetet haben. Als Zeichen dafür tragen sie neue Gaben mit sich: Brot und Wein, Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit. Es sind Gaben, die den großen Kosmos bezeichnen. In ihnen spiegelt sich die ganze Geschichte der Schöpfung, der Sterne, unsere eigene kurze Zeit der Menschwerdung in der Natur der Evolution wider.

Gerne kann dabei auch jeder von uns seine eigene Gabe dem menschgewordenen Gott geben und seine Gabe neu in der Stille empfangen. Mag es ein Wort sein, eine Gabe und Aufgabe, eine Krone, – oder was es auch sein mag, was uns geschenkt wird. Ich lade uns ein, an dieser Stelle während des Spieles besonders gut hinzuhören, auf Jesus Christus zu hören, was er uns sagen und mitgeben will.

Denn der Weg geht weiter für diejenigen, die von der Krippe wieder fortziehen: in unserem Königsspiel geht es zum Altar! Wir legen die Gaben von Brot und Wein auf den Altar und legen sie in Gottes Hände, damit ER sie uns wandle in Fleisch und Blut seines Sohnes, auf dass wir gewandelt werden nach seinem Bilde.

Das an der Krippe Empfangene will nochmals gegeben und verwandelt werden durch Gott. So wird deutlich, dass nicht wir die Besitzenden der göttlichen Gaben sind, sondern dass wir die von Gott Beschenkten sind und bleiben, und den Auftrag haben, nach der Frohen Botschaft zu leben.

Amen.