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Predigten

Predigt zum 2. Sonntag der Fastenzeit

Sonnenuntergang am Horizont mit einem Baum an der Seite

„Herrlichkeit“. Unter dieses Stichwort, liebe Schwestern und Brüder, stellt der Theologe Hans Urs  von Balthasar seine gesamte Theologie. Er ist überzeugt: Nur wenn wir die Schönheit in unserem Glauben neu entdecken, haben wir eine Zukunft.

Das heutige Evangelium entspricht dieser Idee voll und ganz.

Jesus muss bei seinen Predigten und Wundern schon rein als Mensch eine starke Ausstrahlung gehabt haben. Auf dem Berg Tabor dürfen seine vertrautesten Jünger den eigentlichen Grund dafür schauen: Seine göttliche Schönheit.

Petrus ist ganz hingerissen. Das will er immer haben. Diesen besonderen Moment wollte er bewahren.   

„Herr, es ist gut, daß wir hier sind. Wenn Du willst, werde ich hier drei Hütten bauen“. So schön sollte es immer sein!

Schönheit – haben wir das nicht im Laufe unseres Lebens das eine und andere Mal erfahren? Und waren ergriffen, begeistert wie Petrus? Zum Beispiel, wenn wir ein faszinierendes Farbenspiel bei einem Sonnenuntergang miterlebt haben; eine zauberhafte Musik uns in Bann gezogen hatte oder wir einem Menschen von innerer und äußerer Schönheit begegnet sind. 

Oft aber versteckt sich Schönheit, wir nehmen sie nicht wahr.

So ist es einem Reisenden gegangen, der durch Tibet fuhr. Eines Tages brachte der Bus die Reisegesellschaft in ein Bergdorf und hielt vor einem barackenartigen Hotel. Ein hagerer, ausgemergelter Mann stieg in den Bus und verblüffte die ganze Gruppe. Er war alt, hatte nur noch einige Zähne. Er schielte so stark, dass es schwierig war, Augenkontakt mit ihm zu halten. Man hielt ihn zunächst für einen Bettler. Aber er wollte kein Almosen. Stattdessen trug er die schwersten Gepäckstücke aus dem Bus und stellte sie sorgfältig vor dem Hotel auf.  

Das angebotene Trinkgeld lehnte er ab, lächelte die Touristen an und ging seiner Wege. Er freute sich nur über den Besuch in seinem Dorf und wollte, daß die Fremden sich willkommen fühlten. Die vollkommene innere Schönheit dieses Mannes strahlte durch seine äußeren Unvollkommenheiten und die üblichen Wertmaßstäbe hindurch. Er erschien als liebevolle Unterstützung und wollte nichts dafür haben. 

Das Beispiel zeigt: Schönheit ist nicht immer offensichtlich, sie kann aber entdeckt werden. Es bedarf des Innehaltens und eines eigenen Blickes, um sie wahrzunehmen.

Die drei Jünger hatten Glück: sie durften Jesus ungebeten und ungefragt in Seiner göttlichen Schönheit erleben.

Wir sind herausgefordert, verborgene Schönheit zu entdecken: in den Worten der Heiligen Schrift, den gottesdienstlichen Feiern, den Gebeten/in unserem Beten, in unseren Mitmenschen, besonders den Begleiterinnen und Begleitern auf dem Weg der Nachfolge, in der ganzen Glaubens-Gemeinschaft Kirche, die ja nach dem Apostel Paulus der Leib Jesu Christi ist.

Ich wünsche uns offene Sinne und ein offenes Herz, so daß wir Gottes Schönheit   auch überall dort wahrnehmen, wo sie sich für uns noch verbirgt.

Amen.