Predigt zum 1. Sonntag der Fastenzeit
An jedem ersten Sonntag der Fastenzeit hören wir das Evangelium, wie Jesus in die Wüste geführt wird und dort schließlich vom Teufel versucht wird.
Ich möchte heute einmal ein wenig beleuchten, was das meinen könnte: „Versuchung“.
Wenn wir in den biblischen Text schauen, fällt etwas auf:
gleich nach seiner Taufe, bei der Jesus den Geist wie eine Taube auf sich herabkommen sieht und er die Stimme hört: Du bist mein geliebter Sohn, wird er eben von diesem Geist sofort in die Wüste geführt.
Zuerst stehen die Zusage und die Gewissheit, dass er von Gott geliebt und angenommen ist, und sobald diese Gewissheit in ihm Raum genommen hat, muss er sich in der Wüste den Versuchungen aussetzen.
Davon berichten auch viele Menschen, sobald sie sich für etwas Gutes entschieden haben, das in ihnen und durch sie Wirklichkeit wird, kommt plötzlich die andere und dunkle Seite – es können innerliche Stimmen sein. „Stimmt das wirklich?“ „Ist es doch ganz anders?“ „Lohnt sich das überhaupt“ „Das kannst Du nicht!“. Diese Stimmen können das Wertvolle madig, töricht oder sinnlos erscheinen lassen. Manchmal wirken sie sogar zerstörerisch. In den geistlichen Traditionen, nicht nur in der christlichen, heißt es: so bald Gott Raum einnimmt, taucht der Widersacher auf. Ob es Kräfte sind, die im Menschen sind, sozusagen die dunklen Kräfte in mir oder ob es von außen kommt, sei einmal dahingestellt.
Jedenfalls scheint es bei Jesus genau so zu sein.
Vor einigen Jahren hatte Papst Franziskus eine Diskussion ausgelöst um die Vaterunser Bitte: „und führe uns nicht in Versuchung“.
Papst Franziskus wollte sich mit einem solchen Gottesbild nicht anfreunden. Und viele Bibelstellen lehnen es ausdrücklich ab, dass Gott den Menschen in Versuchung führt. Gott führt nicht in Versuchung… Er stellt uns keine Fallen… Gott legt seinen Kindern keinen Hinterhalt…da humpeln alle modernen Übersetzungen ein bisschen – so Papst Franziskus wörtlich. Vielmehr gelte doch: Gott führt, begleitet, beschützt und behütet wie ein Hirte – wie der gute Hirt, der alles für die Seinen tut und gibt. Es gab dann verschiedene Übersetzungsvorschläge der Vater-Unser-Bitte zum Thema Versuchung: Verlass uns nicht in der Versuchung! Bzw.: Lass nicht zu, dass wir in Versuchung geraten! Oder: Führe uns in der Versuchung!
Wenn wir auf unser Evangelium schauen: Jesus wird sehr wohl vom Geist der Versuchung ausgesetzt, aber er wird auch geführt und herausgeführt in der Versuchung.
Meines Erachtens gehören Versuchungen dazu, sie sind wahrscheinlich unvermeidbar, wenn wir uns für Gott oder auch für das Gute entschieden haben. Sie scheinen auch einen Sinn zu haben. Denn sie lassen bewährt und gestärkt daraus hervorgehen, wenn wir denn fest auf Gottes Hilfe und Beistand vertrauen.
Für die Kirchenväter des Altertums und auch besonders für die Wüstenmönche und -mütter des 4./5. Jh. sind Versuchungen ganz normal. Kein Tag vergeht ohne Versuchungen.
Sie gehören zum Suchen, zum Gott Suchen und zur Auseinandersetzung mit den eigenen Hindernissen bei dieser Suche. Davon ist auch der heilige Benedikt überzeugt. Versuchungen sind einfach eine Realität des Lebens! Der hl. Augustinus sagt: „Was weiß der schon vom Leben, der nicht versucht worden ist!“
Versuchungen sind unvermeidbar. Sie sind eine tägliche Herausforderung, eine Chance, sich zu bewähren, sich zu entscheiden. Und Versuchungen machen demütig – sie sind eine Hilfe, damit wir nicht überheblich werden, sondern eben lernen auf Gott und seinen Beistand zu vertrauen: „Niemand kann unversucht in das Himmelreich kommen!“ so ein Wüstenvater.
Die Evangelien berichten, dass Jesus erfüllt vom Heiligen Geist vom Jordan zurückkommt. Der Geist ist es, der Jesus antreibt und in der Wüste umherführt. Markus betont das am stärksten: dass Jesus ein Getriebener ist, dass er vom Geist getrieben in die Wüste geht! Dort aber begegnet er dem Ungeist, dem Teufel, dem Diabolos, der alles durcheinanderbringt, der alles hinterfragt, der Jesus auf seine Berufung hin regelrecht abklopft. Er macht es stilgerecht. Der Teufel macht es teuflisch gut. Er knüpft geschickt und gleich zweimal an das Wort von der Taufe an: Du bist mein geliebter Sohn! „Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden… Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich von hier hinab; denn es steht doch geschrieben: Seinen Engeln befiehlt er deinetwegen, dich zu behüten…Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt…“ Das ist schon unheimlich, wie bibelfest und fromm der Versucher und Versuchungen sein können…
Aber im Begriff Versuchung steckt eben auch SUCHEN und auch SUCHT: Gerade das heutige Evangelium spricht Dinge an, die zur Sucht werden können: Brot steht fürs alles Materielle, für Dinge, die nach uns greifen, so dass wir von ihnen besessen sind. Macht und Ruhm – wir sprechen nicht zufällig von Machtrausch und ruhmsüchtig. Auf die Probe stellen: statt vertrauen und sich anvertrauen.
Jesus muss sich mit diesen Kräften in sich oder die des Teufels, des Durcheinanderbringers (wie der eigentlich im Griechischen heißt: Diabolos) auseinandersetzen ums sie zu überwinden – zumindest eine Zeit lang. Dann ist sind die Versuchungen durchschaut und damit abgewendet.
Die Fastenzeit, die Vierzig Tage vor uns, sind auch eine Zeit, der wir der Versuchungen ausgesetzt sind, wenn wir sie ernst nehmen – vielleicht nicht nur in der harmlosen Form von Schokolade – sondern in der Weise, wie wir die Spannkraft im Gebet verlieren, die Mutlosigkeit angesichts so vieler schlechten Nachrichten, die Meinung, es bringt ja nichts anderen zu helfen oder ihnen beizustehen.
Rechnen wir also mit Versuchungen damit! Aber rechnen wir auch damit, dass Gott dabei, das wir mit seiner Hilfe wieder herauskommen und wie Jesus am Ende gestärkt werden vom Engel Gottes.
Amen.